Saarbrücken, 16. Februar 2021. Rote Flecken, trockene Haut, teils unerträglicher Juckreiz: Knapp zehn Prozent aller Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahre im Saarland sind von Neurodermitis betroffen. Das geht aus dem Neurodermitisreport hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität Bremen vor Kurzem veröffentlicht hat. Demnach sind 9,4 Prozent der saarländischen Heranwachsenden von der Hauterkrankung betroffen. Bundesweit sind es in der Altersgruppe 8,4 Prozent, also etwa 1,4 Millionen Menschen. Im Alter ab 20 Jahren liegt die Verbreitung an der Saar laut TK-Auswertung bei 3,8 Prozent (3,3 Prozent bundesweit). 

Verbrei­tung von Neuro­der­mitis in Deutsch­land

TK-Infografik: Verbreitung von Neurodermitis in Deutschland. Quelle: TK-Neurodermitisreport 2021 Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen leben die meisten Neurodermitis-Betroffenen. 

"Gerade bei Kinder ist diese chronische Erkrankung weit verbreitet. Wie so häufig, ist es wichtig, dass die Neurodermitis früh diagnostiziert und behandelt wird", betont Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. Den Ärzten käme dabei insgesamt eine bedeutende Rolle zu. Neben der Behandlung sei es auch wichtig, Ängste zu nehmen. "Schließlich gibt es heute schon gute Therapiemöglichkeiten", sagt Groh weiter.

Frauen leiden häufiger unter Neurodermitis

Die bundesweiten Auswertungen zeigen: Während im Alter bis 15 Jungen und Mädchen in etwa gleich stark betroffen sind, leiden im Jugend- und Erwachsenenalter Frauen häufiger unter Neurodermitis. So bekamen bei den 15- bis 19-Jährigen 6,3 Prozent der jungen Frauen und 4,8 Prozent der jungen Männer eine Neurodermitis-Diagnose. Bei den über 20-Jährigen sind 4 Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer betroffen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft sind genetische Faktoren die Ursache dafür.

Empfehlung für Impfung gegen Coronavirus

Da Menschen mit Neurodermitis häufig unter verschiedenen Unverträglichkeiten leiden, fragen sich viele Betroffene, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen können. Aus der ärztlichen Sicht des UKE spricht nichts gegen eine Impfung, wird sogar in den meiste Fällen empfohlen. Patientinnen und Patienten mit bekannten Unverträglichkeiten gegenüber Bestandteilen der Impfstoffe oder bekannten schweren allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte sollten sich jedoch ausführlich von einem Arzt oder einer Ärztin beraten lassen.

Jeder Dritte bekommt Kortisonsalbe

TK-Versicherte mit einer Neurodermitis erhielten am häufigsten Arzneimittel mit Kortison. Der Auswertung zufolge bekamen mehr als 30 Prozent eine kortisonhaltige Salbe verschrieben und in etwa jedem zehnten Fall Kortisontabletten. Dabei ist der richtige Umgang entscheidend: Tabletten sind eine Notfallmaßnahme, die Salbe kann etwas länger angewendet werden. Außerhalb der medikamentösen Behandlung können wirkstofffreie Cremes die Beschwerden lindern und die generell sehr trockene Haut stärken.

Hinweis für die Redaktion

Der Neurodermitisreport steht in zwei Versionen zum Download im Portal "Presse & Politik" bereit, einmal in einer Langversion und einmal in einer Kurzversion, die sich insbesondere an interessierte Betroffene richtet. Er enthält auch zahlreiche Tipps zum Umgang mit Neurodermitis. Auf dem Blog "Wir Techniker" gibt es ein Interview mit Prof. Dr. Matthias Augustin vom UKE zum Umgang mit Kortison.