Saarbrücken, 9. August 2019. Zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bekommen immer mehr erwachsene Saarländer Medikamente mit dem umstrittenen Wirkstoff Methylphenidat, wie beispielsweise Ritalin. Von 2015 bis 2018 ist die Zahl der Saarländer über 18 Jahren mit einer solchen Verordnung um rund 30 Prozent gestiegen (Bundesschnitt +25 Prozent). Durchschnittlich 2,1 von 1000 Versicherten haben 2018 eine Verordnung erhalten. Das ergab eine Auswertung von Routinedaten der Techniker Krankenkasse (TK).

Bei Kindern und Jugendlichen - die immer noch deutlich häufiger mit diesen Medikamenten behandelt werden als Erwachsene - ist im Saarland eine gegensätzliche Entwicklung zu beobachten. Die Verordnungen gingen im gleichen Zeitraum um mehr als 14 Prozent zurück (im Bund -9,3 Prozent). Trotzdem erhielten hier noch immer 11,3 von 1000 Versicherten unter 18 Jahren im vergangenen Jahr solche Arzneimittel.

Kombinierte Therapie wichtig

"ADHS verbindet man in der Regel mit Kindern und Jugendlichen. Diese Ergebnisse zeigen aber, dass auch immer mehr Erwachsene betroffen sind", erklärt Daniel Konrad, Pressereferent der TK im Saarland. "Wichtig ist, dass die Krankheit nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit weiteren Maßnahmen, wie beispielsweise einer Psychotherapie, ergänzt werden - egal in welchem Alter." 

Regional große Unterschiede bei Verordnungszahlen

Bei den Verordnungen zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während in Rheinland-Pfalz 2018 rund drei von 1000 erwachsenen TK-Versicherten Medikamente mit Methylphenidat bekommen haben, waren es in Thüringen hingegen durchschnittlich nur 0,8 und in Sachsen-Anhalt nur 0,7. Im bundesweiten Durchschnitt erhielten 2,2 Erwachsene beziehungsweise 13,5 Kinder und Jugendliche pro 1000 Versicherten im vergangenen Jahr eine Verordnung solcher Medikamente. 

Unterschiede zeigen sich auch bei männlichen und weiblichen Versicherten: Jungs und Männer werden häufiger mit Medikamenten wie Ritalin behandelt als Mädchen und Frauen. Das fällt besonders in der Altersgruppe unter 18 Jahren auf.

ADHS äußert sich bei Mädchen anders

Die Ergebnisse zeigen, dass die Erkrankung noch immer vermehrt in jungen Jahren auftritt. Jungen sind dabei nicht nur öfter betroffen, die Krankheit äußert sich bei ihnen in der Regel auch anders. Während diese vor allem sehr aktiv sind, zeigen Mädchen ganz andere Symptome wie Tagträume, vermehrtes Reden oder Vergesslichkeit. Darauf sollten Eltern achten. Im Erwachsenenalter werden diese Unterschiede geringer und die Hauptsymptome sind Hyperaktivität und Probleme mit der Aufmerksamkeit.

Hinweis für die Redaktionen

Für die Analyse wurden Routinedaten der TK-Versicherten von Anfang 2015 bis Ende 2018 ausgewertet. Weitere Informationen zum Thema ADHS bei Erwachsenen gibt es auf der Website der TK (Suchnummer 2017896).