Saarbrücken, 15. Oktober 2020. Notfällen kann man überall begegnen: beim Spazieren, beim Autofahren, auf der Arbeit, beim Sport. Dann muss es schnell gehen, denn mit Erster Hilfe kann man Leben retten. Allerdings trauen sich laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse ganze 26 Prozent der Befragten im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Hessen nicht zu, Erste Hilfe zu leisten. Und das obwohl insgesamt 93 Prozent schon mal an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen haben.

"Bei mehr als der Hälfte ist die Teilnahme aber schon mehr als fünf Jahre her, bei 35 Prozent sogar schon mehr als zehn Jahre. Meist wurde der Kurs im Zusammenhang mit dem Führerschein gemacht", erklärt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. Dabei steige die Unsicherheit der Befragten, je länger der letzte Kurs her ist. Gerade deswegen sieht Groh Handlungsbedarf: "Wir sollten im Saarland und in Deutschland generell mehr dafür tun, dass der Umgang mit Erster Hilfe und Wiederbelebung selbstverständlich ist. Denn alleine in Deutschland könnten jährlich 10.000 Menschen durch Sofort-Maßnahmen gerettet werden", sagt er. 

Erste Hilfe mit Virtual Reality

Anlässlich des "World Restart a Heart Day" hat die TK deshalb eine Erste-Hilfe-App fürs Smartphone veröffentlicht. Die kostenlose Anwendung "TK-RescueMe VR" wurde gemeinsam mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung entwickelt. Damit soll ein niederschwelliger Zugang zu Erste-Hilfe-Maßnahmen geschaffen werden. 

"In Deutschland ist es nicht gesetzlich verpflichtend, den Erste-Hilfe-Kurs regelmäßig aufzufrischen. Daher wiederholen auch nur wenige ihre Teilnahme", erzählt der TK-Landeschef und ergänzt: "Wegen der Corona-Pandemie sind Präsenzkurse derzeit nur schwer durchführbar."  

Mittels Virtual Reality lernt man in einem interaktiven Video die Herzdruckmassage unter Real-Bedingungen. Dazu braucht man nur ein Smartphone und ein sogenanntes Cardboard, das man bereits für ein paar Euros in Online-Shops erhält. Die Schulung dauert rund zehn Minuten. Mit Hilfe der App wird der Nutzer direkt in eine virtuelle Notfallsituation gebracht. Dort muss er unter Zeitdruck unter Anleitung eine Wiederbelebung ausführen. Dabei ist die App nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen eingerichtet. So wird zum Beispiel auf die Mund-zu-Mundbeatmung verzichtet.

"Es ist wichtig, zu betonen, dass die Anwendung keinen Erste-Hilfe-Kurs ersetzt. Aber sie kann altes Wissen auffrischen und ist überall verfügbar. Daher ist diese Entwicklung ein guter und wichtiger Schritt", ist sich Groh sicher. Es biete sich beispielsweise an, Ersthelfer in Betrieben mit der App zu schulen.

Hinweis für die Redaktion 

Für die bisher unveröffentlichte bevölkerungsrepräsentative, telefonische Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der TK im Dezember 2019 1.002 Menschen in Deutschland über 18 Jahre zum Thema Erste Hilfe befragt.

Die Erste Hilfe App "TK-RescueMe VR" ist kostenlos bei Google Play und im Apple-Store erhältlich. Kostenlose Infomaterialien zu Aufklärung bietet auch der Deutsche Rat für Wiederbelebung in seinem Onlineauftritt www.grc-org.de.