Kiel, 3. September 2020. Wer an Kopfschmerzen leidet, greift im Norden schnell zum Schmerzmittel. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach warten 27 Prozent der Kopfschmerz-Betroffenen nicht lange ab und nehmen bei Beschwerden Medikamente ein. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 21 Prozent, in Bayern sogar nur 11 Prozent. Anlässlich des Kopfschmerztags am 5. September 2020 macht Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK in Schleswig-Holstein, auf das Thema Kopfschmerz aufmerksam und betont: "Nicht immer sind Schmerzmittel bei Kopfschmerzen die beste Wahl. Denn wer an zu vielen Tagen Medikamente einnimmt, kann genau das Gegenteil bewirken: Mehr Kopfschmerzen durch zu viel Schmerzmittel", sagt er. 

Warum aber greifen hierzulande viele Menschen gleich zur Tablette? Mögliche Gründe sieht Schmidt-Bodenstein in der Leistungsgesellschaft. "Man möchte am liebsten 24 Stunden am Tag perfekt funktionieren, versucht alles unter einen Hut zu bekommen - Job, Familie, Freunde. Einschränkungen durch Kopfschmerzen sind dabei ein großes Hindernis und der Griff zur Tablette für viele der schnelle und einfache Weg, wieder leistungsfähiger zu sein." Da der übermäßige Konsum von Schmerzmitteln zu mehr Kopfschmerzen führen kann, erinnert Professor Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel an folgende Faustformel: "Schmerzmittel und spezifische Migränemittel - die sogenannten Triptane - sollten an weniger als zehn Tagen pro Monat verwendet werden. 20 Tage im Monat sollten also frei von deren Einnahme sein. Bei dieser Regel werden nicht die an den zehn Tagen verwendeten Tabletten gezählt, sondern nur der jeweilige Tag, unabhängig von der eingenommenen Menge."

Migräne-App aus Kiel wirkt 

Digitale Anwendungen können den Betroffenen dabei helfen, chronischen Kopfschmerzen und Migräne langfristig entgegenzuwirken und sogar die Einnahme von Medikamenten reduzieren. Die TK-Migräne-App ist von Experten der Schmerzklinik Kiel gemeinsam mit Wissenschaftlern und Versorgungsexperten der TK sowie Selbsthilfegruppen entwickelt worden. Die Anwendung dokumentiert den Verlauf von Migräne und Kopfschmerzen mit aktiver Dateneingabe. So können Betroffenen Dauer und Intensität der Schmerzen oder auch die Einnahme von Medikamenten erfassen. Zusätzlich leisten die in der App enthaltenen Entspannungsübungen, Coachings und die Vernetzung von Betroffenen in einer bundesweiten digitalen Selbsthilfe-Community erste Hilfe bei akuten Kopfschmerzen und Migräneanfällen. 

Eine aktuelle Wirksamkeitsstudie belegt den Erfolg der digitalen Anwendung. Demnach konnten Betroffene, die die App nutzen, ihre Kopfschmerztage um drei Tage im Monat (von 13 auf zehn Schmerztage) reduzieren. 

Die Migräne-App unterstützt auch bei der Suche nach dem nächsten Schmerzexperten. "Allein in Schleswig-Holstein nehmen inzwischen mehr als 40 Schmerzexperten an dieser Form der Versorgung teil. So zeigt die Migräne-App einmal mehr, wie ein digitales Angebot intelligent mit der regionalen Versorgung vor Ort verknüpft werden kann. Sie bietet einen echten Mehrwert für betroffene Patienten", sagt Sören Schmidt-Bodenstein. 

Hinweis für die Redaktion 

Im TK-Kopfschmerzreport sind weitere Informationen sowie Infografiken und Interviews. Die Forsa-Umfrage unter 1.001 Befragten wurde im Auftrag der TK Ende Februar und Anfang März 2020 durchgeführt.

Unter den Begriff "Norddeutschland" fallen die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern. 

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