TK spezial: Herr Dr. Lekkos, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer entwickelten App Auguste, bei der Sie Initiator sind. Was hat Sie motiviert, diese App ins Leben zu rufen?

Dr. Konstantin Lekkos: Vielen Dank. Motivation waren regelmäßige Fragen von Angehörigen, was sie mit den Betroffenen machen können und Beobachtungen, dass viele im Umgang mit Betroffenen unsicher waren. Hier machte ich mir zu Nutze, dass grundsätzlich Hirnleistungstraining nicht nur als Prophylaxe effektiv ist, sondern auch beim Vorliegen einer Demenz. Ferner haben viele Angehörige ein Tablet. Der Vorteil der Tablets ist, dass sehr viele Spiele integriert werden können, diese mobil sind und die Angehörigen nicht viele verschiedene Spiele mitnehmen müssen. So wollte ich beide Vorteile nutzen und den Angehörigen die Möglichkeit geben, mit den Betroffenen wieder gemeinsame Zeit zu verbringen und sie ein bisschen abzulenken. Zufällig suchte der Halbbruder meiner Frau, der Informatik studierte, ein Thema für eine Bachelorarbeit. Er hat diese App programmiert. 

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Dr. Konstantin Lekkos

TK spezial: Was kann die App? Worum geht es dabei inhaltlich?

Dr. Lekkos: Fünf Spiele sind integriert, in denen es grundsätzlich darum geht, Bilder zu merken und zu erkennen. Die Spiele haben drei Schwierigkeitsgrade von sehr leicht bis schwer. So sind Spiele dabei, die nicht nur von Betroffenen mit geringen Defiziten zu spielen sind, sondern auch Spiele, für Betroffene mit schweren Einschränkungen. Ich wollte das Kurzzeitgedächtnis sowie das Langzeitgedächtnis trainieren. Wir haben die Möglichkeit integriert, zusätzlich eigene persönliche Fotos nehmen zu können. Hier sind alle Fotos denkbar: aktuelle von den Enkelkindern, Kindern oder anderen Verwandten, oder auch Bilder aus der Vergangenheit, wie z.B. das Geburtshaus, das erste Auto, die erste Arbeitsstelle oder ähnliches, um das Langzeitgedächtnis zu aktivieren, aber auch, um das Gespräch und die Kommunikation zu suchen. Das Spiel hat allerdings einen so umfangreichen Bilderspeicher - der zu einem großen Teil aus meiner privaten Sammlung stammt - so dass auch ohne private Fotos damit gespielt werden kann. Das Spiel ist ganz einfach aufgebaut, damit es nicht zu einer visuellen Überlagerung kommt. Der Hintergrund ist einem normalen Holztisch mit typischer Holzmaserung nachempfunden, damit es wie ein normales Gesellschaftsspiel auf einem Tisch aussieht.

TK spezial: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit der App primär an?

Dr. Lekkos: Sämtliche Betroffenen und ihre Angehörigen oder Freunde. Ziel ist, gemeinsam Zeit zu verbringen und die Betroffenen zu trainieren. Die Angehörigen oder Freunde laden die App runter und spielen mit den Angehörigen.

TK spezial: Wie oft ist die App schon heruntergeladen worden?

Dr. Lekkos: Letzter Stand waren insgesamt sowohl für den Google Play Store als auch für den IOS Store rund 4000 Downloads. Die App ist in beiden Stores zu haben. Was mir von Anfang an wichtig war, dass diese umsonst ist und auch dank der TK umsonst bleiben kann.

 TK spezial: Welches Feedback haben Sie von Betroffenen, Angehörigen, Ärzten und Pflegepersonal bzgl. der App erhalten?

Sehr viele positive Feedbacks in unterschiedlicher Form. Wie beispielsweise der Ehemann, der sich nur wegen der App ein Tablet gekauft hat und mich bat, diese für ihn zu installieren.

Was mich freut, dass die Betroffenen nicht nur grundsätzlich die App gut finden, sondern einfach loslegen und aus der Vergangenheit erzählen, wenn wir alte Fotos integriert haben. Ich selber fand es immer toll, wenn mein Opa Geschichten erzählte, so absurd diese auch waren. 

Feedbacks von Ärzten und Pflegepersonal haben wir aktuell nur aus dem eigenen Haus, die es natürlich super finden, da der eigene Chef diese App initiiert hat. Tatsächlich wird sie gerne genutzt und mein Team war auch bei der Entwicklung integriert. Mittlerweile berichten mir User, dass sie die App auch mit den eigenen Kindern spielen. Das freut mich natürlich. 

TK spezial: Wird der therapeutische Einsatz der App wissenschaftlich evaluiert?

Dr. Lekkos: Im Rahmen einer Bachelorarbeit der Uni Wolfenbüttel haben wir die App an Betroffenen getestet, um zu sehen, ob sie grundsätzlich mit einem Tablet und der Touchbedienung zurechtkommen. Mit einem sehr positiven Ergebnis! Aktuell arbeiten wir daran, den therapeutischen Ansatz im Rahmen einer Doktorarbeit zu untersuchen, wobei dieser schwierig zu messen sein wird, da hier viele andere Faktoren bei der Demenz eine Rolle spielen, ich aber gerne auch messen möchte. 

TK spezial: Vielen Dank!

Zur Person

Dr. med. Konstantin Lekkos ist Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie sowie Rettungsmedizin. Seit dem 1. März 2011 leitet und vergrößerte er die Klinik für Geriatrie im Helios Klinikum Hildesheim.

Seinen Facharzt für Innere machte er im Krankenhaus Nordstadt Hannover und die Zusatzbezeichnung in der Geriatrie Krankenhaus Lindenbrunn Coppenbrügge. Er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen.