Falls Sie schon eine Gesundheits-App auf Ihrem Smartphone oder Tablet geladen haben: Benutzen Sie sie regelmäßig? Sind Sie mit ihr zufrieden? Und vor allem: Erkennen Sie einen echten Nutzen für Ihre Gesundheit?

Schon heute ein riesiger Markt

Gesundheits-Apps gibt es mittlerweile in allen Bereichen der Gesundheit, der Fitness und der Lebensqualität. Der Markt ist gigantisch, allein Apple soll mehr als 100.000 Apps in seinem App Store anbieten. Das Marktvolumen von Gesundheits-Apps wird weltweit auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Dr. Peter Schichtel

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Das Angebot ist völlig unübersichtlich: Neben Sinnvollem und Nützlichem (z.B. Allergie-Apps oder Apps, die die regelmäßige Arzneimitteleinnahme überwachen) finden sich auch viele Angebote, die bestenfalls unter nice to have firmieren sollten, andere Angebote fallen in die Rubrik Firlefanz, grober Unfug oder sind schlichtweg gefährlich. Wie soll der medizinische Laie das für ihn Passende herausfinden? Eine im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellte Studie moniert zu Recht, dass Gesundheits-Apps keiner Evidenzkontrolle unterzogen werden, dass es keine verbindlichen Strukturen und kein Zulassungsverfahren gibt.

Apps auf Rezept nach Überprüfung

Das soll sich nun ändern. Der Bundesgesundheitsminister hat den Entwurf eines Gesetzes zur Digitalen Versorgung (DVG) vorgelegt, der im Juli vom Bundeskabinett beschlossen worden ist und momentan vom Bundestag beraten wird. Der Entwurf sieht vor, dass sich GKV-Versicherte künftig eine Gesundheits-App von ihrem Arzt verschreiben lassen können, die Krankenkasse zahlt dann die Kosten. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, wird das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beauftragt, die Apps auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität zu überprüfen. Die Überprüfung der Datensicherheit ist mehr als notwendig. Ein Drittel der von der Stiftung Warentest geprüften 545 Apps sammelte für die Funktion nicht notwendige Daten, ca. 8 % sammelten zudem persönliche Daten, wie z.B. die Kontoverbindung oder Passwörter, und gab diese ohne Verschlüsselung weiter.

Nach bestandener Prüfung kann die App ein Jahr lang verordnet und von den Krankenkassen vorläufig erstattet werden. In diesem Zeitraum muss der App-Hersteller nachweisen, dass die App die Versorgung der Versicherten verbessert. Gelingt der Nachweis, verhandelt der Hersteller mit den Krankenkassen den endgültigen Preis, gelingt der Nachweis nicht, fliegt die App aus dem Angebot der verordnungsfähigen Apps wieder heraus.

Verantwortung liegt weiter bei jedem selbst

Ein Rat zum Abschluss: Gesundheits-Apps helfen und unterstützen uns. Sie übernehmen aber nicht die Verantwortung für unsere Gesundheit. Das werden wir auch in Zukunft selbst tun müssen. Und das ist gut so. Wer einigen dieser Apps blind vertraut, dem kann es ähnlich gehen, wie dem Autofahrer, der gehorsam und kritiklos die Weisungen seines Navi befolgte und sich plötzlich im Rhein wiederfand.  „Wenn möglich, bitte wenden!“

Zur Person

Dr. Peter Schichtel kennt sich wie kaum ein anderer im saarländischen Gesundheitswesen aus. Der Ltd. Ministerialrat a.D. beleuchtet in seiner Kolumne "Zu guter Letzt" mit seiner humorvollen, pointierten Art aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen.