Demenzerkrankungen gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten altersbedingten Erkrankungen. Derzeit gibt es keine Medikamente, die die Krankheit heilen können. Dafür aber gibt es Mittel, die ihr Fortschreiten verlangsamen können. Diese Antidementiva empfehlen Experten für die Behandlung einer Demenzerkrankung. Verordnungsdaten der TK zeigen: In Berlin erhält nur jeder fünfte Patient mit Alzheimer-Demenz eine Antidementiva-Verordnung. In Brandenburg wird rund ein Drittel der Betroffenen mit dem empfohlenen Medikament behandelt. Das zeigt der Innovationsreport 2018, den die Universität Bremen in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse veröffentlicht hat.

Beruhigungsmittel eingesetzt

Häufig werden Beruhigungsmittel wie Neuroleptika und Benzodiazepine im Zuge der Demenz-Behandlung verschrieben. Diese können den Patienten im Einzelfall helfen, wirken sich aber nicht positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus. Zudem sind sie nicht für eine dauerhafte Anwendung vorgesehen. In Berlin und Brandenburg kommen bei rund 30 Prozent der Demenz-Patienten Beruhigungsmittel zum Einsatz.

Umfrage zur Pflege

Eine TK-Umfrage zu Pflege und Demenz zeigt, dass viele Menschen in Berlin und Brandenburg mit einer Demenz-Erkrankung in Berührung kommen. 35 Prozent haben demnach in den vergangenen fünf Jahren mit einer an Demenz erkrankten Person in Kontakt gestanden. Bei 49 Prozent ist die Angst groß, im Alter selbst an Demenz zu erkranken.

Versorgung verbessern

Um die Versorgung von Patienten mit Demenz zu verbessern, ist es wichtig, dass die Industrie die Forschung auf dem Gebiet wieder vorantreibt. Die Forschung und Entwicklung im Bereich der Alzheimer-Demenz stagniert seit mehreren Jahren. Dabei ist Alzheimer-Demenz nicht nur eine Herausforderung für jeden Betroffenen und seine Angehörigen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft - gerade angesichts des demografischen Wandels. Denn mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken.

Bewertung neuer Arzneimittel

Im Innovationsreport 2018 wurden auch wieder die neu auf den Markt gekommenen Arzneimittel bewertet. In diesem Jahr waren die neu zugelassenen Medikamente des Jahrgangs 2015 an der Reihe, sie wurden nach dem Ampelsystem kategorisiert.

Das erfreuliche Ergebnis: Für sieben der insgesamt 32 Arzneimittel konnte eine grüne Gesamt-Ampel vergeben werden. Im vergangenen Report erhielt kein einziges Medikament diese Bewertung. 15 der bewerteten Produkte erhielten eine gelbe Ampel, zehn die rote Ampel. Gute und wichtige Innovationen sind diesmal vor allem im Bereich der Krebstherapie der lymphatischen Leukämie und des multiplen Myeloms zu verzeichnen.

Innovationsreport 2018

Therapiesicherheit erhöhen

Festzustellen ist aber auch: Für sechs der untersuchten Arzneimittel wurden bereits Rote-Hand-Briefe verschickt. In diesen Meldungen wird zum Beispiel auf Risiken hingewiesen, die zum Zeitpunkt der Zulassung noch nicht bekannt waren. Um die Therapiesicherheit zu erhöhen, muss eine systematische Nebenwirkungsforschung nach der Zulassung erfolgen. Vier Arzneimittel sind in einem beschleunigten Verfahren zugelassen worden. Natürlich ist es wichtig, dass gute Medikamente so schnell wie möglich zu den Patienten kommen, aber bei zwei Wirkstoffen kam es bereits kurz nach der Zulassung zu Dosisveränderungen beziehungsweise Indikationserweiterungen.

Ein wichtiger Schritt zu mehr Therapiesicherheit sind die "Blaue-Hand-Schulungsmaterialien“, die in Abstimmung mit den pharmazeutischen Unternehmen und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erstellt werden. Für acht neue Medikamente, wurde mit Hilfe dieser Materialien im Nachhinein das Risiko bei der Anwendung neuer Arzneimittel reduziert.