Stuttgart, 30. November 2020. Wenn der Kollege oder Sportpartner plötzlich zusammenbricht, ist schnelles Handeln erforderlich. Denn Erste Hilfe kann Leben retten. Die gute Nachricht: Laut einer Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) haben 96 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg nach eigenen Angaben schon mal an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Allerdings ist das bei jedem Fünften mehr als 20 Jahre her. Dementsprechend trauen sich auch nur 73 Prozent der Befragten zu, im Notfall tatsächlich einzugreifen.

Weniger Erste-Hilfe-Teilnehmer wegen Corona-Pandemie

Zudem hat sich coronabedingt die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Pandemie einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben, laut der Johanniter-Unfall-Hilfe in Baden-Württemberg nahezu halbiert: Von März bis Ende Oktober 2020 wurden etwas mehr als 26.000 Teilnehmer registriert - gegenüber rund 50.000 im Vorjahreszeitraum.

Herzdruckmassage überfordert viele

Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Stuttgart: "Schätzungen zufolge könnten 10.000 Menschen jährlich durch Sofort-Maßnahmen in einer Notfallsituation gerettet werden. Wenn aber laut unserer Umfrage nicht einmal jeder Zweite genau weiß, was er bei einer Herzdruckmassage zu tun hat, ist dieser Wert schwer erreichbar." Da man in Deutschland nicht gesetzlich verpflichtet sei, einen Erste-Hilfe-Kurs zu wiederholen, gerate das oft in Vergessenheit. "Wir bieten inzwischen auch Online-Kurse an und haben unsere Präsenzkurse an die Hygienevorschriften und Abstandsregeln angepasst“, erklärt Stefan Hager, Fachbereichsleiter Breitenausbildung bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Baden-Württemberg. Trotzdem erreiche man aktuell weniger Menschen als gewohnt.

App TK-RescueMe VR versetzt in "reale" Notfallsituation

Zur Unterstützung hat die TK in Kooperation mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) eine Erste-Hilfe-App fürs Smartphone entwickelt. "Mittels Virtual Reality lernt man in einem interaktiven Video die Herzdruckmassage unter Real-Bedingungen. Da steigt tatsächlich der Adrenalinspiegel“, erklärt Vogt. Man benötigt ein Smartphone und ein sogenanntes Cardboard, das man bereits für ein paar Euros in Online-Shops erhält. Die Schulung dauert rund zehn Minuten und die App ist nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen eingerichtet. So wird zum Beispiel auf die Mund-zu-Mundbeatmung verzichtet.

"Die App soll einen Erste-Hilfe-Kurs nicht ersetzen, aber sie frischt altes Wissen auf und kann die Notfallsituation spürbar simulieren“, ergänzt Vogt. Durch den so genannten Gamification-Ansatz und die Echtzeitsimulation sei der Lerneffekt zusätzlich sehr hoch. 

Hinweis für die Redaktion

Für die bevölkerungsrepräsentative, telefonische Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der TK im Dezember 2019 1.002 Menschen in Deutschland über 18 Jahre zum Thema Erste Hilfe befragt. Die Erste Hilfe App "TK-RescueMe VR" ist kostenlos bei Google Play und im Apple-Store erhältlich.