Berlin, 19. August 2020. Mehr als jeder achte Jugendliche in Deutschland (12,8 Prozent) leidet unter ärztlich diagnostizierten Kopfschmerzen -15 Prozent der Mädchen und knapp 11 Prozent der Jungen. Das ist ein Ergebnis des Kopfschmerzreports, den die Techniker Krankenkasse (TK) heute vorgestellt hat. Von den kopfschmerzgeplagten 15- bis 19-Jährigen hat etwa jeder dritte Migräne (31 Prozent). Bei Kindern bis 14 Jahren sind 4,3 Prozent von Kopfschmerzen betroffen.

"Kopfschmerzen sind auch bei Kindern und Jugendlichen schon ein großes Thema. Deshalb sollten Eltern hier sensibel sein und mit einem Arzt genau abwägen, wann Medikamente nötig sind", sagt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK. Die TK-Auswertung zeigt: Knapp 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen von null bis 19 Jahren bekamen 2018 bei einer Kopfschmerzdiagnose ein schmerzstillendes Arzneimittel verordnet. "Es geht nicht darum, Schmerzmittel zu verteufeln. Aber ein verantwortungsvoller Umgang ist wichtig, um spätere Abhängigkeiten zu vermeiden. Wer zu schnell zu Paracetamol, Ibuprofen und Co. greift, läuft Gefahr, seinen Körper zu schädigen. Auch mit einer Anpassung des Lebensstils lässt sich viel erreichen, wichtig sind beispielsweise Bewegung, Entspannung und regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten", so Baas weiter. 

Jeder achte Erwachsene hat mindestens einmal pro Woche Kopfschmerzen

Dass Kopfschmerzen unter Erwachsenen weit verbreitet sind, zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der TK. Diese Methode wurde gewählt, da davon auszugehen ist, dass viele Erwachsene bei Kopfschmerzen nicht zu einem Arzt gehen. Deshalb ist die Häufigkeit in den Daten der Kassen stark unterrepräsentiert. Der Umfrage nach hat jeder Achte mindestens einmal pro Woche Kopfschmerzen (12 Prozent), weitere 21 Prozent geben an, ein- bis dreimal im Monat unter Kopfschmerzen zu leiden. Außerdem wird deutlich: Kopfschmerzen sind "weiblich". 20 Prozent der Frauen haben mindestens einmal in der Woche Kopfschmerzen, bei den Männern sind es vier Prozent. 36 Prozent der weiblichen Befragten geben an, dass sie sich bei Kopfschmerzen sehr stark oder stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen.

Schmerzmittel gehören für viele Menschen zum Alltag

Wenn sie Schmerzmittel benötigen, greifen sieben von zehn Befragten zu Medikamenten, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Am "beliebtesten" ist dabei mit Abstand der Wirkstoff Ibuprofen. Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel berichtet: "Schmerzmittel sind ein Lebensmittel geworden, sie gehören für viele Menschen zum Alltag. Auch wenn es zunächst paradox klingt: Wer zu viele Schmerzmittel einnimmt, bekommt davon wiederum Kopfschmerzen." Deshalb sei es wichtig, die 10-20-Regel zu befolgen: "An weniger als zehn Tagen im Monat dürfen Schmerzmittel gegen Migräne und Spannungs-Kopfschmerzen eingenommen werden -und an mindestens 20 Tagen pro Monat keine." 

(Versteckte) Werbung für Schmerzmittel

Der Neurologe und Facharzt für Spezielle Schmerztherapie kritisiert, dass die Hersteller auf den Verpackungen der Schmerzmittel nicht deutlicher auf Risiken hinweisen müssen. Werbung für Schmerztabletten suggeriere außerdem oft, dass diese eine einfache Lösung seien, um leistungsfähiger zu sein. "Auf Dauer sind sie aber keine einfache Lösung. Es ist enorm wichtig, dass Betroffene sich frühzeitig mit ihren Kopfschmerzen auseinandersetzen und lernen, wie sie mit ihnen umgehen und vorbeugen können", so Göbel.  

Zudem zeigt der Kopfschmerzreport, dass die Beteiligung der Pharmaindustrie an Angeboten wie Patientenforen, Blogs und YouTube-Beiträgen häufig nur schwer zu erkennen ist. TK-Vorstandsvorsitzender Baas: "Wer sich im Internet über Kopfschmerzen informieren möchte, kann in vielen Fällen neutrale Information von Werbung kaum trennen. Ein Beispiel sind Kopfschmerz-Tests, bei denen eine Empfehlung für ein bestimmtes Schmerzmittel herauskommt. Deshalb ist es wichtig, Beiträge und Tipps kritisch zu hinterfragen."

Hinweise für die Redaktion

Der vollständige TK-Kopfschmerzreport steht im Portal "Presse & Politik" zur Verfügung. Hier finden Sie auch weitere Informationen zum Report wie Infografiken und Interviews. 

Die Forsa-Umfrage unter 1.001 Befragten wurde im Auftrag der TK Ende Februar und Anfang März 2020 durchgeführt.