Referenten aus Politik, Verbänden und von verschiedenen Krankenkassen gaben Einblicke in den Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Herr Vogt, das eHealth Forum der KV fand dieses Jahr mittlerweile zum neunten Mal statt - inwiefern haben sich Inhalte und Geist der Veranstaltung im Vergleich zu den ersten Jahren verändert?

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Während am Anfang viel über die elektronische Gesundheitskarte eGK diskutiert und geschimpft wurde oder technische Neuerungen im stationären Bereich vorgestellt wurden, haben sich die Themen in den letzten drei, vier Jahren deutlich gewandelt.

Inzwischen präsentieren Entwickler und Verbände ihre Lösungen zur Erleichterung der ärztlichen Arbeit, Krankenkassen stellen ihre eHealth-Angebote und Patientenakten vor. Und auch wenn von ärztlicher Seite immer noch kritische Einwände laut werden, ist die Grundhaltung doch positiv.

Spürbar ist auch das deutlich gestiegene Interesse der Landespolitik an der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Letztes Jahr sprach Innenminister Thomas Strobl über die Ambitionen Baden-Württembergs, hier ganz vorne mitzumischen, dieses Jahr war Manne Lucha vor Ort und stellte das Landesengagement bei der Digitalisierung von Medizin und Pflege vor.

Der Erfolg der Veranstaltung hat übrigens dazu geführt, dass im Mai auf der Freiburger Messe ein ergänzendes Format, das eHealth Europe, mit mehr Industriebeteiligung und einem Start-up-Wettbewerb erprobt wird. Darauf bin ich sehr gespannt.

Sozialminister Manne Lucha erklärte bei einer Diskussion auch, dass er nicht "amazonisiert" werden möchte - wie schätzen Sie die Aktivitäten der Internet-Riesen im deutschen Gesundheitswesen ein?

Weltweit agierende Internetkonzerne haben den deutschen Gesundheitsmarkt bereits für sich entdeckt. Da mache ich mir keine Illusionen.

Die Gefahr dabei ist: Wenn es von kommerzieller Seite ein Angebot geben wird, das für die Menschen einen großen empfundenen Nutzen für ihre Gesundheit hat, werden sie es in Anspruch nehmen und den Datenschutz hinten anstellen. Jeder Versicherte sollte seine Daten aber selbst digital speichern können, ohne sie für kommerzielle Zwecke preisgeben zu müssen.

Deshalb bieten wir unseren Versicherten mit der elektronischen Gesundheitsakte TK-Safe eine gute Lösung mit höchstmöglichem Datenschutz.

Jeder TK-Versicherte hat damit die Option, seine eigenen Daten sicher digital zu verwalten. Nur er kann entscheiden, welche Daten er für wen freigibt, weder die Krankenkasse noch Ärzte können sie ohne Erlaubnis einsehen.

In einer gemeinsamen Session stellten Sie und Vertreter anderer großer Kassen den Ärzten die bisher entwickelten elektronischen Patientenakten vor - wo sehen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten?

Wir haben eine gesetzliche Vorgabe, dass die Kassen ab dem 1. Januar 2021 jedem eine elektronische Gesundheitsakte anbieten müssen.

Diese Akten müssen untereinander und mit der künftigen Telematik-Infrastruktur kompatibel sein. Und die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) muss einheitlich ausgelegt werden.

Der standardisierte Bereich wird darum bei allen Angeboten gleich sein: Daten der Versicherten, der Leistungserbringer und der Krankenkassen können gespeichert und vom Versicherten zugänglich gemacht werden.

Unterscheiden werden wir uns bei den Servicefunktionen und individuellen Versorgungsangeboten. Hier findet dann der Wettbewerb statt. 

ELGA, die elektronische Gesundheitsakte der Österreicher, wird allen Einwohnern angeboten - was können wir von unserem Nachbarland lernen?

In Österreich sind die Voraussetzungen doch etwas anders. Ich kann mir zum Beispiel kaum vorstellen, dass sich die Politik hierzulande auf die dort praktizierte Widerspruchslösung einigen könnte. Das bedeutet: Jeder Einwohner erhält automatisch eine ELGA und muss aktiv einer Speicherung und Weitergabe seiner Daten widersprechen. Diese Opt-out-Möglichkeit haben übrigens nur 3,3 Prozent der Berechtigten tatsächlich genutzt.

Nachvollziehbar erscheint mir der Rat des Referenten Anton Schator, bei der Einführung neuer Anwendungen eher kleine Schritte zu machen, und beim größtmöglichen Nutzen für den Patienten zu beginnen.