Braunschweig, 14. März 2019. 835 Frühgeborene mit einem Gewicht unter 1.500 Gramm erblickten 2017 in Niedersachsen zu früh das Licht der Welt. Deutschlandweit sind es jährlich rund 8.000 dieser Babys. Diese Frühchen haben häufig mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und müssen die ersten Lebenswochen in Brutkästen, sogenannten Inkubatoren verbringen. Dabei sind enger Körperkontakt, Herzschlag, Atmung und Stimme der Eltern für die Neugeborenen elementar, um außerhalb des Mutterleibes gut zu überleben und die fehlende Entwicklung nachzuholen.

Innovation in der Frühgeborenenversorgung

"Um dieses Defizit auszugleichen, haben Entwickler des Stuttgarter Start-ups Babybe eine spezielle bionische Hightech-Gelmatratze entwickelt, die dem Neugeborenen in der künstlichen Welt des Inkubators ein Gefühl von echter Körpernähe und elterlicher Geborgenheit vermittelt", erklärt Inken Holldorf, Leiterin der Techniker Krankenkasse (TK), Landesvertretung Niedersachsen. "Das Babybe-System ist eine beeindruckende Innovation und ein gutes Beispiel dafür, dass die Digitalisierung echten Nutzen für die Versorgung stiftet".

Bewegung, Atmung und Herzschlag werden auf das Baby übertragen

Die Neuentwicklung macht möglich, dass die Frühgeborenen im Brutkasten das Gefühl haben, auf dem Bauch- oder Brustbereich der Eltern zu liegen. Durch ein schildkrötenförmiges Modul, das den Eltern auf den Oberkörper gelegt wird, werden Stimme, Herzschlag, Atmung und Körpergeräusche aufgezeichnet und auf die Gel-Matratze, auf der das Frühchen liegt, übertragen. Mittels kleiner Lautsprecher wirken die Herztöne und die elterlichen Stimmen positiv auf den Säugling, führen sichtbar zu einer Entspannung und unterstützen seine psycho-soziale Entwicklung.

Städtisches Klinikum Braunschweig setzt erstmals in Niedersachsen Babybe-Matratze ein

"Wir freuen uns, dass wir als erstes Krankenhaus in Niedersachsen die Matratze erfolgreich auf der Kinder-Intensivstation einsetzen und im Stationsalltag erproben können", berichtet Dr. Thomas Bartkiewicz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Braunschweig.

Dr. Jost Wigand Richter, Leitender Abteilungsarzt der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrischer Intensivmedizin über die Vorteile der innovativen Neuentwicklung: "Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Brutkasten, der lediglich eine schützende und wärmende Umgebung für das Frühgeborene herstellt, verhindert die neue Babybe-Matratze ein Abreißen der Verbindung zwischen Mutter bzw. Vater und dem Kind, auch wenn dieses alleine im Inkubator liegt". 

Start-up-Gründer: "Unsere Vision ist, Menschen zu helfen, eine Familie zu werden"

"Unsere Vision und Motivation ist, Menschen zu helfen, eine Familie zu werden. Daran werden wir auch in Zukunft intensiv arbeiten", erklärt der Babybe-Ingenieur Maximilian Blendinger seinen ambitionierten Einsatz für Frühgeborene. "Babybe ist aus der Idee entstanden, dem zu früh geborenen Säugling das Gefühl zu geben, ganz nah bei der Mutter zu sein. Mittlerweile haben wir Babybe-Systeme in mehreren Ländern auf wichtigen Frühchenstationen mit der höchsten Versorgungsstufe. An mehreren Standorten in Deutschland läuft eine multizentrische Studie an, die den positiven Effekt der Matratze weiter untersuchen soll".

Für die Entwicklung der bionischen Matratze ist das Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem 'Innovationspreis Mittelstand 2018' ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) wurde dieses Projekt auf den Weg gebracht.

"Das Gerät ist einfach zu handhaben und wird von unserem Personal und den Eltern gut angenommen", ergänzt Lydia Schneider, Stationsleiterin auf der Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin.

Multizentrische wissenschaftliche Studie überprüft die Effekte

Das Städtische Klinikum Braunschweig liefert im Rahmen der Kooperation, Daten für eine multizentrische wissenschaftliche Studie. Dafür soll das Babybe-System bei jedem teilnehmenden Frühchen vier bis sechs Wochen zum Einsatz kommen.