Potsdam, 3. September 2020. Kopfschmerzen sind in Brandenburg unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Das zeigt der Kopfschmerzreport der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach leiden jeder siebte Jugendliche (13,5 Prozent) und mehr als fünf Prozent der Kinder bis 14 Jahren unter ärztlich diagnostizierten Kopfschmerzen. Jedem vierten betroffenen Kind und Jugendlichen (23,9 Prozent) wurde ein Schmerzmittel verordnet. 

Kinder und Kopf­schmerz­mit­tel-Verord­nungen

TK-Infografik zu Kopfschmerzmittel-Verordnungen bei Kindern. Basierend auf dem TK-Kopfschmerzreport 2020 Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Kopfschmerzdiagnose, die im Jahr 2018 ein Schmerzmittel verordnet bekommen haben, unterscheidet sich regional. In Berlin erhielten 17% Schmerzmittel, im Saarland hingegen 27,5%.

Mit den Beschwerden auseinandersetzen 

"Es ist wichtig, dass sich die Eltern zusammen mit den Kindern frühzeitig mit den Beschwerden auseinandersetzen", sagt Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin/Brandenburg. "Oft entstehen Kopfschmerzen durch bestimmte Trigger wie Gerüche, Nahrungsmittel oder Stress. Diese Auslöser zu kennen, kann dabei helfen, den persönlichen Alltag zielgerichtet und bewusst zu strukturieren." 

Der schnelle Griff zur Tablette 

Auch viele Erwachsenen leiden unter Kopfschmerzen. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK zeigt, dass rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen eine weit verbreitete Strategie im Kampf gegen die Volkskrankheit Kopfschmerzen ist. In Brandenburg und Berlin gaben 32 Prozent an, schnell zu Medikamenten zu greifen, um die Beschwerden loszuwerden. Das ist bundesweit der Spitzenplatz. Hertzer: "Schmerzmittel sind eine wichtige Hilfe, jedoch sollten die Patienten die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen nicht aus den Augen verlieren." Daher sei es wichtig, die 10-20-Regel zu befolgen, nach der an weniger als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel eingenommen werden sollten und damit an mindestens 20 Tagen keine. 

Frauen dreimal so häufig von Migräne betroffen 

Der TK-Auswertung zufolge leiden insgesamt sieben Prozent der Frauen und 2,2 Prozent der Männer unter Migräne. Die Häufigkeit dürfte in der Realität deutlich höher liegen, weil nur  Patienten erfasst wurden, die sich aufgrund ihrer Beschwerden ärztlich behandeln lassen mussten. Am häufigsten von Migräne betroffen sind Menschen zwischen 45 und 54 Jahren. Fast sieben Prozent (6,6 Prozent) der Menschen in diesem Alter leiden unter den Beschwerden. 

Migräneprohylaxe: nicht immer zielgenau 

Der TK-Kopfschmerzreport zeigt, dass immer mehr Migränepatienten neue Arzneimittel zur Vorbeugung von Migräne verordnet bekommen, sogenannte CGRP-Antikörper. Allerdings werden die Medikamente nicht nur bei den Patienten angewendet, für die sie gedacht sind. Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie an der Schmerzklinik Kiel, behandelt täglich Migränepatienten: "Die CGRP-Antikörper sind für Patienten mit monatlich mindestens vier Migränetagen gedacht, die auf bisherige zugelassene Medikamente zur Prophylaxe nicht ansprechen, sie nicht vertragen oder aufgrund anderer Krankheiten nicht einnehmen können." Die CGRP-Antikörper kommen bei Frauen deutlich häufiger zum Einsatz als bei Männern: 90 Prozent der Versicherten mit einer Verordnung waren weiblich. 

Der erste CGRP-Antikörper kam Ende 2018 auf den Markt, seitdem sind die Verordnungen kontinuierlich stark gestiegen. So bekamen gesetzlich Versicherte im Januar 2019 rund 200.000 Tagesdosen verschrieben, im Oktober waren es mit etwas mehr als 500.000 Tagesdosen mehr als doppelt so viele. 

Digitale Unterstützung mit Migräne App 

Hilfe bei hartnäckigen Beschwerden bietet die Migräne-App der TK. In dem digitalen Kopfschmerztagebuch erfassen die Patienten die Anfälle und dokumentieren ihre Symptome. Damit können Arzt und Patient besser erkennen, wie die Attacken auftreten und wie die Medikamente wirken. 

Hinweise für die Redaktion 

Der vollständige Kopfschmerzreport liefert weitere Informationen zum Report wie Infografiken und Interviews. 

Die Forsa-Umfrage unter 1.001 Befragten wurde im Auftrag der TK Ende Februar und Anfang März 2020 durchgeführt.

Mit Erenumab kam im November 2018 in Deutschland der erste CGRP-Antikörper auf den Markt, es folgten Galcanezumab im April 2019 und Fremanezumab im Mai 2019. Alle Antikörper werden als Spritze verabreicht.