Bei der eGA handelt sich um eine geschützte digitale Plattform, auf der die Versicherten künftig alle ihre medizinisch relevanten Daten jederzeit griffbereit erfassen, sammeln, speichern und verwalten können. Die Nutzung von TK-Safe ist für die Versicherten freiwillig und kostenlos. TK-Safe hat die TK gemeinsam mit IBM Deutschland entwickelt. IBM Deutschland ist Betreiber der eGA.

Die eGA ist eines der wichtigsten Instrumente in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Da sind sich weitestgehend alle Experten einig. Auch globale Akteure wie Google, Amazon und Apple, haben das Gesundheitswesen längst als großen Wachstumsmarkt entdeckt und bieten entweder bereits eigene elektronische Akten an oder arbeiten mit Hochdruck daran. Aus Sicht der TK darf aber dieses wichtige Feld nicht allein privatwirtschaftlichen Anbietern überlassen werden.

Zeit ist jetzt reif für die eGA

Aus Sicht der TK kann das deutsche Gesundheitswesen nicht länger abwarten, bis die gematik die nötige Infrastruktur für die elektronische Patientenakte (ePA) geschaffen hat. Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD wurde die Einführung der ePA jüngst um gleich drei Jahre verschoben - von 2018 auf 2021. Für die TK ist klar: Die Zeit jetzt reif für die eGA. Das sehen die Menschen in Hessen ähnlich: In einer erst kürzlich durchgeführten Studie der TK gaben über 70 Prozent der hessischen Befragten an, die baldige Einführung einer digitalen Gesundheitsakte zu befürworten.

TK-Safe ist mehr als nur elektronische Aktenablage

Die Idee, die hinter "TK-Safe" steckt, geht ohnehin weit über das hinaus, was der gematik vorschwebt: Bei der ePA der gematik werden den Versicherten keinerlei Bearbeitungsrechte eingeräumt. Das bedeutet, dass die Patienten in ihren Akten keine Daten selbst ergänzen oder gar löschen können. Selbst das Einsehen ihrer eigenen Akte wird schwierig. Nur im Beisein ihres Arztes in der Praxis wird den Patienten ein Einblick gewährt.

Geplant ist, dass die gematik den Patienten neben der Patientenakte auch ein elektronisches Patientenfach zur Verfügung stellt. Ins Patientenfach werden die Versicherten sehr wahrscheinlich auch eigene Daten digital ablegen können. Mehr wird das Fach den Versicherten aber nicht bieten können. Es handelt sich um eine Art "digitalen Aktenordner" ohne weitere Funktionen. Zugriff auf das Fach erhalten die Versicherten zwar auch von zu Hause aus, aber vermutlich nur, wenn sie ihre Versichertenkarte in ein entsprechendes Kartenlesegerät einschieben. Das ist nach Ansicht der TK wenig praktikabel und geht an der digitalen Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei.

TK arbeitet an zahlreichen Anwendungen

Die eGA von TK und IBM Deutschland ist zwar ebenfalls ein digitaler Speicher, aber TK-Versicherte sollen dort ihre Daten künftig nicht nur jederzeit selbstständig erfassen und bearbeiten, sondern auch konkret für ihre eigene Gesundheit nutzen können. Deshalb arbeitet die TK mit Hochdruck an der Entwicklung von Anwendungen, die es den Versicherten ermöglichen, ihre eigenen Daten zu analysieren. Bald schon will die TK ihren Versicherten kleinere Zusatzfunktionen - wie einer automatisierten Erinnerung an Impfungauffrischungen oder Vorsorgeuntersuchungen - zur Verfügung stellen.

Langfristig sollen den Versicherten darüber hinaus Funktionen zur Verfügung stehen, die ihnen einen noch größeren Mehrwert bieten. Denkbar ist beispielsweise eine Anwendung, mit der Versicherte ihre selbst erhobenen Blutzuckerwerte auswerten können. Mit Hilfe dieser Funktion können Diabetes-Patienten frühzeitig erkennen, wenn ihre Werte drohen, aus dem Ruder zu laufen.

Versicherte sind ganz klar im Fokus

Die TK ist davon überzeugt, dass sich langfristig keine digitale Akte durchsetzen wird, bei der nicht die Bedürfnisse der Versicherten im Mittelpunkt stehen. Die Patienten wollen wissen, welche gesundheitsbezogenen Daten bei Krankenkassen, in der Arztpraxis oder in Kliniken über sie gespeichert sind. Es reicht ihnen nicht, nur zu erfahren, welche Informationen an wen weitergegeben wurden. Sie wollen diese Weitergabe eigenhändig steuern können und selbst bestimmen, welche Daten ihre Ärzte einsehen können und welche nicht. Der Zahnarzt muss beispielsweise nicht wissen, dass der Versicherte vor drei Jahren eine Psychotherapie absolviert hat. Das ist für eine Wurzelbehandlung schließlich irrelevant.

Bei TK-Safe stehen die Versicherten deshalb ganz klar im Zentrum. Sie allein entscheiden, ob sie die Akte überhaupt nutzen wollen und wenn ja,

  • was manuell oder automatisiert erfasst und gespeichert wird,
  • was gelöscht wird,
  • wer Zugriff auf welche Informationen bekommt.

Natürlich kann es für die Versicherten durchaus Situationen geben, in denen es sinnvoll ist, dem Arzt einen Einblick zu gewähren. Haben die Versicherten in der Akte beispielsweise eine Röntgenaufnahme ihrer Zähne abgelegt, die bei ihrem Zahnarzt entstanden ist, müssen sie sich der Strahlenbelastung nicht noch ein zweites Mal aussetzen, wenn auch ihr Kieferorthopäde für die Behandlung eine Röntgenaufnahme benötigt.

TK stattet Versicherte mit Daten aus

Damit die Versicherten die Nutzung von TK-Safe nicht mit leeren Händen starten müssen, wird sie die TK - auf Wunsch - mit Daten ausstatten, die sie selbst gespeichert hat. Es handelt sich dabei um Abrechnungsdaten zurückliegender Arzt- und Zahnarztbesuche. Die Versicherten können dann auf einen Blick sehen, bei welchen Medizinern sie in den vergangenen vier Jahren vorstellig geworden sind, welche Leistungen die Ärzte mit der TK abgerechnet haben und welche Diagnosen sie für die Versicherten angegeben haben. Sogar wie viel Honorar ihr Arzt für die Behandlung erhalten hat, können sie nun einsehen.

Gesetzliche Aufbewahrungsfristen

Aus Datenschutzgründen darf die TK Abrechnungsdaten - je nach Leistungsbereich - nur vier bis sechs Jahre lang aufbewahren. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Daten nach Ablauf dieser Zeit unwiederbringlich gelöscht werden. Da nun auch die Versicherten Zugriff auf die Daten haben, dürfen sie damit machen, was die TK als Krankenkasse nicht darf: Die Informationen so lange speichern, wie sie es möchten. So können die Versicherten eine langfristige Historie ihres Gesundheitsverlaufs aufbauen.

Darüber hinaus können sich die Versicherten von der TK automatisiert Informationen über Impfungen der vergangenen vier Jahre und über alle vom Arzt verordneten Medikamente der vergangenen sechs Jahre in die eGA übertragen lassen. Das Entwickler-Team arbeitet bereits daran, den Versicherten künftig weitere bei der TK gespeicherte Informationspakete zukommen zu lassen - beispielsweise Krankenhausabrechnungsdaten oder Daten zu ihren Krankschreibungen.

Patienten fordern Transparenz über ihre Daten

In der ersten Version von TK-Safe, die den Versicherten bald zur Verfügung steht, erhalten die Versicherten zusätzlich die Möglichkeit, Daten manuell zu ergänzen. So können sie z.B. ältere Impfungen aus ihren Impfpass selbst eingeben. Ebenso können sie Medikamente, die sie ohne Rezept in der Apotheke erworben haben, nachtragen. Zur schnelleren Erfassung von Arzneimitteln wird es in der eGA eine Scan-Funktion geben: Wird mit der Smartphone-Kamera der Barcode eines Medikaments erfasst, zieht sich das System automatisiert alle relevanten Informationen zum betreffenden Arzneimittel. Für eine Verbesserung der Versorgung ist es durchaus sinnvoll, wenn die Versicherten ihre frei erworbenen Medikamente so in die Akte nachtragen. Gewähren sie ihrem Arzt oder Apotheker später einen Einblick in ihre vollständige Arzneimittel-Liste, können diese so sehr schnell mögliche Wechselwirkungen erkennen.

Außerdem ermöglicht TK-Safe den Versicherten, Dateien - wie z.B. Röntgenbilder oder Laborberichte - in Form von Fotos oder pdf - selbstständig in die Akte hochzuladen. Diese Funktion können die Versicherten auch dafür nutzen, um all jene Daten in ihren Akten zu erfassen, die Leistungserbringer über sie gespeichert haben. Dadurch werden die Patienten zum Treiber im System: Die TK ist davon überzeugt, dass Patienten künftig zunehmend die Aushändigung ihrer Daten bei ihren Ärzten und Kliniken einfordern werden, um sie in ihre Akten integrieren zu können. Die Patienten haben so die Macht, das Gesundheitswesen nachhaltig zu verändern: Es wird für die Leistungserbringer künftig schwieriger werden, sich der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu verschließen, wenn immer mehr Patienten Transparenz und eine digitale Vernetzung gezielt einfordern.

Anschluss von Leistungserbringern geplant

Es gibt eine Reihe von innovativen Arztpraxen und Kliniken, die bereits jetzt einer Vernetzung offen gegenüberstehen. IBM Deutschland und die TK arbeiten mit Hochdruck daran, diese an die eGA anzuschließen, damit auch Daten aus den klinik- und praxiseigenen EDV-Systemen heraus in TK-Safe eingespielt werden können - selbstverständlich nur, wenn die Versicherten dies wünschen. Mit einzelnen Arztnetzen stehen entsprechende Pilotprojekte unmittelbar bevor. Im stationären Bereich sind IBM un die TK bereits einen Schritt weiter und haben Kooperationsverträge mit einzelnen Kliniken und Klinikketten abgeschlossen. Beispielsweise sind 16 Krankenhäuser der in Hessen ansässigen Klinikkette Agaplesion aktuell bereits an die eGA angebunden. TK-versicherte Agaplesion-Patienten können ihre Entlassbriefe so ohne Umweg direkt vom Krankenhaus digital in ihrer eGA erhalten.

Die Technik, die nötig ist, um die Patienten und die Akteure des Gesundheitswesens digital miteinander zu vernetzen, existiert größtenteils schon. Vieles wird bereits in anderen Branchen erfolgreich eingesetzt. Man müsste die Technik nur noch auf das Gesundheitswesen übertragen. Trotzdem scheuen viele im Gesundheitswesen noch davor zurück, dies zu tun. Die TK sieht sich als Vorreiterin in der Digitalisierung. Deshalb will sie mit der eGA vorangehen und zeigen, was alles möglich ist. IBM Deutschland und die TK gehen davon aus, dass ihr Projekt der Vernetzung und Digitalisierung im Gesundheitswesen einen deutlichen Schub geben wird.

TK-Safe ist keine Insellösung

Eine Insellösung soll TK-Safe aber auf keinen Fall werden. Die TK und IBM Deutschland wollen mit der eGA technische Standards setzten, die sich hoffentlich flächendeckend durchsetzen werden. Die Akte lebt schließlich auch von der Akzeptanz der Leistungserbringer. Wenn es am Ende unzählige Gesundheitsakten auf dem Markt geben würde, für die Ärzte und Krankenhäuser unterschiedliche Soft- und Hardware benötigen, wird die grundsätzlich gute Idee hoffnungslos scheitern. Die Versicherten werden die eGA zunächst ausschließlich über die TK-App auf ihrem Smartphone nutzen können. Später soll auch eine Desktop-Variante hinzukommen.

Datensicherheit hat höchste Priorität

Für die TK hat bei dem Projekt die Datensicherheit die allerhöchste Priorität. Die TK-App - und damit auch die eGA - ist über eine sog. Zwei-Faktor-Authentifizierung gesichert. Das bedeutet, dass der Nutzer sich als zugangsberechtigt identifizieren muss mittels zwei verschiedener Komponenten. Die erste Komponente ist etwas, das er besitzt - in diesem Fall sein Handy, das die TK erst nach einer Identitätsprüfung für die Nutzung der App freischaltet. Die zweite Komponente ist etwas, das nur er weiß: nämlich sein Passwort, das er selbst festgelegt hat, und mit dem er die TK-App vor jeder Nutzung startet.

Die Daten sind auf Datenschutz-zertifizierten IBM-Servern in Deutschland gespeichert. Sie sind dort stets verschlüsselt. Nur der Versicherte selbst besitzt den Code, um die Daten auf seinem bei der TK registrierten Handy zu entschlüsseln. Dieser Schlüssel wird automatisch generiert, wenn sich die Versicherten zum ersten Mal in der eGA anmelden. Dieses Vorgehen hat den großen Vorteil, dass die Daten ausschließlich für den Versicherten einsehbar sind - weder die TK noch IBM Deutschland noch sonst irgendwer kann so auf die Daten zugreifen. Das Sicherheitskonzept der eGA wurde zusätzlich von der unabhängigen Institution "E-Privacy", die auf Medizinprodukte und Mecial-Apps spezialisiert ist, bestätigt.

Versicherte werden zum Manager ihrer Gesundheit

Die Funktionen und Daten, mit der TK-Safe bald angeboten wird, sind erst der Anfang. Die eGA wird ständig weiterentwickelt; viele neue Funktionen und weitere TK-Datensätze kommen sukzessive dazu. Das große Ziel der TK ist es, dass die Versicherten in Zukunft alle ihre gesundheitsrelevanten Informationen zentral an einem Ort speichern können, auf den sie jeder Zeit Zugriff haben. Es soll ihnen so ermöglicht werden, auf Basis ihrer Daten mündige Entscheidungen für ihre eigene Gesundheit zu treffen.

Die TK ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens nur dann gelingen kann, wenn die Patienten Zugang zu Informationen haben, ihren Handlungsspielraum kennen und ihre Interessen aktiv vertreten können. Die TK stellt mit der von IBM betriebenen eGA ihren Versicherten die nötige Infrastruktur zur Verfügung, damit sie künftig noch stärker auf Augenhöhe mit ihren Ärzten kommunizieren können. Die Versicherten werden so zunehmend zu Managern ihrer eigenen Gesundheit und Versorgung.