Frankfurt am Main, 11. Dezember 2018.  Bei jedem dritten Tinnitus-Patienten, der die „Tinnitracks“-App nutzt, bessert sich das Ohrgeräusch. Das zeigt eine Online-Befragung der Techniker Krankenkasse (TK). Betroffene können mit der speziell gegen den Tinnitus entwickelten Smartphone-App ihre Beschwerden mit ihrer Lieblingsmusik bekämpfen. Jetzt bietet die TK in der App im Rahmen eines Pilotprojekts ein weiteres Modul für Tinnitus-Patienten in digitaler Form an: ein Online-Programm, das Betroffenen zu einem gelasseneren Umgang mit der Erkrankung verhilft und auch eine Videosprechstunde umfasst. An dem Pilotprojekt nehmen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte aus Hessen und vier weiteren Bundesländern teil. Menschen, die unter Tinnitus leiden, können sich die Tinnitracks-App aktuell von rund 50 HNO-Ärzten in Hessen verordnen lassen.

Basistherapie zur Steigerung der Lebensqualität

"Die Akzeptanz und auch die Erwartungshaltung unserer Versicherten an die digitalen Gesundheitsangebote nehmen in hohem Tempo zu. Daher bieten wir unseren Versicherten jetzt einen weiteren Baustein unserer digitalen Versorgung über die App an“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Menschen, die von Tinnitus betroffen sind, haben ein störendes Rauschen oder ein Pfeifen im Ohr - ein Geräusch, das andere nicht hören können. Meist geht der Ton nach kurzer Zeit wieder weg, doch jeder hundertste Patient ist so stark betroffen, dass er auf ärztliche Hilfe angewiesen ist. Patienten, die die neue Basistherapie über die Tinnitracks-App nutzen wollen, absolvieren zunächst die Eingangsuntersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO). Dieser stellt die Diagnose und verordnet das Online-Programm. Mit diesem Programm erlernen die Patienten in mehreren Lektionen Bewältigungsstrategien, die ihre psychische Belastung durch das Ohrgeräusch verringert. Sie erfahren beispielsweise, wie Tinnitus entsteht, welche Auslöser es gibt, wie sie sich vermeiden lassen und was konkret hilft, die Ohrgeräusche als weniger störend zu empfinden.

Dieses wichtige Wissen zum Thema Tinnitus, das jetzt als Onlinekurs in der App abgerufen werden kann, wurde den Patienten bislang durch den behandelnden Hals-Nasen-Ohren-Arzt vermittelt. „Das Online-Programm hilft den Patienten dabei, sich weniger auf das störende Ohrgeräusch zu konzentrieren, sodass sie beispielsweise weniger Probleme beim Einschlafen haben und ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität insgesamt steigen“, sagt Dr. Silke Doß, Hals-Nasen-Ohrenärztin aus Frankfurt, die ihren Patienten das Online-Programm bereits über die App anbietet. Haben Patienten das Programm innerhalb von vier bis sechs Wochen durchlaufen und mit dem behandelnden HNO-Arzt gesprochen und dennoch weiteren Beratungsbedarf, können sie innerhalb der App eine Videosprechstunde mit den Tinnitus-Experten der Schön-Klinik vereinbaren.

Neurotherapie gegen Tinnitus

Den zweiten Schwerpunkt der Tinnitracks-App bildet die Neurotherapie, die die TK seit November 2018 bundesweit anbietet. Mit dieser Therapie können Patienten ihren Tinnitus mit ihrer eigenen Lieblingsmusik bekämpfen. Für dieses Hörtraining bestimmt der HNO-Arzt zunächst gemeinsam mit dem Patienten die Frequenz seines Störtones. Einmal in die App auf dem Smartphone des Versicherten eingegeben, schaltet sie in dessen Lieblingsmusik genau diesen Ton aus. Die Aufgabe besteht für die Patienten darin, ein Jahr lang für 90 Minuten täglich Musik zu hören, in der die betreffende Frequenz gefiltert wird. „Durch das veränderte Klangbild kann sich die Aktivität der überaktiven Nervenzellen, die für den Tinnitus verantwortlich sind, reduzieren, so dass die Lautstärke des störenden Tons nach einer zwölfmonatigen Behandlungsdauer abnimmt“, sagt die Frankfurter Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Christiane Kannengießer.

Hinweis an die Redaktionen

Eine aktuelle Liste der HNO-Ärzte, die die neue Basistherapie sowie die Neurotherapie gegen Tinnitus verschreiben, ist hier abrufbar. Die Tinnitracks Basistherapie hat die TK gemeinsam mit dem Start-up Sonormed gmbH, dem deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte sowie der Schön-Klinik Roseneck entwickelt. Sie ist aktuell in Hessen und in vier weiteren Bundesländern verfügbar: Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Neurotherapie wurde in den vergangenen zwei Jahren in diesen fünf Bundesländern erprobt und ist ab sofort bundesweit verfügbar.