Erfurt, 27. April 2022. Gut ein Drittel (36 Prozent) der bei der Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen versicherten Mädchen und jungen Frauen zwischen 14 und 19 Jahren bekam 2020 die Pille als hormonelles Verhütungsmittel verordnet. Fünf Jahre zuvor waren es mit 47 Prozent noch knapp die Hälfte.

Besonders deutlich ist der Rückgang in der Altersgruppe, die am häufigsten mit der Pille verhütet: Fast sechs von zehn 19-jährigen Thüringerinnen (57 Prozent) bekamen 2020 ein Pillenrezept. Im Jahr 2015 waren es noch fast acht von zehn (76 Prozent) der 19-Jährigen.

Nebenwirkungen besprechen und abwägen

"Neben der reinen Häufigkeit der Verordnungen hat sich auch die Produktauswahl bei dem Verhütungsmittel verändert. Pillen der sogenannten dritten und vierten Generation werden seltener verordnet", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

Als dritte und vierte Generation bezeichnet man die Antibabypillen, die neu entwickelte Gestagene, also Hormone, enthalten. Bei diesen kann das Thromboserisiko deutlich höher oder ungeklärt sein, je nachdem welches Gestagen sie enthalten. Präparate der ersten und zweiten Generation enthalten das Gestagen Levonorgestrel.

Alle vier Generationen der Pille verhüten gleich sicher.

2020 nahmen 52 Prozent der bei der TK in Thüringen versicherten Mädchen und jungen Frauen mit Pillenverordnung ein Präparat der dritten oder vierten Generation. Im Jahr 2014 waren es noch 68 Prozent.

"Die Aufmerksamkeit für das Thema hormonelle Verhütung scheint höher als noch vor ein paar Jahren. Uns ist wichtig, dass junge Frauen Präparate wie die Pille als das wahrnehmen, was sie sind: Arzneimittel, die zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen und gleichzeitig Nebenwirkungen haben können. Diese Risiken sollten sie mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen und abwägen", sagt Dressel.

Hinweis für die Redaktion

Ausgewertet wurden Routinedaten von TK-Versicherten bis 19 Jahren bzw. ab 2019 bis 21 Jahren, weil seit Frühjahr 2019 die gesetzlichen Krankenkassen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel wie die Antibabypille übernehmen.