Das E-Rezept kommt. Ab dem 1. Januar 2022 soll es für alle Patienten flächendeckend in Sachsen-Anhalt und ganz Deutschland zur Verfügung stehen. So steht es im Patientendatenschutzgesetz (PDSG), das vor kurzem in Kraft getreten ist. Nicht nur in strukturschwachen Regionen wie der Altmark, dem Burgenland oder im Harz kann das elektronische Rezept die Arzneimittelversorgung erleichtern und verbessern - es soll auch in Ballungsgebieten wie Halle, Magdeburg oder Dessau einen spürbaren Nutzen stiften. 

Mehrwert für Patienten und Apotheken 

Patienten werden durch das E-Rezept einen deutlichen Mehrwert im Vergleich zum rosa Papierrezept erleben - durch bessere Handhabbarkeit, größere Schnelligkeit und mehr Komfort. Wer morgens vor der Arbeit zum Arzt geht, wird sein Rezept von unterwegs an die Apotheke schicken können, damit sie das Medikament bereitstellt und er es später auf dem Heimweg abholen kann. Und wer jetzt schon Bankgeschäfte am Computer abwickelt oder Parkscheine per Handy bucht, wird auch seine Rezepte künftig online verwalten können.

Mathias Arnold

Portrait Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt und Vizepräsident der ABDA. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt und Vizepräsident der ABDA. 

Apotheken sollen ebenfalls Vorteile durch das E-Rezept haben. Das Einscannen und Bedrucken sowie Stapeln und Versenden von Papierzetteln entfallen künftig - ein Beitrag für die Umwelt und für mehr Effizienz. Rezeptfälschungen oder -manipulationen werden praktisch unmöglich, denn der Zugang zum Gesundheitsnetzwerk ist stark abgesichert. Nicht zuletzt dürften Beanstandungen der Krankenkassen bei der Rezeptabrechnung seltener werden, da Formfehler, wie zum Beispiel eine vergessene Arztunterschrift, beim E-Rezept nicht passieren können. 

Hoher Sensibilität Rechnung tragen

Trotz vieler Vorteile für Patienten und Apotheker gibt es natürlich auch Befürchtungen, die vom "gläsernen Patienten“ bis zum "Systemversagen“ reichen. Die meisten Ängste dürften unbegründet sein, denn Politik und Verwaltung wissen um die hohe Sensibilität dieses Projekts und haben deshalb entsprechende rechtliche und technologische Vorkehrungen getroffen. Der Deutsche Apothekerverband - dem auch der Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt angehört - ist seit Jahren ein kritischer und konstruktiver Begleiter dieses Projekts.

Allerdings könnte das E-Rezept ein "game changer“ sein, also eine dramatische Veränderung des Systems bewirken. Bisher kann man das Rezept in der Apotheke um die Ecke abgeben oder per Brief an eine Versandapotheke schicken. Künftig kann man sein E-Rezept per Knopfdruck an jede beliebige Apotheke in Deutschland oder gar im Ausland schicken. Die entscheidende Frage bleibt natürlich gerade in ländlichen Regionen wie der Altmark oder dem Harz, wann, wo und wie man das Medikament tatsächlich bekommt. 

Das hohe Gut der freien Apothekenwahl 

Viele Apotheker befürchten durch das E-Rezept künftig mehr Versandhandel. Das kann die Apotheken vor Ort und damit das wohnortnahe Versorgungsnetz für die Akutversorgung schwächen. Deshalb ist es richtig, dass der Bundestag vor kurzem ein Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) verabschiedet hat. Darin wird geregelt, dass sich nun auch wieder ausländische Versandapotheken an die in Deutschland geltenden festen Abgabepreise bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln halten müssen.

Das Verbot des kommerziellen Handels mit E-Rezepten ist wiederum im Patientendatenschutzgesetz (PDSG) verankert - das ist ein großer Erfolg für den Verbraucherschutz. Da der Arzt das E-Rezept auf einem zentralen Rezeptspeicher ablegt, kann es tatsächlich auch niemand "technisch“ vor dem Patienten abfangen. Nachdem der Patient jedoch per Code auf seinem Smartphone darauf zugegriffen hat, besteht die technische Möglichkeit, dass irgendein "Datenkrake“ das E-Rezept zu einer bestimmten (Versand-) Apotheke umleiten will. Bei solchen "Komfortangeboten“ sollte also jeder Patient stutzig werden - die freie Apothekenwahl ist und bleibt ein hohes Gut.

Chance für Gestaltung 

Für die Gesundheitsversorgung der Menschen in Sachsen-Anhalt bietet die Digitalisierung also erhebliche Chancen, aber auch manche Risiken. Das E-Rezept wird einen großen Einfluss auf die Arzneimittelversorgung haben, den man aber nicht fürchten muss, sondern gestalten sollte. Gerade auf dem Lande kann es unnötige Wege sparen und eine schnellere Versorgung ermöglichen. Auch für ältere und andere Menschen ohne Handy wird es eine Lösung geben - sie bekommen dann vom Arzt einen Papierausdruck mit 2-D-Barcode, womit sie in der Apotheke ihr E-Rezept einlösen können. Die Apotheken sind ohnehin schon voll digitalisiert - hinter dem Handverkaufstisch geht heutzutage nichts mehr ohne aufwendige Datenbanken und leistungsstarke Hardwaremodule. 

Zur Person 

Mathias Arnold, Jahrgang 1964, ist Inhaber einer Apotheke in Halle/Saale, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt in Magdeburg und Vizepräsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. Er engagiert sich für die Einführung des E-Rezepts und leitet die Europadelegation der ABDA in Brüssel. Im Jahr 2021 hat Arnold das Amt des Vizepräsidenten im Zusammenschluss der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU) inne.