Durch die bionische Hightech-Matratze des Start-ups BABYBE bekommen Frühchen im Inkubator das Gefühl, sie lägen direkt auf dem Oberkörper der Eltern. Eine Studie unter der Leitung von Prof. Thomas Schaible soll die Wirkung der Matratze auf den Herzschlag, die Atmung und die Gewichtszunahme der Babys wissenschaftlich untersuchen.

TK spezial: Herr Prof. Schaible, Sie haben an der Klinik für Neonatologie an der Unimedizin Mannheim, die Frühgeborene medizinisch versorgt, die bionische Gelmatratze "BABYBE" im Einsatz. Wie funktioniert die Matratze und welche Vorteile versprechen Sie sich für die Frühchen?

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Prof. Thomas Schaible

Schaible: Die BABYBE-Matratze überträgt die Atembewegungen der Mutter. Das Baby spürt eine sanfte Auf- und Abbewegung ähnlich wie im Mutterleib. Das soll Geborgenheit vermitteln und das Baby sollte eine stabilere Atmung und weniger Stress haben. Weiterhin können über die Matratze die Herztöne der Mutter eingespielt werden als zusätzliche Simulation der Situation im Mutterleib.

TK spezial: Sie begleiten auch eine Studie, die die Wirkungsweise der Matratze untersucht. Wie läuft die Studie ab und gibt es schon erste Zwischenergebnisse bzw. Erwartungen?

Schaible: Wir erhoffen uns im Rahmen der Studie die Kinder, welche eine Zeit von vier bis sechs Wochen auf der BABYBE-Matratze verbringen, stabiler vorzufinden, d. h. sie sind ruhiger, sie atmen regelmäßiger und damit wachsen und gedeihen sie besser, als wenn die Matratze nicht vorhanden ist. Bisher gibt es nur einen Eindruck, dass sich die Babys auf der Matratze wohl fühlen, der positive Effekt auf Wachstum, Gedeihen und die sogenannte bessere Stabilität von Atmung und Kreislauf müssen nun wissenschaftlich evaluiert werden.

TK spezial: BABYBE gibt es schon länger als fünf Jahre, aber erst jetzt ist der Stein ins Rollen gekommen. Das zeigt, wie schwer es solche Projekte haben, im ersten Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen. Was bräuchte es, damit sinnvolle Produkte schneller in die Regelversorgung aufgenommen werden?

Schaible: BABYBE ist an sich vom Funktionsablauf und vom Geschehen ein bionisches Prinzip, welches aber für die Zulassung als Medizinprodukt und dann für die Evaluation in der klinischen Situation einfach Zeit benötigt. Heutzutage sind bei Medizinprodukten Schulung von Mitarbeitern, Aufklärung der beteiligten Eltern und Anwendungsbeobachtung langfristige Prozesse, die nicht innerhalb von wenigen Monaten direkt umgesetzt werden können. Zudem gibt es komplizierte Datenschutzvorschriften, welche auch eingehalten werden müssen. Wir wollen nun dieses Jahr mit der Studie starten und hoffen, bald Ergebnisse vorweisen zu können, um dann den Einsatz dieses Gerätes in der Regelversorgung aufnehmen zu können.

TK spezial: Digitalisierung im Gesundheitswesen hat viele Facetten. Sie reichen von Telemedizin und Telekonsilen über Gesundheits-Apps und Online-Coachings bis zur Vernetzung von Sektoren. Was genau ist im Hinblick auf die Digitalisierung das Besondere an der bionischen Gelmatratze Babybe?

Schaible: Die Babybe-Matratze ist ja nicht rein digital, sondern hat auch eine haptische Komponente. Die Steuerung erfolgt jedoch digital und kann entweder in einem Echtzeitmodus oder in einem Wiederholungsmodus als Endlosschleife, d. h. auch nachts, wenn die Mutter nicht anwesend ist, durchgeführt werden. Insofern kann man sagen, es ist eine Kombination aus einer haptischen Oberfläche, welche eben dem Mutterbauch entspricht, und der elektronischen Steuerung.

TK spezial: Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Prof. Dr. med. Thomas Schaible, geboren 1960, studierte Medizin an der Eberhardt Karls Universität Tübingen. Die Promotion erfolgte 1989, 2013 die Habilitation und in 2016 die Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor der Medizinischen Fakultät Mannheim an der Universität Heidelberg. Prof. Schaible ist seit 1996 im Kinderzentrum des Universitätsklinikums Mannheim GmbH tätig und seit Mai 2014 Direktor der Klinik für Neonatologie am Kinderzentrum der UMM. Zu den klinischen Schwerpunkten zählen klinische Studien mit Frühgeborenen inkl. Langzeitprognose, Screening von reifen Neugeborenen sowie Lungenversagen im Kindesalter.

Prof. Schaible verfügt über die Zusatzweiterbildung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, inkl. Ausbildungsberechtigung. Des Weiteren ist er Referent als Experte für Beatmung bei Kindern am Trainingszentrum Medizin im Grünen. Außerdem ist er Mitglied in einigen Fachgesellschaften, ist tätig als Gutachter in Fachzeitschriften und übt ehrenamtliche Tätigkeiten als Berater in verschiedenen Fördervereinen aus.