Berlin/Potsdam, 8. November 2018. In Berlin und Brandenburg wird rund ein Drittel der an Alzheimer-Demenz erkrankten TK-Versicherten mit Beruhigungsmitteln wie Neuroleptika und Benzodiazepinen behandelt. In der Hauptstadt erhalten 32 Prozent, in Brandenburg 31 Prozent der Betroffenen eine entsprechende Verordnung. Das geht aus dem aktuellen Innovationsreport der Techniker Krankenkasse (TK) und der Universität Bremen hervor.

114.000 Betroffene

In der Region Berlin/Brandenburg sind laut einer Auswertung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft aus dem Jahr 2016 etwa 114.00 Menschen von Demenz betroffen. Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Für die Behandlung der Erkrankung werden Antidementiva empfohlen. Sie können Alzheimer-Demenz nicht heilen, aber dafür ihr Fortschreiten verlangsamen. Beruhigungsmittel sind hingegen nur dazu gedacht, die Patienten kurzzeitig zu behandeln, falls sie sich selbst oder andere gefährden. Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin und Brandenburg: "Eine Demenzerkrankung stellt die Betroffenen und ihr Umfeld vor große Herausforderungen. Die Zahlen zeigen, dass die Versorgung von Menschen mit Alzheimer-Demenz dringend verbessert werden muss. Die Patienten müssen diejenige Medizin erhalten, die auch speziell zur Behandlung ihrer Erkrankung angeraten wird."

Empfohlene Therapie

29 Prozent der Patienten in Brandenburg erhalten die für die Behandlung von Alzheimer-Demenz empfohlenen Antidementiva. In Berlin wird nur jeder fünfte Patient mit Alzheimer-Demenz (22 Prozent) mit einem Antidementivum behandelt. Die Hauptstadt zählt damit im Ländervergleich zu den Schlusslichtern. Noch niedriger liegt die Quote nur in Schleswig-Holstein (20 Prozent), Hamburg (19 Prozent) und Bremen (17 Prozent).

Forschung stagniert

Ein Großteil der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie findet laut dem Innovationsreport auf Gebieten statt, auf denen es bereits verhältnismäßig viele Wirkstoffe gibt. Von Forschungen zur Alzheimer-Demenz hat sich die Industrie seit Jahren zurückgezogen. Laut Aussagen des Reports werden im Jahr 2030 schätzungsweise weltweit mehr als 65 Millionen Menschen von Dement betroffen sein. Deshalb sei es wichtig und notwendig, dass die Forschung auf diesem Gebiet weiter vorangetrieben wird, so Hertzer.

Hinweis an die Redaktionen

Der Innovationsreport der TK prüft jährlich neue Arzneimittel und ihren Nutzen. Der diesjährige Report widmet ein Sonderkapitel der Behandlung von Alzheimer-Demenz in Deutschland.