Hamburg, 24. Oktober 2018. In Hamburg bekommen nur 19 Prozent der Demenzerkrankten ein Antidementivum. Die Hansestadt liegt damit sechs Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt (25 Prozent). Ein Beruhigungsmittel erhalten 37 Prozent der betroffenen Hamburger. Bundesweit sind es sogar 38 Prozent. Das ergibt ein Sonderkapitel aus dem Innovationsreport 2018 der Techniker Krankenkasse (TK), der heute in Berlin vorgestellt wurde. Demnach wird die Alzheimer-Demenz oft falsch oder gar nicht behandelt.

"Die Auswertung von Routinedaten zeigt, dass in Hamburg an Alzheimer-Demenz erkrankte Menschen vorrangig mit Beruhigungsmitteln wie Neuroleptika und Benzodiazepinen behandelt werden. Der Verdacht liegt hier nahe, dass demente Menschen nicht behandelt, sondern nur ruhiggestellt werden", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. Neuroleptika eignen sich nicht für eine Dauerversorgung, sondern nur für eine kurzfristige Intervention, wenn eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt. "Die Zahlen zeigen, dass wir die Versorgung von Menschen mit Demenz dringend verbessern müssen. Die Therapie sollte leitliniengerecht erfolgen, und die Entwicklung neuer Wirkstoffe muss vorangebracht werden", so Puttfarcken weiter.

Mehr Arz­nei­mit­tel mit Zu­satz­nut­zen

Der TK-Innovationsreport 2018 zeigt, dass im Jahr 2015 seit langer Zeit erstmals wieder mehr Arzneimittel mit einem Zusatznutzen auf den Markt gekommen sind. Insgesamt wurden im TK-Innovationsreport 32 Wirkstoffe aus diesem Jahr bewertet. Zum ersten Mal wurden mit Hilfe des etablierten Bewertungsschemas sieben "grüne Ampeln" vergeben. Zudem vergaben die Wissenschaftler der Universität Bremen für 15 Arzneimittel eine "gelbe" und für zehn eine "rote" Ampel.

Ein großer Teil der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie findet laut aktuellem Report aber auch weiterhin auf Gebieten statt, auf denen es bereits gute Wirkstoffe gibt. "In einigen Therapiegebieten sehen wir seit langem die ersten echten Fortschritte. Das Beispiel Alzheimer-Demenz zeigt aber, dass die Forschung meist nicht dort stattfindet, wo sie am dringendsten gefragt ist", sagt Puttfarcken.

Alzheimer-Demenz ist nicht nur für Betroffene und Angehörige, sondern angesichts der demografischen Alterung auch für die gesamte Gesellschaft eine Herausforderung. Mit steigendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Trotzdem gab es in den letzten Jahren keine neuen Zulassungen auf diesem Gebiet.

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