Mainz, 12. April 2022. Im Jahr 2020 stiegen die Ausgaben der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz für Arzneimittel im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 8,34 Prozent auf rund 261 Millionen Euro. Damit folgt Rheinland-Pfalz dem bundesweiten Trend (plus 8,61 Prozent). Insgesamt belaufen sich die Arzneimittelausgaben der TK im Jahr 2020 auf über 5,5 Mrd. Euro - ein Anteil von fast 18 Prozent der gesamten Leistungsausgaben.

Je Versicherte oder Versicherten gab die TK in Rheinland-Pfalz im Jahr 2020 rund 531 Euro aus, was einem Plus von sechs Prozent entspricht. Rheinland-Pfalz befindet sich zwar noch deutlich hinter den Spitzenreitern Sachsen-Anhalt (683 Euro/Versicherten) und Sachsen (647 Euro/Versicherten), liegt jedoch über dem Bundesdurchschnitt von 519 Euro je TK-Versicherten. 

"Diese Zahlen zeigen den ungebremsten Anstieg der Arzneimittelkosten", so Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. "Die Dimension wird deutlich, wenn man diese in Relation zu den Gesamtausgaben der TK für die Leistungserstattung der ambulanten Ärzte in Rheinland-Pfalz setzt, die mit 293 Millionen Euro nur rund 30 Millionen Euro höher liegen. Einsparungen sind im Arzneimittelbereich dringend erforderlich, zumal der Einstiegspreis oft nicht mit einer entsprechenden Verbesserung der Arzneimittel einhergeht. Somit sind die hohen Preise nicht immer gerechtfertigt", so Simon weiter. 

Neu nicht gleich besser

Ein Großteil neu eingeführter Arzneimittel stellen keine echten Innovationen dar, wie der jährlich publizierte Innovationsreport von Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse verdeutlicht. Seit 2013 wurden 200 neu auf den Markt gekommene Medikamente bewertet, von denen rund 50 Prozent keine Verbesserung für die Patientinnen und Patienten im Vergleich zu bereits vorhandenen Arzneimitteln lieferten. "Neu ist nicht gleich besser. Das Problem ist, dass diese neuen, aber häufig nicht innovativen Arzneimittel jedoch im ersten Jahr ihrer Einführung unverhältnismäßig teuer sind, weil die Hersteller den Preis selbst festlegen können. Und dass sie aufgrund von Marketing trotzdem verordnet werden, obwohl es in den meisten Fällen gleichwertige, günstigere Mittel gibt, die bereits am Markt sind", sagt der TK-Landeschef. "Das belastet die Krankenkassen und damit natürlich die Beitragszahler enorm."

Erst nach Ablauf des ersten Jahres gilt der Preis, welcher vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) und den Arzneimittelherstellern ausgehandelt wurde. "Ein erster Schritt ist die Reform des Arzneimittelneuordnungsgesetztes von 2011, die im Koalitionsvertrag verankert wurde. Statt nach einem Jahr soll der ausgehandelte Erstattungsbetrag für neue Arzneimittel dann bereits rückwirkend ab dem siebten Monat nach der Einführung gelten", erläutert Simon. "Aber auch dies ermöglicht den Herstellern noch sechs Monate, in denen sie Mondpreise verlangen können, die dann die Benchmark für die weitere Preisgestaltung setzten. Letztlich brauchen wir eine transparente, faire Preisgestaltung, die objektiv nachvollziehbar ist." 

Einsparungen von fast acht Milliarden Euro möglich

Durch die schwierige finanzielle Situation der Krankenkassen (im nächsten Jahr droht ein Fehlbetrag von rund 17 Mrd. Euro) ist ein schnelles Handeln notwendig, um eine größere Belastung für die Versicherten aufgrund steigender Beiträge zu vermeiden. So fordert die TK neben einer veränderten Preisbildung weitere Einsparungsmöglichkeit, wie die Senkung der Mehrwertsteuer für Arzneimittel auf den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent und eine Erhöhung des sogenannten Herstellerabschlags auf patentgeschützte Arzneimittel. Simon: "Alleine die Kombination dieser beiden Maßnahmen könnte zu Einsparungen der gesetzlichen Krankenkassen in Höhe von fast acht Milliarden Euro führen." 

Hinweis für die Redaktion

Der vollständige Innovationsreport 2021 steht auf dem Presseportal der TK inklusive weiterem Informationsmaterial zur Verfügung. Der Report fasst die Bewertungen neuer Arzneimittel aus den Innovationsreporten der Jahre 2013 bis 2020 zusammen. Die Bewertung erfolgte in Form eines Ampelschemas (rot, gelb, grün) anhand der Kategorien verfügbare Therapien, Zusatznutzen und Kosten.