Kathrin Radtke ist 38 Jahre alt und leidet unter Migräne. Ein Leben ohne Migräne kennt sie laut eigener Aussage nicht - daran gewöhnen wird sie sich wahrscheinlich nie.

TK: Frau Radtke, die meisten Migräne-Patientinnen haben einen langen Leidensweg durchzumachen bis ihnen wirklich geholfen wird. Wie war das bei Ihnen?

Kathrin Radtke: In meiner Familie gibt es einige Fälle von Migräne. Diese Erkrankung wurde mir sozusagen „in die Wiege gelegt“ – ein Leben ohne Migräne kenne ich nicht. Ich habe Erinnerungen, wie ich als kleines Kind mit fürchterlichen Kopfschmerzen im elterlichen Ehebett liege, weil mein Zimmer keine Fensterläden zur Verdunkelung hatte.

Der Weg bis zu einer wirklichen Hilfe war lang. Als Kind wurde ich zum Heilpraktiker gebracht – Irisdiagnostik, Globuli, keine Besserung. Viele Jahre nahm ich reguläre Schmerzmittel, welche nur in den seltensten Fällen Linderung brachten.

Erst mit Mitte Zwanzig verschrieb mir mein damaliger Hausarzt ein Triptan. Diese machen die meisten Migräneanfälle erträglich, und ich kann meinen Alltag viel besser bestreiten. Auch der Arbeitsalltag wurde dadurch leichter. Viele Kollegen und leider auch Arbeitgeber verstehen nicht, warum man "wegen Kopfschmerzen“ zu Hause bleiben muss. Dass Migräne so viel mehr ist als einfach nur Kopfschmerzen, können Menschen ohne Migräne nicht nachvollziehen. Ohne die richtige Behandlung musste ich auch im Privatleben oft Verabredungen absagen. Konzertbesuche, Kino, Hochzeitseinladungen - da war immer gleich der Gedanke "Hoffentlich schaffe ich das. Hoffentlich erwischt mich die Migräne nicht genau an diesem Tag“.

TK: Inwiefern kann Ihnen die Migräne-App nun helfen, Anfälle zu vermeiden?

Kathrin Radtke: Primär nutze ich die Migräne-App zur Dokumentation der Migräneanfälle sowie für die progressive Muskelentspannung. Die exakte Dokumentation hat mir geholfen, die Migräneanfälle deutlich besser nachvollziehen und somit Muster besser erkennen zu können. In welchen Situationen bin ich besonders anfällig für die Migräne? In welchen Phasen waren die Anfälle weniger, leichter oder kürzer? Die App erinnert mich zudem täglich um 20 Uhr an die progressive Muskelentspannung und leitet mich durch jede „Sitzung“. Durch diese Entspannungstechnik kann ich den Alltagsstress besser bewältigen.

TK: Laut TK-Studie gingen die Kopfschmerztage bei den Betroffenen im Schnitt von 13,3 Tagen auf 10 Tage zurück (25 Prozent). Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungswerte?

Kathrin Radtke: 25 Prozent klingen herrlich! Durch das durch die App verbesserte Verständnis für die Erkrankung, das Erkennen von Auslösern sowie das Erlernen der Entspannungstechnik konnte ich dem einen oder anderen Migräneanfall sicherlich vorbeugen. Geschätzt würde ich sagen circa 10 bis 15 Prozent. Wenn ich die progressive Muskelentspannung gerade in stressigen Lebensphasen noch regelmäßiger durchführen würde, könnte ich die Kopfschmerztage vielleicht auch noch etwas mehr reduzieren.

TK: Nutzen Sie die App auch gemeinsam mit Ihrem Arzt für die Behandlung?

Kathrin Radtke: In der App kann man sich monatliche und jährliche Auswertungen anzeigen lassen. Diese drucke ich aus, und lege sie meinem Neurologen statt dem „klassischen“ Schmerzkalender in Papierform vor. Damit hat mein Arzt einen guten Überblick über die Zeit seit meinem letzten Arztbesuch bei ihm.

TK: Hat die App bei Ihnen eine Verhaltensänderung angestoßen - beziehungsweise unterstützt Sie dabei?

Kathrin Radtke: Durch die App werde ich jeden Abend an die progressive Muskelentspannung erinnert. Ich bemühe mich dann auch, mir die Zeit für mich zu nehmen. Leider klappt das nicht immer, aber ich bin dran.

TK: Kennen Sie die sogenannte Aura aus Ihrer persönlichen Erfahrung und nutzen Sie das Tool der App, um sie Angehörige und Freunden begreifbar zu machen?

Kathrin Radtke: Die Aurasymptomatik habe ich zum Glück erst seit einigen Jahren. Mit der App kann ich meinem Umfeld verdeutlichen, dass diese Aura keine schöne Erscheinung ist. Wenn es auf ein Mal flimmert und flackert, und sich Schatten ins Bild schieben, das kann anfangs schon ganz schön beängstigend sein.

TK: Würden Sie die App weiterempfehlen - gibt es Patientinnen, die besonders davon profitieren können?

Kathrin Radtke: Die Migräne-App kann ich uneingeschränkt allen Migränepatientinnen und -patienten empfehlen! Obwohl ich schon seit ich denken kann mit Migräne lebe, konnte ich durch die App diese Erkrankung besser verstehen. Und mehr Wissen heißt auch mehr Möglichkeiten, die Erkrankung positiv zu beeinflussen und sein Leben wieder ein wenig entspannter Leben zu können.