Mainz, 6. Juli 2021. Viele Menschen in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland, die gesetzlich krankenversichert sind, haben noch nie von sogenannten "Apps auf Rezept" gehört. Das zeigt der aktuelle Meinungspuls der Techniker Krankenkasse (TK). Laut der repräsentativen Forsa-Umfrage wusste lediglich jeder oder jede siebte GKV-Versicherte in der Region (14 Prozent), dass ihr Arzt oder ihre Ärztin ihnen Apps verordnen kann. Trotzdem gab mehr als ein Drittel (37 Prozent) von ihnen an, dass sie solche Anwendungen nutzen möchten.

Apps auf Rezept gibt es seit Oktober 2020

"Seit dem Inkrafttreten des Digitalen Versorgungsgesetzes im Oktober 2020 können sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen - auch DiGAs genannt - von den Krankenkassen übernommen werden", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. "Diese Apps unterstützen Versicherte etwa bei der Behandlung von Krankheiten oder bei einer gesundheitsförderlichen Lebensführung. Diese neue Leistung begrüßen wir als Krankenkasse." Besonders häufig wurden bei der TK bislang Apps beantragt, die bei Tinnitus, Übergewicht oder Rücken-, Knie- und Hüftschmerzen helfen sollen.

Bewertungsverfahren muss optimiert werden

Wenn es darum geht, die Gesundheits-Apps zu bewerten, würden sich vier von fünf (79 Prozent) der gesetzlich Versicherten in der Region auf das Urteil ihres behandelnden Arztes oder ihrer behandelnden Ärztin verlassen. 42 Prozent würden ihrer Krankenkasse vertrauen, 38 Prozent einer Bundes-Prüfbehörde und nur elf Prozent dem Hersteller der App.

Dementsprechend kritisch bewertet Jörn Simon die Tatsache, dass bisher nur Selbstangaben des Herstellers für die Bewertung der DiGAs herangezogen werden: "Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das die Bewertung durchführt, muss in die Lage versetzt werden, die Angaben der Hersteller unabhängig zu prüfen. Dies gilt insbesondere, um den Nachweis des medizinischen Nutzens zu untersuchen, sowie für den Datenschutz."

Überteuerte Hersteller-Preise

Die TK fordert zudem, die Vergütung für DiGAs neu zu regeln. Bislang können die Hersteller der Apps ihre Preise im ersten Jahr der Zulassung frei festsetzen. "Dies hat zu überhöhten Preisen geführt, die mit dem Wirtschaftlichkeitsgebot der gesetzlichen Krankenversicherung nicht vereinbar sind. Wir fordern deshalb, dass bereits im ersten Jahr Höchstpreise festgelegt werden können", so Simon.

Neues Gesetz stärkt Möglichkeiten der DiGAs

Durch das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierung-Gesetz (DVPMG), das Mitte dieses Jahres in Kraft treten soll, werden die Möglichkeiten der DiGAs weiter ausgebaut. So erhalten Versicherte etwa die Möglichkeit, auch Angebote von Heilmittelerbringern und Hebammen zu nutzen und Daten aus den DiGAs in ihre elektronische Patientenakte zu überführen. Die Bestimmungen zu Datenschutz und Informationssicherheit wurden gestärkt. Für Pflegebedürftige wurden außerdem digitale Pflegeanwendungen (DiPAs) eingeführt. Perspektivisch sollten laut Simon auch DiGAs höherer Risikoklassen, etwa wenn diese verstärkt Therapieansätze beinhalten, von den Kassen vergütet werden. Dies aber nur nach einem klaren Nutzennachweis, nachgewiesen etwa in Selektivverträgen mit den Kassen.     

Hinweis für die Redaktion

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK im Januar 2021 bundesweit 2.001 Erwachsene zum Gesundheitssystem befragt. Die Befragten repräsentieren einen Querschnitt der volljährigen Bevölkerung in Deutschland.