Digitale Gesundheitsanwendungen (umgangssprachlich: "Gesundheits-Apps") und digitale Services generell sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken - zu Zeiten von Corona erst recht nicht. Wer sein Smartphone dazu benutzt, die neuesten Nachrichten zu lesen, seinen Kontostand zu kontrollieren oder sich Kleidung bei einem Online-Händler zu bestellen, für den ist es ebenso selbstverständlich, Gesundheits-Apps zu benutzen. Diese ermöglichen Jedem, verantwortungsvoll mit seiner Gesundheit umzugehen, sich zu Gesundheitsthemen zu informieren, sich per Videosprechstunde behandeln zu lassen oder in Kontakt mit der eigenen Krankenkasse zu treten.

Dr. Peter Schichtel

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Leitender Ministerialrat a. D.

Das Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG) hat Ende 2019 den GKV-Versicherten einen Rechtsanspruch auf Versorgung mit Gesundheits-Apps verschafft. Der Versicherte kann diese Apps nutzen, wenn sie entweder ärztlich verordnet oder von seiner Krankenkasse genehmigt worden sind. Im April dieses Jahres wurde dann in einer Rechtsverordnung festgelegt, welchen Anforderungen solche Apps genügen müssen. Denn nur wenn sie eine hohe Qualität vorweisen, haben sie einen erkennbaren Vorteil für ihren Benutzer.

Videosprechstunden werden beliebter

Doch auch über die Apps hinaus zeigt die Corona-Krise, wie wichtig die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist. Die Menschen überlegen in der Krise sehr genau, wie sie mit ihrem Arzt oder Therapeuten ohne persönlichen Kontakt kommunizieren können. Videosprechstunden boomen daher aktuell und auch die TK bietet ihren Versicherten immer neue Möglichkeiten. Ein Beispiel hierfür ist die seit Ende April für ihre Versicherten im Saarland an-gebotene Psychotherapie gegen Angststörungen, mit deren Hilfe die Versicherten in den eigenen vier Wänden via Virtual Reality behandelt werden können.

Weil Gesundheits-Apps während der Pandemie einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der gesundheitlichen Versorgung leisten, hat die Bundesregierung am 29. April einen Gesetzentwurf beschlossen, der von den Regierungsfraktionen im verkürzten Verfahren verabschiedet werden soll und daher bereits in Kürze in Kraft treten kann. Danach sollen die Krankenkassen in Pilotprojekten Verfahren austesten können, durch die Gesundheits-Apps elektronisch verordnet werden können. Auf diese Weise können aufwändige papiergebundene Verfahren vermieden werden.

Digitalisierung gewinnt in vielen Bereichen an Schwung

Abschließend noch eine grundsätzliche Bemerkung: Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, dass Deutschland digital und flexibel kann - wenn es sein muss. Denn vorher war das Tempo bei der Umsetzung von Entwicklungen teilweise schleppend. Das betrifft beispielsweise die Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen, wo allzu lange die Probleme in deutscher Gründlichkeit diskutiert, hinterfragt und vertagt wurden. Das betrifft aber auch die privaten Unternehmen wie die öffentlichen Verwaltungen. Wenn viele Gesundheitsämter die Zahl der Corona-Neuinfektionen an das RKI per Fax übermitteln, wo sie "händisch" in elektronische Tabellen eingetragen werden müssen, dann - so Frank Stocker in der online-Ausgabe der "Welt" - lege dies offen, dass Deutschland die Digitalisierung in vielen Bereichen verschlafen habe.

Andererseits hat die Krise die Digitalisierung von Arbeitsprozessen in einem nicht für möglich gehaltenen Tempo vorangebracht. Plötzlich sind Dinge möglich, die noch vor wenigen Wochen nicht gingen ("zu aufwändig", "zu kompliziert", "datenschutzrechtlich bedenklich"): Arbeitnehmer arbeiten im Homeoffice, bei Behörden können plötzlich Anträge online gestellt werden, Schule und Universität finden online statt. Man kann nur hoffen, dass - wenn die Pandemie zurückgegangen ist - nicht die alten Schablonen wieder hervorgekramt werden.

Zur Person

Dr. Peter Schichtel kennt sich wie kaum ein anderer im saarländischen Gesundheitswesen aus. Der Ltd. Ministerialrat a.D. beleuchtet in seiner Kolumne "Zu guter Letzt" mit seiner humorvollen, pointierten Art aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen.