Maßgeblich waren die Fragen, ob eine bestehende Therapie verbessert wird, ob es einen Zusatznutzen für Patienten gibt und ob die Kosten dem Grad der Innovation angemessen sind.

Herr Vogt, im letzten Jahr hatte kein einziges der untersuchten Medikamente eine grüne Gesamtampel bekommen. Gibt es dieses Mal Wirkstoffe, deren Verordnung empfohlen werden kann?

Tatsächlich erhielten dieses Mal sieben Wirkstoffe eine grüne Gesamtampel und damit so viele wie noch nie seit dem ersten Erscheinen des Reports 2013.

Echte Therapiefortschritte haben unsere Kooperationspartner von der Universität Bremen im Bereich der Krebstherapie bei bestimmten Formen von Knochenmarkkrebs und Leukämie sowie bei Mukoviszidose festgestellt.

Aber insgesamt bleibt es bei dem Dilemma, dass es zu viele Medikamente gibt, die in Relation zu den sehr hohen Preisen keinen Therapievorteil bieten. Nur zwei der neuen Arzneimittel erhielten eine grüne "Kostenampel".

Wenn die Chance auf mehr Lebensqualität während der Therapie oder sogar eine Heilung besteht, ist Patienten das Kostenargument vermutlich egal…

Das ist richtig. Aber wir wissen, dass beispielsweise die hohen Preise für neue onkologische Wirkstoffe weder die Kosten für Forschung und Entwicklung noch den Zusatznutzen widerspiegeln. Es gibt aber eine Bereitschaft des Marktes derartig hohe Preise zu bezahlen.

Besonders im Fokus der Pharmaindustrie stehen derzeit Immuntherapeutika, die sehr hohe Kosten verursachen, ohne dass aussagekräftige Langzeitergebnisse zu ihrer Wirksamkeit und Sicherheit vorliegen. Bedenklich dabei ist, dass sogar negativ bewertete Präparate ihren Weg in medizinische Leitlinien gefunden haben.

Und an diesen Leitlinien orientieren sich Ärzte bei ihren Verordnungen. Dabei hat der Report aber regionale Unterschiede festgestellt. Wie sieht es in Baden-Württemberg aus?

Die Wissenschaftler haben analysiert, wie hoch der Anteil der Versicherten war, die eines der neuen Arzneimittel verordnet bekommen haben, im Vergleich zu allen TK-Versicherten im Bundesland. Dabei zeigte sich, dass die Bereitschaft der Ärzte auf diese Mittel zurückzugreifen in den östlichen Bundesländern und im Saarland am höchsten war. Bremen weist die niedrigste Verordnungsprävalenz auf, gefolgt von Baden-Württemberg.

Auch wenn man nur die Arzneimittel mit einer negativen Bewertung des Zusatznutzens betrachtet, sind die Ärzte bei uns im Land zurückhaltender. Nur in Hessen wird noch weniger verordnet.

Die Autoren des Reports führen diese Unterschiede auf Einflussfaktoren wie den Morbiditätsgrad der Patienten, aber auch auf die Einflussnahme von Pharmaunternehmen oder den Kenntnisstand der Verordner zurück. Interventionsaktivitäten und Fortbildungen der Kassenärztlichen Vereinigungen spielten hier eine Rolle.

Eventuell zeigen hier die Bemühungen einer Arbeitsgemeinschaft der KV BW und den Landesverbänden der Krankenkassen zur Einhaltung des Wirtschaftlichkeitsgebots in der vertragsärztlichen Versorgung eine Wirkung. Sie erstellt auch Therapieleitfäden für bestimmte Erkrankungen.