Hamburg, 23. Mai 2022. Während der Coronapandemie werden deutlich weniger Antibiotika verschrieben als zuvor. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Arzneimittelverordnungen der bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Erwerbspersonen. So bekam im Jahr 2021 eine Erwerbsperson durchschnittlich 2,6 Tagesdosen verordnet - ein Rückgang von 30 Prozent im Vergleich zum Vor-Coronajahr 2019 (3,7 Tagesdosen). Der Wert ist noch einmal geringer als im ersten Pandemiejahr 2020 mit durchschnittlich 2,8 Tagesdosen. Ein weiteres Ergebnis der Auswertung: Frauen nehmen mehr Antibiotika ein als Männer. Im Jahr 2021 bekam eine Frau durchschnittlich 2,9 Tagesdosen verschrieben (31 Prozent weniger im Vergleich zu 2019), ein Mann 2,3 Tagesdosen (30 Prozent weniger im Vergleich zu 2019).

Verschreibungen bei Erkältungen gehen deutlich zurück

Ein Grund für den Rückgang seien die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Pandemie, sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Abstands- und Hygieneregeln haben auch im vergangenen Jahr dazu geführt, dass sich andere Infektionskrankheiten weniger verbreitet haben." Außerdem habe sich der positive Trend weiter fortgesetzt, dass Ärztinnen und Ärzte bei Erkältungskrankheiten immer weniger Antibiotika verschreiben.

Anti­bio­tika-Verord­nungen bei Erkäl­tung rück­läufig

TK-Infografik: 2010 bis 2020 - Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungen gehen weiter zurück. Quelle: TK-Gesundheitsreport 2022 Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
2010 bis 2020: Die Antibiotika-Verordnungen bei Beschäftigten mit Krankschreibung wegen Erkältung gehen weiter zurück, zeigt der Gesundheitsreport 2022.

So bekamen laut der Auswertung der Verordnungen der Erwerbspersonen im Jahr 2010 fast vier von zehn Versicherten bei einer ärztlich diagnostizierten Erkältung ein Antibiotikum verschrieben (38,5 Prozent). Im Jahr 2021 bekam nur noch etwa einer bzw. eine von zehn Versicherten (12,8 Prozent) ein entsprechendes Rezept bei einer Erkältung. Insbesondere während der Pandemie sind die Anteile noch mal deutlich gesunken. "Die Entwicklung ist sehr positiv und hoffentlich auch nachhaltig. Da jeder Einsatz von Antibiotika die Bildung von Resistenzen fördert, sollten sie nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich notwendig sind", so TK-Chef Baas. "Bei viralen Infekten, und dazu gehören die allermeisten Erkältungskrankheiten, sind Antibiotika nicht das Mittel der Wahl, weil sie nur gegen Bakterien helfen."

Hinweis für die Redaktion

Die genannten Daten sind eine Vorabveröffentlichung aus dem Gesundheitsreport 2022 der TK, der Anfang Juli veröffentlicht wird. Für den Gesundheitsreport wurden unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund 5,5 Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen neben den Erwerbstätigen auch die Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Auf dem Blog Wir Techniker gibt es ein Interview zum Thema Antibiotika bei Erkältungen.