Mainz, 2. Juni 2022. Im Jahr 2020 verhüteten in Rheinland-Pfalz rund 20 Prozent weniger TK-versicherte Mädchen und Frauen zwischen 14 und 19 Jahren mit der Antibabypille als noch im Jahr 2015. Demnach entschieden sich für diese hormonelle Verhütungsmethode im Jahr 2020 etwa 37 Prozent der unter 20-Jährigen. Dies ergaben Auswertungen der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK). 

In der Altersgruppe der 18- und 19-Jährigen, auf die die meisten Verordnungen entfielen, nahmen im Jahr 2015 drei von vier Frauen (rund 74 Prozent) die Pille ein. Im Jahr 2020 waren es nur noch gut 58 Prozent. Der Rückgang betrug somit mehr als 20 Prozent. 

"Über potenzielle Gründe für den starken Rückgang können wir nur mutmaßen. Möglicherweise hat auch die mediale Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien für ein höheres Thromboserisiko bestimmter Präparate eine Rolle gespielt", sagt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. 

Weniger Pillen der neuen, risikoreicheren Generation

Denn ein weiteres Ergebnis der Auswertung zeigt: Immer weniger junge Mädchen und Frauen greifen zu den neuen Pillen der dritten und vierten Generation. Diese haben nach wissenschaftlichem Kenntnisstand ein höheres Risikopotential, eine tiefe Beinvenenthrombose als Nebenwirkung hervorzurufen als Pillen der ersten oder zweiten Generation. Insgesamt erhielten in Rheinland-Pfalz im Jahr 2020 mehr als 7.000 bei der TK versicherte Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 21 Jahren die Pille eine Pillenverordnung. Davon entfielen sowohl auf die Pillen der ersten und zweiten Generation (etwa 47 Prozent) als auch auf die Pillen der dritten und vierten Generation (etwa 48 Prozent) nahezu gleichviele ärztliche Verordnungen.

"2014 gingen noch rund zwei Drittel der Verordnungen auf das Konto der Pillen der zweiten und dritten Generation", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. "Der Rückgang ist positiv zu bewerten, allerdings wird damit immer noch jede zweite Frau einem höheren Risiko ausgesetzt", so Simon weiter. Pillen der zweiten Generation gelten für viele Expertinnen und Experten nach aktuellem Wissensstand als die risikoärmste Variante.  

Ärztlichen Rat einholen

Je nach Generation der Pille variiert auch die Zusammensetzung der Präparate. Da es sich hierbei um verschiedene Wirkstoffe handelt, kann sowohl das Risiko für Thrombosen als auch für andere unerwünschte Nebenwirkungen bei jeder Frau unterschiedlich stark ausfallen. "Eine individuelle Absprache mit dem betreuenden Arzt oder der Ärztin ist deshalb ratsam, um die richtige Verhütungsmethode zu finden und Nebenwirkungen möglichst gering zu halten", sagt der TK-Landeschef.

Hinweis für die Redaktion

Die Auswertung basiert auf Routinedaten von TK-Versicherten bis 19 Jahren beziehungsweise ab 2019 bis 21 Jahren: Seit Frühjahr 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel wie die Antibabypille.