Hamburg, 23. Februar 2022. Fast jedes zweite Kleinkind in Hamburg hat einen vollen Impfschutz. Knapp die Hälfte (47,4 Prozent) der im Jahr 2018 geborenen Kinder hat in den ersten zwei Lebensjahren alle 13 bis zu diesem Alter von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen erhalten. Damit liegt die Hansestadt knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt von 48,4 Prozent. Die höchsten Quoten bei den vollständig geimpften Kleinkindern gibt es in Sachsen-Anhalt (61,2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (59,1 Prozent). Das geht aus dem Report "Kinder und Arzneimittel" hervor, der heute in Hamburg auf einer Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse (TK) vorgestellt wurde. 

Keine Pandemie-Auswirkungen auf Impfquote

2,9 Prozent der 2018 geborenen Kinder haben in Hamburg innerhalb der ersten beiden Lebensjahre gar keine Impfung erhalten. 49,7 Prozent haben mindestens eine der von der STIKO empfohlenen Impfungen nicht erhalten und sind daher nur teilweise geimpft. "Es ist wichtig, fehlende Impfungen unbedingt nachzuholen, damit Kinder vollständig immunisiert und so vor einer Erkrankung geschützt sind", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. Bei den 2019 geborenen Kindern lässt sich in Hamburg bereits ein positiver Trend erkennen: Die Durchimpfungsrate stieg während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 und im ersten Halbjahr 2021 auf 50,9 Prozent. Die Quote der Ungeimpften sank auf 2,2 Prozent. "Dass der Anteil der Kinder ohne Impfungen sinkt, ist erfreulich. Die Entwicklung sehen wir besonders bei der Masernimpfung, wo vergleichsweise viele Kinder nicht geimpft waren. Bei den im Jahr 2016 geborenen Kindern waren es 5,9 Prozent, bei den 2018 geborenen Kindern nur noch 5,4 Prozent. Bei den 2019 Geborenen sind es sogar nur noch 3,9 Prozent, die nicht gegen Masern geimpft sind. Das hat sicherlich das Masernschutzgesetz bewirkt", so Puttfarcken. Ambulante Abrechnungsdaten stehen Krankenkassen mit einer starken zeitlichen Verzögerung zur Verfügung. Das ist der Grund dafür, dass bei den 2019 geborenen Kindern bislang nur das erste Halbjahr 2021 ausgewertet werden konnte. 

Es ist wichtig, fehlende Impfungen unbedingt nachzuholen, damit Kinder vollständig immunisiert und so vor einer Erkrankung geschützt sind. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Mehr ADHS-Mittel und Antidepressiva bei Jugendlichen verordnet

Ein weiteres Kapitel im Report "Kinder und Arzneimittel" befasst sich mit dem Thema psychische Gesundheit. Danach bekommen immer mehr Schulkinder und Jugendliche Medikamente zur Behandlung psychischer Erkrankungen, sogenannte Psychopharmaka, verschrieben. Am häufigsten werden Mittel zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) verordnet. Sie machen bundesweit bei den 6- bis 11-Jährigen 83 Prozent und bei den 12- bis 17-Jährigen 70 Prozent der Psychopharmaka-Verordnungen aus. Jungen in beiden Altersgruppen bekommen etwa dreimal so häufig ADHS-Mittel verordnet wie Mädchen. 2020 waren es in Hamburg 2,7 Prozent der 6- bis 11-jährigen und 3,4 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jungen. 

Gleichzeitig bekommen 12 bis 17-jährige Mädchen deutlich häufiger Antidepressiva verordnet als gleichaltrige Jungen, und die Zahl der Verordnungen hat 2020 zugenommen: Bekamen im Jahr 2017 noch 1,2 Prozent der Mädchen ein entsprechendes Rezept verordnet, waren es im Jahr 2020 1,7 Prozent. Maren Puttfarcken: "Der Report zeigt uns, dass mehr Kinder und Jugendliche in Hamburg Psychopharmaka verordnet bekommen. Diese Entwicklung müssen wir im Blick behalten. Es ist wichtig, Medikamente sorgsam einzusetzen. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass betroffene Kinder und Jugendliche eine umfassende Behandlung erhalten, die pädagogische, soziale und psychotherapeutische Maßnahmen kombiniert. Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist das Hamburger Projekt ‚DreiFürEins‘."

DreiFürEins: Psychisch auffällige Kinder und Jugendliche vor Ort unterstützen

Es gibt Kinder und Jugendliche, die bei psychischen Auffälligkeiten keinen Halt im bestehenden Versorgungssystem finden - trotz der umfassenden Hilfen im kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Bereich. Um diese Kinder zu unterstützen, arbeiten im Hamburger Innovationsfondsprojekt DreiFürEins  drei Institutionen - Kinder- und Jugendpsychiatrien gemeinsam mit den Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) und der Kinder- und Jugendhilfe (JH) - eng zusammen. "Die Hilfsangebote bei ‚DreiFürEins‘ sollen schnell, niedrigschwellig und vor der ersten Diagnose eingeleitet werden und dafür sorgen, dass die psychische Gesundheit der betroffenen Kinder und Jugendlichen verbessert wird." Wenn es einen Unterstützungsbedarf gibt, findet ein Erstgespräch in einem von insgesamt vier der Regionalen Bildungs- und Beratungs- und Therapiezentren (ReBBZ+T) in Hamburg statt. Dabei wird neben der Teilhabe an Bildung erfasst, ob es einen Therapiebedarf gibt. Auf dieser Grundlage ermitteln die Fachkräfte aus den ReBBZ+T, dem Jugendamt und den Kinder- und Jugendpsychiatrien den Versorgungs- und Therapiebedarf. Je nach Bedarf erhalten die Kinder und Jugendlichen dann vor Ort im ReBBZ+T Hilfsangebote, wie zum Beispiel Musik- oder Kunsttherapie.

Hinweis für die Redaktion

Für die Auswertung der Impfraten wurden die 2016, 2017, 2018 und im ersten Halbjahr 2019 geborenen und durchgängig bei der TK versicherten Kinder in Hamburg in Bezug auf die 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen untersucht. Dabei wurden die ersten neun Lebensquartale betrachtet.

Der vollständige Report "Kinder und Arzneimittel" sowie weitere Informationen und Infografiken gibt es auf dem Presseportal der TK sowie auf dem Blog Wir Techniker.