Der Report bewertet 23 neu auf den Markt gekommene Arzneimittel des Jahres 2016 nach einem bewährten Ampelschema. Für die Bewertung entscheidend sind die Punkte, ob eine bestehende Therapie verbessert wird, ob es einen Zusatznutzen gibt und ob die Kosten angemessen sind.

TK: Herr Vogt, was sind die zentralen Ergebnisse des Innovationsreports 2019?

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Andreas Vogt: Die positive Entwicklung des vergangenen Jahres konnte sich nicht ganz fortsetzen. 14 Präparate und damit mehr als 60 Prozent bekamen von den Wissenschaftlern der Universität Bremen eine rote Gesamtampel, 2018 lag der Anteil bei 31 Prozent. Besonders auffällig: Von sechs Arzneimitteln zur Behandlung seltener Krankheiten bekamen fünf eine rote Gesamtampel und nur eins eine grüne.

Erstmals wurde in dem Report auch ein Impfstoff bewertet. Es handelt sich dabei um einen Impfstoff gegen Humane Papillomaviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Er hat eine grüne Gesamtampel bekommen, ebenso wie vier weitere Medikamente. 
 

TK: Gegen welche Krankheiten werden die bewerteten neuen Arzneimittel hauptsächlich eingesetzt? 

Vogt: Am häufigsten bewertet wurden Medikamente zur Behandlung von Krebserkrankungen. Jedes dritte Präparat gehört in diese Kategorie. Nach Einschätzung der Experten, die wir für den Innovationsreport befragen, sind die Kosten für diese Mittel weiterhin sehr hoch. Sie stehen oft in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen für die Patientinnen und Patienten. Auch wenn diese Medikamente nur zwei Prozent der Verordnungen ausmachen, treiben sie die Arzneimittelausgaben extrem in die Höhe. 

TK: Wie oft werden diese Medikamente in Baden-Württemberg verordnet und welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?

Vogt: In Baden-Württemberg werden neue und teure Medikamente ohne Zusatznutzen eher moderat eingesetzt. Auf 1000 Versicherte kommen 0,60 Verordnungen, bundesweit sind es 0,81. Dennoch müssen wir zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) dafür Sorge tragen, dass solche Mittel in sehr eng definierten Ausnahmefällen verordnet werden. 

TK: Der diesjährige Innovationsreport beschäftigt sich in einem Sonderkapitel mit dem Thema Impfen. Wie sehen hier die Ergebnisse aus?

Vogt: Bundesweit hat rund die Hälfte der im Jahr 2016 geborenen Kinder bis zum zweiten Geburtstag nicht alle empfohlenen Impfungen vollständig erhalten. Vollständig gegen Masern, Keuchhusten, Windpocken und Co. geimpft - also inklusive aller Teilimpfungen - sind knapp 47 Prozent. 3,6 Prozent der Kleinkinder haben gar keine von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Impfung bekommen. 

In Baden-Württemberg sind die Zahlen noch etwas schlechter. Vollständig geimpft sind 47 Prozent der Kinder, teilweise geimpft sind 51 Prozent und gar nicht geimpft sind 4,3 Prozent. Die Daten zeigen, dass es Verbesserungsbedarf gibt. Das gilt gerade auch für Masern: Jedes zehnte Kind unter zwei Jahren im Südwesten hat keine Impfung bekommen. Nach Thüringen, Sachsen und Bayern ist das der schlechteste Wert.