TK: Frau Puttfarcken, die TK hat Routinedaten mit dem Schwerpunkt "ADHS-Medikamente bei Erwachsenen" ausgewertet. Was ist das Ergebnis für Hamburg? 

Puttfarcken: Anhand der Analyse sehen wir, dass immer mehr Erwachsene in Hamburg Medikamente mit dem umstrittenen Wirkstoff Methylphenidat zur Behandlung einer ADHS verordnet bekommen. Von 2015 bis 2018 ist die Zahl der Verordnungen um ein Viertel (25 Prozent) gestiegen. Der Wirkstoff Methylphenidat wird unter anderem im Arzneimittel Ritalin verwendet.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Wieso ist es notwendig, auf diese Steigerung der Verordnungszahlen hinzuweisen?

Puttfarcken: Arzneimittel sollten generell immer sehr sorgsam eingesetzt werden. Das gilt bei dem Wirkstoff Methylphenidat ganz besonders, weil er zur Gruppe der Amphetamine gehört. Daher birgt Methylphenidat ein hohes Missbrauchspotenzial. Im Rahmen einer längeren Therapie sollten regelhaft Auslassversuche vorgenommen werden, um zu prüfen, ob der Betroffene auch ohne die Einnahme des Medikaments zurechtkommt.

Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Methylphenidat auch bei Erwachsenen die Aufmerksamkeit verbessern und Hyperaktivität und Impulsivität mildern kann. Allerdings ist die Wirkung von Medikamenten zur Behandlung von ADHS für Erwachsene nicht so gut untersucht wie für Kinder. 

TK: Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend, damit eine Behandlung von ADHS optimal verläuft?

Puttfarcken: Die Behandlung von ADHS ist oft langwierig und komplex und sollte daher von Experten durchgeführt werden, die bereits Erfahrungen mit diesem Krankheitsbild gesammelt haben. Sie hängt dabei auch von der persönlichen Situation und den vorhandenen Problemen ab. Für manche Betroffene sind Sport oder Entspannungsübungen ein hilfreicher Ausgleich. Wird mehr Unterstützung benötigt, kann eine Behandlung mit Medikamenten oder Psychotherapie sinnvoll sein. Eine Kombination aus beiden kann sich ebenfalls positiv auf einen lang anhaltenden Therapieerfolg auswirken.

Weitere Informationen zum Thema ADHS bei Erwachsenen gibt es auf der Website der TK (Suchnummer 2017896).