TK spezial: Würden Sie eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) nutzen?

Franke: Ja, auf jeden Fall. Ich sehe die elektronische Gesundheitsakte als große Chance, um zum einen die gesundheitliche Versorgung zu verbessern und gleichzeitig das Gesundheitswesen zu entbürokratisieren. Ich denke gerade im Bereich der Gesundheit sieht man, welchen Fortschritt die Digitalisierung wirklich bringen kann. Wir müssen da auf der Höhe der Zeit sein und auch zukunftsfähig bleiben, indem wir die vorhandenen Möglichkeiten nutzen. Die Datenhoheit muss allerdings beim Patienten liegen, das ist völlig klar.

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Dr. Edgar Franke

TK spezial: Welche Vorteile hat eine eGA aus Ihrer Sicht für die Patienten, aber auch für die Leistungserbringer?

Franke: Im Zweifelsfall ist es ja so, dass alle positiven Effekte für die Leistungserbringer auch einen positiven Nutzen für die Patienten haben. Natürlich können sich Ärzte durch eine elektronische Gesundheitsakte sehr schnell ein Bild über die Anamnese des Patienten machen - gerade in Notfallsituationen könnte dies sogar Leben retten. Die Patienten selbst könnten ihre gesundheitsrelevanten Informationen speichern und verwalten, was die Informationslage verbessert. Außerdem könnten die Patienten als auch die Kassen deutlich entlastet werden, wenn man durch die geschaffene bessere Informationslage ärztliche Doppelbehandlungen vermeidet.

Wir brauchen keine Insellösungen.
Dr. Edgar Franke

TK spezial: Was halten Sie davon, dass auch immer mehr große US-amerikanische Unternehmen, wie Google oder Amazon, in den Markt der elektronischen Gesundheitsakten einsteigen?

Franke: Entscheidend ist - glaube ich - nicht, wer sich zukünftig bei E-Health beteiligen will, sondern wie sich die Akteure beteiligen möchten. Es gibt ja auch schon längst Gesundheitsapplikationen von Apple und Samsung. Wir brauchen aber keine Insellösungen, sondern Interoperabilität im Gesundheitswesen. Das bedeutet, dass es einheitliche Standards dafür geben muss, wie so eine Gesundheitsakte auszusehen hat, damit diese auch universell anwendbar ist. Wenn große und finanzstarke Firmen wie Google oder Amazon wirklich zum Fortschritt im Gesundheitsbereich beitragen wollen und nicht ausschließlich ihren Profit im Blick haben, dann ist das zu begrüßen.

TK spezial: Die elektronische Patientenakte der gematik lässt weiter auf sich warten. Was muss getan werden, damit dieses Projekt tatsächlich noch zu einem positiven Abschluss kommt?

Franke: Das Ganze ist natürlich ein Projekt, auf das wir alle schon viel zu lange gewartet haben. Was als nächstes passieren muss ist, dass die verschiedenen medizinischen Einrichtungen jetzt neu ausgestattet und so an die kommenden Neuerungen angepasst werden. Außerdem müssen die alten Gesundheitskarten, die noch im Umlauf sind, durch online-fähige Gesundheitskarten ausgetauscht werden. Ich bin guter Dinge, dass bald positive Ergebnisse erzielt werden - das ist auch im Sinne der SPD und der neuen Bundesregierung insgesamt.

Alle Kassen werden nachziehen müssen.
Dr. Edgar Franke

TK spezial: Bisher arbeiten nur wenige Krankenkassen an einer elektronischen Gesundheitsakte. Was halten Sie von der Forderung der TK, dass alle Kassen dazu verpflichtet werden sollten, ihren Versicherten eine solche Akte anzubieten?

Franke: Ich sehe die elektronische Gesundheitsakte als dringend erforderlich für eine digitale, fortschrittliche Zukunft. Selbst wenn man nicht alle Kassen innerhalb der nächsten Jahre dazu verpflichtet, diesen richtigen Schritt zu gehen, müssen diese Kassen früher oder später nachziehen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wünschenswert wäre aber eine Lösung, an der die Kassen gemeinsam arbeiten. Die Forderung der TK bedeutet ein wichtiges und positives Zeichen im Sinne des Fortschritts im besten Sinne des Wortes.

Patienten müssen Hoheit über Daten behalten.
Dr. Edgar Franke

TK spezial: Bei der elektronischen Gesundheitsakte, die IBM Deutschland und die TK kürzlich vorgestellt haben, besitzen allein die Versicherten die Hoheit über ihre Daten. Es gibt im Markt aber auch andere Ansätze, bei denen vor allem eine Vernetzung von Leistungserbringern im Fokus steht. Wie sehen Sie dieses Spannungsfeld?

Franke: Seit 1983 gibt es das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, dass das Bundesverfassungsgericht aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht abgeleitet hat. Es gewährleistet, jedem "selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen."  Die Daten, mit denen im Gesundheitswesen agiert wird, sind hoch sensible, sehr persönliche und vertrauliche Daten. Die Patienten müssen die Hoheit darüber behalten, wer Einsicht in ihre Daten hat und wer nicht. Eine Vernetzung von Leistungserbringern ist prinzipiell möglich und auch sinnvoll, aber nur dann, wenn die Patienten in die Kommunikation eingebunden werden und die Kontrolle darüber behalten. Der Schutz der personenbezogenen Daten ist die Bedingung für das Funktionieren der elektronischen Gesundheitsakte.

Zur Person

Dr. Edgar Franke wurde 1960 im nordhessischen Gudensberg geboren. Nach seinem Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel studierte er Politik- und Rechtswissenschaft in Marburg und Gießen. Vom 01.09.1999 bis zur Bundestagswahl 2009 war Franke Bürgermeister der Stadt Gudensberg. Im Oktober 2009 wurde er erstmals für den Wahlkreis 170 Schwalm-Eder/Frankenberg in den Bundestag gewählt. Von Januar 2014 bis zur Bundestagswahl 2017 war er Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. Dem Ausschuss gehört er auch heute noch an.