TK: Welches Ziel verfolgt die TK mit TK-Safe?

Sören Schmidt-Bodenstein: Bislang liegen medizinische Daten dezentral bei Ärzten, Krankenhäusern, Therapeuten oder Krankenkassen. Die Patienten haben keinen direkten Zugriff auf ihre eigenen medizinischen Informationen und müssen Röntgenbilder und Labordaten mühsam bei verschiedenen Ärzten anfragen und zusammentragen.

Mit TK-Safe ermöglichen wir unseren Versicherten den Schritt in ein modernes Gesundheitswesen, in dem sie selbst über ihre Daten verfügen können. Derzeit haben wir völlig überholte, analoge Strukturen, die es Patienten unnötig schwer machen, an ihre eigenen Daten heranzukommen.

TK: Welche Vorteile haben Patienten und Versicherte von TK-Safe? 

Schmidt-Bodenstein: Ob im Urlaub, beim Umzug in eine andere Stadt oder bei einem Arztwechsel: Mit TK-Safe hat man seine elektronische Gesundheitsakte jederzeit zur Hand. Alle relevanten Daten, die der TK über ihre Versicherten vorliegen, können diese in ihre Akte laden. So bekommen sie auf Wunsch beispielsweise ihre Impfhistorie, eine Auflistung ihrer verschreibungspflichtigen Medikamente oder Übersichten über ihre Arzt- und Zahnarztbesuche inklusive Diagnosen.

Sören Schmidt-Boden­stein

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein

Die Informationen können manuell um eigene Daten ergänzt werden. Freiverkäufliche Medikamente lassen sich per Barcodescanner hinzufügen, Arztbriefe oder Röntgenbilder können hochgeladen werden. So entsteht nach und nach eine wertvolle Übersicht über die eigene Gesundheit.

TK: Gibt es in der Bevölkerung überhaupt Interesse an einer elektronischen Gesundheitsakte?

Schmidt-Bodenstein: Die Idee einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA) wird in Norddeutschland positiv aufgenommen, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der TK zeigt. Auch in Bremen halten drei von vier Befragten die Idee einer eGA gut oder sehr gut. Um sich im digitalen Gesundheitswesen zurechtzufinden und Angebote wie TK-Safe nutzen zu können, braucht es jedoch digitale Gesundheitskompetenz.

Die Studie zeigt, dass jeder zweite Befragte im Norden überzeugt ist, sie sich in Sachen Gesundheit gut oder sehr gut auszukennen. Knapp drei Viertel informieren sich digital über Gesundheit. Von denen, für die das Internet keine relevante Quelle ist, fällt es fast drei Vierteln schwer, seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden, vielen fehlt es an Vertrauen in Online-Informationen (64 Prozent), 32 Prozent haben Angst vor Panikmache und 28 Prozent haben Datenschutz-Bedenken.

TK: Wie profitieren die Ärzte von TK-Safe?

Schmidt-Bodenstein: Jeder Arzt benötigt alle relevanten Informationen zu einem Patienten sofort, vollständig und verlässlich, und zwar sowohl der niedergelassene Arzt als auch Ärzte im Krankenhaus. Viele von ihnen würden bereits vor der Ankunft des Patienten seine wesentlichen Daten erhalten, um die Aufnahme und Behandlung optimal vorbereiten zu können. Das wird die Patientenzufriedenheit deutlich steigern.

Derzeit arbeiten die TK und IBM mit Hochdruck daran, Arztpraxen und Kliniken mit ihren Informationssystemen an die eGA anzuschließen, damit auch deren Daten in TK-Safe eingespielt werden können, wenn die Versicherten dies wünschen. Dazu wurden bereits Kooperationsverträge mit einigen Kliniken im Bundesgebiet geschlossen, um etwa Entlassbriefe ohne Umweg digital für die eGA zur Verfügung zu stellen.

Eine Insellösung soll TK-Safe aber auf keinen Fall werden. Die TK und IBM Deutschland wollen mit der eGA technische Standards setzten, die sich hoffentlich flächendeckend durchsetzen werden.