Jedes Jahr kommen in Hessen mehr als 700 Babys zehn Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin auf die Welt. Häufig müssen sie in den ersten Lebenswochen viel Zeit im Inkubator verbringen. Damit sie dennoch die Geborgenheit der Eltern spüren können, testet das Universitätsklinikum Frankfurt im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie eine digital gesteuerte Gelmatratze des Start-ups Babybe.

Bionische Matratze simuliert Anwesenheit der Eltern

Studien zeigen, dass die Känguru-Methode, bei der das Frühgeborene möglichst häufig auf der Brust der Mutter oder des Vaters liegt, die gesundheitliche Entwicklung der Kinder unterstützt. Ergebnisse dieser Studien zum „Känguruhing“ sind in die Entwicklung der bionischen Matratze des Stuttgarter Start-ups Babybe eingeflossen. Die Hightech-Matratze simuliert die Anwesenheit der Eltern im Inkubator, indem sie Herzschlag und Brustkorbbewegung der Mutter überträgt. So gibt die Technik den Kindern das Gefühl, sie lägen direkt auf dem Oberkörper der Eltern. 

Multizentrische Studie

Erste Ergebnisse einer Pilotstudie des Babybe-Systems in Chile zeigen, dass die bionische Matratze die Atemfrequenz von Frühchen senkt und die Gewichtszunahme beschleunigt. Diese Ergebnisse soll jetzt eine multizentrische wissenschaftliche Studie bestätigen, an der das Frankfurter Universitätsklinikum als einziges hessisches Krankenhaus und als eine der ersten Neonatologien in Deutschland teilnimmt. Die Studie untersucht unter anderem, wie sich bei den Frühchen Herzschlag, Atmung und Körpergewicht entwickeln, ob die Gelmatratze den Krankenhausaufenthalt verkürzt und wie sich die Kinder bis zum zweiten Lebensjahr entwickelt haben. 

Im Rahmen der TK-Kooperation mit dem Start-up Babybe testen bundesweit bis zu zehn Geburtskliniken der Maximalversorgung, sogenannte Level-1-Kliniken, das Babybe-System. Im Rahmen einer multizentrischen wissenschaftlichen Studie liefern die teilnehmenden Kliniken Daten für rund 230 Frühgeborene. Leiter der Studie sind Prof. Rolf Schlößer, Leiter des Schwerpunkts Neonatologie des Universitätsklinikums Frankfurt, sowie der Direktor der Klinik für Neonatologie der Universitätsmedizin Mannheim, Prof. Thomas Schaible. Für die Studie wird das Babybe-System bei jedem teilnehmenden Frühchen vier bis sechs Wochen eingesetzt.