Saarbrücken, 8. Januar 2020. Die Winterzeit ist auch immer Erkältungs- und Grippezeit. Obwohl die aktuelle Grippesaison wesentlich harmloser verläuft als die vergangene, leiden trotzdem viele Menschen an verstopften Nasen, Husten und weiteren Symptomen. Die meist von Viren verursachten Krankheiten werden teilweise mit Antibiotika behandelt - obwohl die nur bei Bakterien wirken. Doch es gibt gute Nachrichten: Der Anteil der erkälteten Saarländer, die Antibiotika verordnet bekommen haben, ist 2018 auf rund 30 Prozent gesunken. Das ist ein Rückgang um vier Prozentpunkte im Vergleich zu 2017 und um fast 14 im Vergleich zu 2014. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK).

Trotzdem bundesweit höchster Anteil

Allerdings ist das noch immer der mit Abstand höchste Wert in Deutschland. Rheinland-Pfalz folgt dem Saarland mit 26,9 Prozent. Den bundesweit geringsten Anteil an Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungskrankheiten hatte 2018 Berlin mit 17,7 Prozent. Der Bundesdurchschnitt lag bei 22 Prozent.

"Es ist gut und wichtig, dass die Zahlen sinken. Aber wir müssen auch künftig alles dafür tun, dass Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie auch wirklich helfen", erklärt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. "Durch einen unnötigen Einsatz können multiresistente Keime entstehen. Damit steigt auch die Gefahr, dass Antibiotika irgendwann nicht mehr wirken."

Mit "RESIST" unnötige Verordnungen vermeiden

Die TK beteiligt sich deshalb auch im Saarland an dem Projekt "RESIST". Das Ziel ist, unnötige Antibiotikaverordnungen bei Atemwegserkrankungen zu vermeiden. Ärzte und auch Patienten sollen für das Thema sensibilisiert werden - zum Beispiel steht ein Instrumentenkoffer mit Entscheidungshilfen zur Verfügung. Die Mediziner können an einem Onlinetraining teilnehmen und ihr Verordnungsverhalten hinterfragen. Und sie bekommen Informationsmaterial an die Hand, um ihren Patienten die Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum zu erklären. Denn häufig erwarten Patienten ein Rezept für ein Medikament, wenn sie zum Arzt gehen.

Hinweis an die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2019 hat die TK unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund 45.000 versicherten saarländischen Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozial-versicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.