TK: Frau Professorin Scherenberg, wie sieht es mit dem Interesse der Jugendlichen an Gesundheitsthemen aus?

Prof. Viviane Scherenberg: Jugendliche haben durchaus Interesse an Gesundheitsthemen, insbesondere im Bereich Bewegung, Fitness, Ernährung, Stress, Wellness und Beauty.  

TK: Und welchen Stellenwert haben dabei Gesundheits-Apps für Jugendliche?

Scherenberg: Die Bedeutung von Apps für Jugendliche wächst mit der Zunahme an Angeboten. Dabei greifen sie auf Gesundheits-Apps zurück, um sich z.B. fit zu halten. Beliebt sind insbesondere Schrittzähler, Lauf-Apps oder Menstruations-Apps. An konkreteren Präventionsthemen haben sie weniger interessiert.  

TK: Was für ein Angebot gibt es denn für Teenager eigentlich, wenn sie im App-Store nach gesundheitsbezogenen Apps suchen?

Scherenberg: Aktuell sind Präventions-Apps für Jugendliche eher rar. Selbst für chronisch erkrankte Jugendliche (z. B. Diabetes mellitus, Asthma) gibt es wenige spezifische Angebote, obwohl ca. 15 % aller Kinder und Jugendlichen hierzulande chronisch krank sind. 

Profes­sorin Dr. Viviane Sche­ren­berg

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Dekanin im Fachbereich Prävention und Gesundheitsförderung an der APOLLON Hochschule

TK: Was sind Potenziale oder Risiken dieser Apps?

Scherenberg: Potenziale können in einer gesteigerten Gesundheitskompetenz, einer sensibilisierten Körperwahrnehmung und dem besseren Management einer chronischer Erkrankung liegen. Kommerzielle, datenschutzbezogene oder auch gesundheitsbezogene Aspekte können Risiken in sich bergen, angefangen von einer mangelnden Transparenz über den Nutzen, unzuverlässigen Messwerten, Fehl- und Überinterpretationen der Daten.   

TK: In Zusammenarbeit mit der TK und dem Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut in Hamburg haben Sie ein Online -Tool "Check die App"  erstellt. Wie soll dies unterstützen, sich im App-Dschungel zurecht zu finden?

Scherenberg: Da nicht alle Gesundheits-Apps eine hohe Qualitätstransparenz  aufweisen, können solche Angebote dazu beitragen, die Medien- und Gesundheitskompetenz Jugendlicher zu steigern. Werden Jugendliche für Qualitätsaspekte stärker sensibilisiert, laden sie Gesundheits-Apps nicht wahllos herunter und können den persönlichen Mehrwert und die Risiken vor dem Download besser einschätzen.