Kaum ist das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) am 19.12.2019 in Kraft getreten, legt Bundesminister Spahn mit dem Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) nach. In diesem neuen Gesetzentwurf geht es vor allem darum, die Möglichkeiten und Vorteile der elektronischen Patientenakte (ePA) für alle Versicherten nutzbar zu machen. Konkret: Nicht nur die agilen jungen Versicherten mit Laptop, Tablet oder Smartphone sollen die ePA nutzen können, sondern auch Senioren und Supersenioren, die oft über keine geeigneten Endgeräte verfügen. Gerade diese Versichertengruppe mit ihrem hohen Chronikeranteil wird von den Vorteilen einer jederzeit verfügbaren ePA am meisten profitieren.

Dr. Peter Schichtel

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Leitender Ministerialrat a. D.

Es wird auch langsam höchste Zeit. Zwei Jahrzehnte lang hören und lesen wir von "der Telematik", die alle GKV-Versicherten und alle Leistungserbringer miteinander verbinden und die das Papier in der Arzt-Patienten-Beziehung überflüssig machen soll. Einige Kassen, wie die TK mit ihrer elektronischen Gesundheitsakte "TK-Safe", sind mutig vorgeprescht, eine die gesamte GKV umfassende Datenstruktur ist allerdings noch in weiter Ferne. Der ehrgeizige Plan von Minister Spahn sieht nun nichts Geringeres vor, als jetzt endlich die "Datenautobahn" zu schaffen, die jeden der 72 Mio. Versicherten und seine Krankenkasse mit Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Apotheken und Krankenhäusern verbindet. Die anderen Leistungserbringer sollen bald folgen.

Datenschutz vs. Nutzerfreundlichkeit?

Dabei spielen natürlich Datenschutz und Datensicherheit eine herausragende Rolle. Niemand möchte, dass seine Gesundheitsdaten an den Meistbietenden versteigert werden. Die berechtigte Sorge um die Sicherheit der Daten darf aber nicht zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit gehen. Wenn die Versicherten für ihre elektronische Unterschrift ein kompliziertes Zusatzgerät benötigen, das nie zur Hand ist, wenn man es braucht, dann kann man die ganze Chose getrost vergessen. Deswegen ist es unvermeidlich, dass in § 36a SGB I, der die elektronische Kommunikation regelt, anwenderfreundliche Signaturmöglichkeiten vorgesehen werden.

Fernbehandlung muss auch umgesetzt werden

Wenn wir von digitaler Versorgung im Gesundheitswesen sprechen, dürfen wir ein Thema natürlich nicht vergessen: die Fernbehandlung. Diese ist seit letztem Jahr mit Ausnahme von Brandenburg überall auch ohne vorherigen Erstkontakt erlaubt. Vorausgesetzt, dass dies ärztlich vertretbar ist, die ärztliche Sorgfalt gewahrt wird und die Patienten über die ausschließliche Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt werden. Jetzt muss diese neue Möglichkeit aber auch genutzt werden. Denn nur wenn die Ärzteschaft Fernbehandlungen anbieten und umsetzen, können die Versicherten von der Neuregelung profitieren.

Zur Person

Dr. Peter Schichtel kennt sich wie kaum ein anderer im saarländischen Gesundheitswesen aus. Der Ltd. Ministerialrat a. D. beleuchtet in seiner Kolumne "Zu guter Letzt" mit seiner humorvollen, pointierten Art aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen.