Stuttgart, 13. November 2018. Rund drei Millionen Menschen in Deutschland leiden so unter störendem Rauschen oder Pfeifen im Ohr, dass sie auf ärztliche Hilfe angewiesen sind. Ab sofort gibt es für Patienten in Baden-Württemberg mit solch einem akuten oder chronischen Tinnitus digitale Unterstützung: Sie können die sogenannte Basis-Therapie, die Mediziner empfehlen, über eine App erhalten. Dazu gehören ein umfangreiches Online-Therapieprogramm und bei Bedarf Videosprechstunden mit einem Experten.

Patienten in Baden-Württemberg profitieren ab sofort

Die Versorgungslösung "Tinnitracks Basis-Therapie" hat die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem Start-up-Unternehmen Sonormed GmbH, dem Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. und der Schön Klinik entwickelt. Das Angebot startet in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Basis-Therapie immer und überall verfügbar 

"Wer unter störenden Ohrgeräuschen leidet, kann jetzt per App unkompliziert und unabhängig von Zeit oder Ort lernen, mit seiner Erkrankung besser umzugehen und seine Lebensqualität zu verbessern", erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Stuttgart. So geht es beispielsweise darum, wie Tinnitus entsteht, welche Auslöser es gibt, wie sie sich vermeiden lassen, und was konkret hilft, die Ohrgeräusche als weniger störend zu empfinden. Das innovative Angebot ist in die etablierte App "Tinnitracks" integriert, die als Medizinprodukt bereits seit 2015 für chronische Tinnitus-Patienten auf dem Markt ist. TK-Versicherte erhalten es auf Rezept, verschrieben von einem der mehr als 20 beteiligten Hals-Nasen-Ohrenärzte im Land.

Mit ärztlicher Begleitung und Videosprechstunde

Der Facharzt stellt die Diagnose, verordnet die Therapie und überlässt dem Patienten einen Aktivierungscode. "Wer die App auf dem Smartphone in der Tasche hat, kann dann alle Informationen jederzeit abrufen oder auch mehrere Male bearbeiten und neue Verhaltensweisen einüben", so der TK-Leiter.

Zum Abschluss der Therapie überprüft der Patient mithilfe eines Fragebogens, ob er alle Lerninhalte verstanden hat. Besteht weiterer Behandlungsbedarf, schließt sich eine Folgebehandlung  der Tinnitracks Basis-Therapie per Videosprechstunde mit einem Psychotherapeuten oder einem entsprechend qualifizierten HNO-Arzt an. Die Video-Telefonie gewährleistet MindDoc, das Online-Angebot der Schön Klinik.

Weitere Behandlungsoptionen per App

"Tinnitus ist ein komplexes Krankheitsbild, das oft mit einer langen Leidensgeschichte der Patientinnen und Patienten verbunden ist. Mit dem Beratungsansatz der Counseling-Therapie steht nun eine weitere Behandlungsoption zur Verfügung", betont Vogt. Bereits seit gut zwei Jahren hat die TK unter anderem in Baden-Württemberg ein spezielles Hörtraining für Tinnitus-Patienten erprobt.

Tinnitus mit Lieblingsmusik bekämpfen

Bei dieser so genannten "Tinnitracks Neuro-Therapie" wird die Frequenz des störenden Tons bestimmt und aus der Lieblingsmusik des Patienten - ob Pop, Rock oder Klassik - herausgefiltert. Die Therapie besteht darin, ein Jahr lang für 90 Minuten täglich die um diese Frequenz gefilterte Musik zu hören. Durch das veränderte Klangbild kann sich die Aktivität der überaktiven Nervenzellen, die für den Tinnitus verantwortlich sind, reduzieren, so dass die Lautstärke des störenden Tons abnimmt.

Ein Drittel der Nutzer spürt Besserung 

Eine aktuelle Online-Befragung von Tinnitus-Patienten, die die App nutzen, zeigt: Nach einem Jahr Nutzungsdauer berichten 26 Prozent der Nutzer von einer Besserung ihrer Ohrgeräusche. Sechs Prozent der Befragten sehen sogar eine starke Verbesserung. TK-Leiter Vogt zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Insgesamt profitiert damit jeder dritte Nutzer von diesem digitalen Angebot."

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