TK: Frau Austenat-Wied, seit Jahresanfang bietet die TK die ePA an. Wie viele TK-Versicherte nutzen 100 Tage nach dem Start eine ePA?

Manon Austenat-Wied: 100.000 TK-Versicherte nutzen die elektronische Patientenakte. Für ein neues Angebot, das erst 100 Tage am Markt ist und für einen "silent Launch", also ohne große Werbung, ein klasse Ergebnis. Ein Grund für diese hohe Teilnehmerzahl ist das online-gestützte Identifikations-Verfahren, das die TK vom ersten Tag an angeboten hat.

TK: Was erhoffen Sie sich von dieser Akte?

Austenat-Wied: Kurz gesagt: Es bricht ein neues Zeitalter an. Alle Akteure im Gesundheitswesen werden künftig miteinander vernetzt. Der Versicherte entscheidet über die Inhalte und darüber, wem er diese zur Verfügung stellt. Befunde, Laborberichte, Arzneimittelverordnungen, aber auch die Erinnerung an Vorsorgetermine, alles immer und zu jeder Zeit zur Hand - besser geht es doch nicht. So sorgt der Versicherte selbst für einen reibungslosen Informationsfluss während seines Arzttermines. Dabei spielt es eine große Rolle, dass die Handhabung einfach und leicht verständlich ist, sonst wird die ePA nicht genutzt. Zudem konnten wir gleich zum Start eine Akte mit Inhalten und Services anbieten, da wir mit TKsafe Erfahrungen gesammelt haben und einen einen guten Vorlauf hatten. Uns ist es wichtig, dass alle relevanten Daten so schnell wie möglich - natürlich unter Berücksichtigung aller Sicherheitsstandards - in die ePA kommen. Denn die Akte lebt von ihren Inhalten und nur so bietet sie dann einen echten Mehrwert.

Manon Auste­nat-Wied

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern

TK: Es gibt immer wieder Meldungen, dass die Versicherten durch die ePA zum "Gläsernen Patienten" werden. Nutzt die TK die ePA, um fleißig Daten zu sammeln?

Austenat-Wied: Nein, die TK hat gar keinen Zugriff auf die Akte. Das ist allein schon dadurch technisch sichergestellt, dass die Akte individuell verschlüsselt ist und die Schlüsselhoheit beim Versicherten liegt. Der Gesetzgeber hat den Kassen nur ein Rolle zugewiesen: die des Datenlieferanten.

TK: Im Juli dieses Jahres muss auch die niedergelassene Ärzteschaft angeschlossen sein. Immer wieder wird Kritik laut. Müssen die Ärztinnen und Ärzte noch vom Nutzen der ePA überzeugt werden?

Austenat-Wied: Aus Gesprächen weiß ich, dass Ärztinnen und Ärzte viel unnötige Zeit damit verbringen, um Befunde und Unterlagen telefonisch zu erfragen. Wenn sie feststellen, dass der Patient alles dabei hat und bestenfalls bereits alles vorab zum Zugriff freigegeben hat, wird auch der eigene Nutzen schnell sichtbar. Das wird auch die Bereitschaft fördern, selbst Dokumente für den Patienten einzustellen, sofern er dies wünscht.

TK: Darf sich die Ärzteschaft jetzt auf rund einhundert unterschiedliche Kassen-Apps einstellen?

Austenat-Wied: Nein, das zentrale administrative Arbeitsmittel der Ärzte ist das Praxisverwaltungssystem (PVS). Die ePA-Dokumente werden dort angezeigt, so wie es die Ärzte gewohnt sind. Die Anzahl der Krankenkassen-Apps ist für die Ärzte irrelevant, weil sie die Apps gar nicht zu Gesicht bekommen.

TK: Wie gehen Sie mit Versicherten ohne Smartphone um?

Austenat-Wied: Jeder, der eine ePA haben möchte, erhält auch eine ePA. Für Versicherte ohne Smartphone legt die TK eine ePA an, die dann beim nächsten Arztbesuch per eGK und PIN am Terminal der Praxis freigeschaltet wird. Der Arzt kann dann Dokumente in die ePA-Cloud einstellen und der weiterbehandelnde Arzt kann - nach Freigabe durch den Versicherten - auf die Dokumente zugreifen.

TK: Durch die Corona-Pandemie haben sich Videosprechstunden enorm etabliert. Glauben Sie, dass es bei der ePA einen ähnlichen Effekt geben wird?

Austenat-Wied: Ich denke, das kann man nicht unmittelbar miteinander vergleichen. Die Videosprechstunde ist eine technische Unterstützung, um ärztliche Hilfe ohne ggf. lange Anfahrtswege zu erhalten. Aber das Thema Digitalisierung hat im Gesundheitswesen einen enormen Schub bekommen. Mit der ePA beginnt jetzt eine lange Reise mit vielen weiteren Stationen und Entwicklungen.