München, 11. Mai 2022. Seit Oktober 2020 können Ärztinnen und Ärzte Apps auf Rezept verschreiben. Deutschland ist weltweit das erste Land, in dem die Kosten für die geprüften digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. "In Bayern werden DiGA bisher unterdurchschnittlich verschrieben", sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern. Er bezieht sich auf den im Frühjahr 2022 erschienenen ersten DiGA-Report der TK und der Universität Bielefeld. Demnach nehmen bisher nur 12 von 10.000 bayerischen TK-Versicherten mindestens eine DiGA in Anspruch, im Bund sind es 15 Versicherte. Spitzenreiter ist Berlin mit 23, Schlusslicht ist Saarland mit neun DiGA-Nutzerinnen und -Nutzern je 10.000 Versicherten.

Ärztinnen und Ärzte in Bayern verschreiben DiGA nur halb so oft wie in NRW

Die bayerischen Ärztinnen und Ärzte verschrieben bisher knapp 1.769 Apps auf Rezept. In Berlin waren es mit 2.136 rund ein Fünftel mehr, in Nordrhein-Westfalen mit 4.325 sogar mehr als doppelt so viel. Bundesweit waren es rund 19.000 Verordnungen. "Ein Drittel der Patientinnen und Patienten nutzen die DiGA täglich, aber fast ebenso viele sind damit unzufrieden", sagt Bredl. Am häufigsten werden der fehlende Nutzen, die mangelnde Ausrichtung auf die individuellen Gesundheitsprobleme und die schlechte Bedienbarkeit bemängelt.

Zwei Drittel der Ausgaben durch Apps deren Nutzen noch nicht nachgewiesen ist

Von 28 Apps auf Rezept bis Ende 2021 konnten nur sieben zum Start der Kostenerstattung ihre Wirksamkeit nachweisen. Die übrigen 21 Apps, die das noch nicht konnten, verursachten von Oktober 2020 bis Dezember 2021 bei der TK etwa 4,2 Millionen von insgesamt 6,2 Millionen Euro Ausgaben in diesem Bereich. Bredl: "Wenn bei mehr als zwei Drittel der Kosten der Nutzen noch nicht belegt ist, muss die Preisgestaltung überarbeitet werden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die App-Anbieter im ersten Zulassungsjahr die Preise praktisch frei bestimmen können und erst dann einen Nutzennachweis erbringen müssen."

Hinweis für die Redaktion

Für den DiGA-Report 2022 hat die TK alle Verordnungen für Apps auf Rezept ausgewertet, die von Oktober 2020 bis Dezember 2021 bei der Kasse eingegangen sind. Die TK hat in Bayern derzeit 1,45 Millionen Versicherte, bundesweit über 10,9 Millionen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überprüft die DiGAs und veröffentlicht diese bei Zulassung unter https://diga.bfarm.de.