Hannover, 12. Januar 2021. Ab sofort übernimmt die Techniker Krankenkasse (TK) die Kosten für die Bewegungs-App 'Herodikos'. Dabei handelt es sich um ein neues digitales Behandlungskonzept bei Knie- und Rückenschmerzen. "Wie in anderen Bereichen der Digitalisierung profitieren Versicherte auch hier von der konsequenten Digitalstrategie der Techniker", sagt Dirk Engelmann, Leiter der Landesvertretung der TK in Niedersachsen. "Digitale Innovationen haben das Potenzial, die Gesundheitsversorgung effektiver und bedarfsgerechter zu gestalten."

Virtuelle Bewegungstherapie setzt neuen Therapiestandard

Mit der App 'Herodikos', die von Start-up-Gründern aus dem niedersächsischen Varel entwickelt worden ist, gelingt es, unterschiedliche Versorgungsbereiche digital zu verbinden: "Von der Prävention und Diagnose über die Therapie bis hin zur Rehabilitation können wir mit der Herodikos-App eine digitale Brücke bauen, um die Versorgung verschiedener Leistungserbringer zu vernetzen", erklärt Dirk Engelmann. "Der Vorteil für die Patientinnen und Patienten ist groß, da auch eventuelle Warte- und Anfahrzeiten entfallen. Insbesondere für Menschen in ländlichen Räumen ermöglicht die virtuelle Bewegungstherapie einen neuen Therapiestandard. Wir haben dazu mit Ärztinnen und Ärzten einen besonderen Versorgungsvertrag geschlossen." 

Ablauf und Details zur Behandlung

Von teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten werden die Patientinnen und Patienten eingehend untersucht und durchlaufen eine funktionelle Bewegungstestung. Auf Basis der eingegebenen Test- und Untersuchungsergebnisse erstellt die App einen Therapieplan. In ihm finden sich Kraft-, Mobilisierungs- und Entspannungsübungen sowie Alltagsbewegungen. Gleich nach dem Praxisbesuch können die Patientinnen und Patienten ihren persönlichen Trainingsplan in der Herodikos-App aufrufen. Die App  kann aber nur mit einem Code heruntergeladen und genutzt werden, den die Patientinnen und Patienten nach der Konfiguration des individuellen Therapieplans von der Arztpraxis erhalten.

Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte erfahren Interessierte unter der TK-Patientenservice-Hotline

Die App führt mit einfachen Video- und Sprachanleitungen durch die Module, zeigt Fortschritte an und erinnert, wann es Zeit für ein Training ist. Losgelöst von Ort und Zeit können die Patientinnen und Patienten für eine verbesserte Gesundheit trainieren. Sollte es Probleme geben, kann die Ärztin oder der Arzt den Therapieplan jederzeit verändern. Unter der TK-Patientenservice-Hotline 040 - 4606620170 erfahren Interessierte, welche Ärztinnen und Ärzte am Herodikos-Vertrag teilnehmen. Die Abrechnung erfolgt über die TK-Gesundheitskarte.

Virtuelle Bewegungstherapie und zertifiziertes Medizinprodukt

Damit Operationen und Schmerzmittel die Ausnahme bleiben, setzen die Experten des Herodikos Teams um Eva Schobert, Dr. med. Lasse Schulte-Güstenberg und Jan Penning gezielt auf Bewegung. Die Herodikos-App - eine spezielle virtuelle Trainingstherapie sowie ein zertifiziertes Medizinprodukt - leitet Ärztinnen und Ärzte durch eine strukturierte Untersuchung, die Dysbalancen und Defizite aufzeigt. "Mithilfe von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz verwertet die App die Ergebnisse und generiert individuelle und personalisierte Trainingsvorschläge, die zu jeder Zeit aktualisiert werden können", so Schobert, Ärztin, Sportwissenschaftlerin und Impulsgeberin der App-gestützten Bewegungstherapie. 

Herodikos-App: Einsatz auch im sportmedizinischen Bereich und für das Betriebliche Gesundheitsmanagement

Professor Djordje Lazovic, Klinikdirektor des Pius-Hospitals, Uni-Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Oldenburg, der Eva Schobert im Rahmen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit kennengelernt hat, sieht in der App einen großen Vorteil: "Viele junge Sportlerinnen und Sportler haben aufgrund von Sportverletzungen bereits im vorderen Kniebereich immense Probleme. Durch die gute Anleitung und individuellen Übungen der App profitieren die Sportlerinnen und Sportler im Rahmen der Therapie und Rehabilitation sehr von diesem, auf die Beschwerden abgestimmten, Video-Trainingsplan."

Auch für die Arbeitswelt 4.0 stellt die App ein hilfreiches digitales Tool für das Betriebliche Gesundheitsmanagement dar, denn immer mehr Unternehmen setzen gesundheitsbezogene Apps ein, die die Bewegung fördern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit machen sollen. Hermann Schüller, geschäftsführender Gesellschafter der Semco-Gruppe sowie der EWE Baskets Oldenburg, der die Trainings-App als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung in seinem Unternehmen einsetzt: "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber investiere ich in Herodikos für gezielte Bewegungstherapie und somit in die Gesundheit meiner Mitarbeiter."

Trainings-App sichert nachhaltigen Therapieerfolg

"Ein Vorteil der Herodikos-App liegt auch in der Nachhaltigkeit", erklärt Schobert. "Viele Patientinnen und Patienten nutzen das virtuelle Training nach einem Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt, wenn sie wieder zu Hause sind. So kann ein Therapieerfolg langfristig angestrebt werden".

Gesundheitsreport 2020: Hohe Fehlzeiten bei Muskel-Skelett-Erkrankungen in Niedersachsen

Mit dem neuen Behandlungskonzept setzen TK und die Beteiligten in Wissenschaft und Gesundheitssystem an einer zentralen Volkskrankheit an, die auch in Niedersachsen einen hohen Anteil am Krankheits- und Behandlungsgeschehen hat. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems führen in Niedersachsen die Spitze der Fehlzeiten an. Dies zeigt auch der TK-Gesundheitsreport 2020. Mit 306 Arbeitsunfähigkeitstagen je 100 Versicherungsjahren (VJ) ließ sich in Niedersachsen 2019 die höchste Zahl an AU-Tagen diesem Krankheitsbereich - zu denen insbesondere auch Rückenschmerzen zählen - zuordnen.

Weitere Informationen zur App sind auf tk.de, Suchnummer 2093924, zu finden.