Hannover, 3. Juni 2020. Allein in Niedersachsen werden aufgrund von Angst- und Panikstörungen mehr als 9.000 Patienten jedes Jahr im Krankenhaus behandelt. Ab sofort bietet die Techniker Krankenkasse (TK) die Virtual Reality (VR) nutzende Angsttherapie Invirto an. "Mit einer psychotherapeutischen App, einer VR-Brille und Übungen zur Angstbewältigung können Patienten sich angstauslösenden Situationen jetzt auch zu Hause stellen und lernen, mit diesen umzugehen", erklärt Raphael Koßmann, Leiter Regionales Vertragswesen der TK in Niedersachsen.

Erstgespräch via Videotelefonie

TK-Versicherte mit behandlungsbedürftigen Angst- oder Panikattacken bzw. sozialen Phobien können ab sofort unter der Rufnummer 040 - 30 92 47 13 ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten für die Invirto-Therapie vereinbaren. Das Erstgespräch im Rahmen einer umfangreichen psychotherapeutischen Diagnostik erfolgt während der Corona-Pandemie per Videotelefonie mit einem Therapeuten des Universitätsklinikums Schleswig Holstein (UKSH). Die TK bietet ihren Versicherten Invirto seit Februar 2020 an. Aufgrund der ursprünglich notwendigen Erstdiagnostik in den Räumen des UKSH Lübeck oder Kiel wurde die Angsttherapie überwiegend von Patienten im norddeutschen Raum genutzt. Mit der Ausweitung steht sie jetzt bundesweit zur Verfügung.

Leitliniengerechte Psychotherapie in den eigenen vier Wänden

Durch die aktuellen Corona-Sonderregelungen ist ein persönlicher Besuch in der Klinikambulanz in Lübeck oder Kiel nicht mehr notwendig. "Die digitale Psychotherapie können wir somit auch unseren niedersächsischen Versicherten zugängig machen", berichtet Koßmann. "Die Vorteile für die Betroffenen liegen auf der Hand: Sie erhalten sofort Hilfe, auch ohne Therapieplatz oder Warteliste. Anders als bei einer klassischen Psychotherapie mit einem in der Regel einstündigen Besuch beim Psychotherapeuten pro Woche kann bei dem neuen Angebot jeder Patient selbst entscheiden, wann, wo und wie oft er die verschiedenen Übungen absolviert." Studien zufolge leiden zehn Millionen Menschen in Deutschland an Angststörungen. Sie stellen damit eine der häufigsten psychischen Erkrankungen dar.

VR-Brille: Konfrontation mit angstauslösenden Situationen

Die Teilnehmer können in einem Zeitraum von zwei bis acht Wochen die komplett leitliniengerechte, App-gestützte Psychotherapie absolvieren. Die App nutzt Audio- und Videoeinheiten sowie Texte, um therapeutische Informationen zur Bewältigung der Angst zu vermitteln. Das Programm umfasst angeleitete Übungen und Virtual-Reality-Szenen. Simuliert werden beispielsweise Aufzugs und U-Bahnfahrten oder Menschenansammlungen. Dies ermöglicht einen neuen Umgang mit der Angst von zu Hause aus. Inhalt und Umfang von Invirto entsprechen einer Kurzzeit-Psychotherapie. Kernstück, der vom Hamburger Startup Sympatient entwickelten Therapie, ist die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen nach anerkannten therapeutischen Prinzipien. 

In Corona-Zeiten: Persönliche Kontakte können vermieden werden

Nach dem Erstgespräch erhalten die Teilnehmer die VR-Brille und einen App-Zugang. Gerade in Corona-Zeiten werden dadurch persönliche Kontakte vermieden, Anfahrtswege entfallen und das Ansteckungsrisiko wird verringert.

Weitere Infos unter www.invirto.de sowie unter  Invirto - Die Therapie gegen Angst (www.tk.de - Suchnummer 2075184).

Hinweis für die Redaktion

Die TK bezieht sich auf die Abrechnungsdaten aller niedersächsischen Ersatzkassen (vdek). Wegen Angststörungen waren in Niedersachsen im Jahr 2019 in Niedersachsen 9.014 Patienten im Krankenhaus.