TK spezial: Viele Akteure im Gesundheitswesen sehen derzeit noch mit skeptischem Blick auf elektronische Gesundheitsakten. Warum war für Sie klar, dass Sie bei dem eGA-Projekt von IBM Deutschland und der TK von Anfang an dabei sein wollen?

Horneber: Es ist das Projekt, auf das wir lange gewartet haben, denn die zielgerichtete Weitergabe von Informationen ist entscheidend für den Behandlungserfolg der Patienten. Es wird endlich Zeit, einen standardisierten Weg zu finden, auf dem die Behandlungsergebnisse den Patienten zugänglich gemacht werden können. Und der Patient sollte die Hoheit über seine Daten haben. Ich glaube auch gar nicht, dass es noch so viele Skeptiker gibt. Die Schwierigkeiten ergeben sich für viele Akteure eher aus der Umsetzbarkeit. Wenn ein Krankenhaus beispielsweise selbst noch keine digitalen Patientenakten führt, kann es ein solches Projekt einfach nicht umsetzen.

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Dr. Markus Horneber

TK spezial: Was versprechen Sie sich von dem Projekt?

Horneber: Wir hoffen, dass wir gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse und IBM Deutschland zeigen können, wie eine elektronische Gesundheitsakte funktionieren kann. Damit wäre ein Anfang gemacht, mit dem sich vielleicht Standards setzen lassen, um in Zukunft allen Patienten einen einfachen Zugriff auf ihre Daten zu gewähren. So haben sie für alle weiterbehandelnden Partner ihre Daten vollständig verfügbar. Datensicherheit ist uns dabei selbstverständlich sehr wichtig.

Patienten sollen weitere Daten digital erhalten

TK spezial: Welche Daten werden Sie auf Wunsch des Patienten in die seine eGA einspielen können?

Horneber: Der Patient erhält seinen klinischen Entlassbrief, den er dann auch direkt an seinen Haus- oder weiterbehandelten Arzt weiterreichen kann. Dort sind neben Diagnosen und durchgeführten Behandlungen auch Informationen zur weiteren Medikation sowie Laborwerte aufgelistet.

TK spezial: Ist in Zukunft geplant, die Übertragung auf weitere Daten auszuweiten?

Horneber: Auf jeden Fall werden wir gemeinsam an Schnittstellen und technischen Möglichkeiten arbeiten, um dem Patienten weitere Gesundheitsdaten digital zur Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite wollen wir, dass unsere Krankenhäuser zukünftig bereits vor dem Aufenthalt Daten des Patienten übermittelt bekommen. So könnte Aufnahme und Behandlung schneller und besser auf das Patientenwohl abgestimmt werden.

Unkomplizierte Anbindung aller Agaplesion-Kliniken

TK spezial: Wie kompliziert war es, die technischen Voraussetzungen in 16 Ihrer Krankenhäuser für eine Datenübertragung in die eGA zu schaffen?

Horneber: Die Daten aus unseren Kliniken sind weitestgehend zentral und ausfallsicher gespeichert. Durch diese Architektur ist nur eine Schnittstelle erforderlich. Dieser Vorteil macht sich dann schnell bezahlt und damit war die Umsetzung in wenigen Monaten realisiert.

TK spezial: Agaplesion betreibt nicht nur Kliniken, sondern auch Pflegeheime und medizinische Versorgungszentren. Ist auf längere Sicht auch eine Anbindung von ihnen an die eGA geplant?

Horneber: Das ist derzeit zwar nicht im Fokus, aber wir werden auch diesen Ansatz verfolgen.

Zur Person

Dr. Markus Horneber hat von 1984 bis 1990 Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg studiert. Von 1990 bis 1995 war er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Danach wechselte er zur Siemens AG nach München. Zwischen 1997 und 2011 war Horneber Geschäftsführer mehrerer GmbHs und Vorstandsmitglied mehrerer Stiftungen sowie leitender Verwaltungsdirektor des Evang.-Luth. Diakoniewerks Neuendettelsau. Im April 2011 nahm er die Position des kaufmännischen Geschäftsführers der Klinikum Chemnitz gGmbH an. Vorstandsvorsitzender der Agaplesion gAG ist er seit April 2012.