Saarbrücken, 19. August 2020. Fast jeder achte Jugendliche im Saarland klagt über Kopfschmerzen: 11,6 Prozent der 15- bis 19-Jährigen im Saarland erhielten 2018 diese Diagnose von ihrem Arzt. Das geht aus dem Kopfschmerzreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der heute vorgestellt wurde. Damit liegen die Jugendlichen im Saarland unter dem Bundesschnitt von 12,8 Prozent. In der jüngeren Altersgruppe der null bis 14-Jährigen sind bundesweit 4,3 Prozent der Kinder von Kopfschmerzen betroffen, an der Saar sind es mit fünf Prozent etwas mehr.

Besonders viele Medikamentenverordnungen im Saarland

"Diese Zahlen verdeutlichen, dass Kopfschmerzen auch bei Kindern und Jugendlichen ein großes Thema sind", sagt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. Im Saarland wurde den Heranwachsenden in besonders vielen Fällen zur Behandlung schmerzstillende Medikamente verschrieben: Mit 27,5 Prozent liegt das kleinste Flächenland der Republik an der Spitze aller Bundesländer - und deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 22,6 Prozent. "Mit einer gewissenhaften Einnahme von Schmerzmitteln kann den Betroffenen in vielen Fällen geholfen werden. Dennoch sollte nicht zu häufig zu Präparaten wie Paracetamol oder Ibuprofen gegriffen werden, denn das kann den Körper schädigen und zu Abhängigkeiten führen", so Groh. 

Lüften und Trinken als Maßnahmen gegen Kopfschmerzen

Ein Großteil der Betroffenen versucht laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der TK nicht direkt zu Medikamenten zu greifen. 85 Prozent der Befragten im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Hessen versuchen möglichst lange auf Schmerzmittel zu verzichten. Stattdessen sind andere Maßnahmen sehr beliebt: Während 94 Prozent bei Beschwerden für frische Luft sorgen, gaben 92 Prozent an, mehr zu trinken. Aber auch Schlafen (69 Prozent), Entspannung (63 Prozent) und das Massieren der Schläfen oder der Kopfhaut (54 Prozent) stehen hoch im Kurs. 

Viele Jugendliche von Migräne betroffen

Bei fast einem Drittel (30,5 Prozent) der Jugendlichen im Saarland mit einer Kopfschmerzdiagnose wurde Migräne diagnostiziert. "Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung. Die meisten Erkrankten leiden lebenslang darunter", erklärt Groh. Bei der Migränebehandlung spielen neben Medikamenten vor allem vorbeugende Maßnahmen eine Rolle. Dazu der TK-Landeschef: "Regelmäßiger und ausreichender Schlaf, Stressabbau, Bewegung und Entspannungsübungen können bei Migräne schon viel bewirken." Wie die TK-Auswertung zeigt, wird Migräne weitaus häufiger bei Frauen diagnostiziert als bei Männern: Mit knapp sieben Prozent der Frauen aller Altersgruppen sind diese mehr als dreimal so häufig betroffen wie Männer (rund 2,2 Prozent). 

Migräne-App kann helfen

Eine Hilfe für Betroffen kann die Migräne-App sein, die gemeinsam von Schmerzexperten der Schmerzklinik Kiel, der TK und Selbsthilfegruppen entwickelt wurde. "Durch die App lernen die Migräne-Patienten ihre Krankheit besser kennen. So kann ein gutes Selbstmanagement entwickelt werden", erklärt Groh. Eine Studie bestätigt die Wirksamkeit der Anwendung. Nutzer gaben an, durchschnittlich drei Tage im Monat weniger an Kopfschmerzen zu leiden als ohne Nutzung der App. Das entspricht einer Reduktion von 25 Prozent.

Hinweis für die Redaktion

Der vollständige Kopfschmerzreport steht auf dem Presseportal der TK zur Verfügung (Suchnummer 2088710). Hier finden Sie auch weitere Informationen zum Report wie Infografiken und Interviews. 

Die Forsa-Umfrage unter 1.001 Befragten wurde im Auftrag der TK Ende Februar und Anfang März 2020 durchgeführt.