Jena/ Erfurt, 14. September 2022. Mit Hilfe eines sogenannten Avatars können an Krebs erkrankte Kinder in Thüringen jetzt auch während ihrer Therapie und zwischen den Behandlungen weiter am Schulunterricht teilnehmen. Die Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e. V. hat den kleinen Roboter, der mittels App mit dem erkrankten Kind kommuniziert, angeschafft. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen finanziert den Roboter der Selbsthilfegruppe sowie die technische Unterstützung über drei Jahre erstmals in einem Modellprojekt.

Der Avatar ist ein kleiner Roboter, der stellvertretend für das Kind an dessen Platz in der Klasse gesetzt wird. Er überträgt Bild und Ton ans Smartphone oder Tablet des Kindes. Das Kind kann den Avatar zum Beispiel aus dem Klinikbett oder vom heimischen Sofa steuern und mit seiner Hilfe mit dem Klassenkammeraden und der Lehrerin oder dem Lehrer kommunizieren. Per Knopfdruck meldet sich der Avatar mittels Blinklicht für das Kind und kann sich auch bewegen.

Zielgenaue Unterstützung für langzeiterkrankte Kinder

"Um den jungen Patientinnen und Patienten den Umgang mit ihrer Erkrankung zu erleichtern, suchen wir immer neue Möglichkeiten. Einer der größten Wünsche der Familie, die den Avatar gerade nutzt, war, dass der erkrankte Zweitklässler den Anschluss an die Klasse nicht verliert. Auf einer Tagung, die sich mit der psychosozialen Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher und deren Familien beschäftigt, haben wir von dem Projekt Schulavatar erfahren, die wir als sehr zielgenaue Unterstützung für langzeiterkrankte Kinder wahrnahmen. Jetzt musste nur noch ein Partner gefunden werden, der uns bei der Finanzierung unterstützt", sagt Katrin Mohrholz, Geschäftsführerin der Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e. V..

"Im Rahmen der Selbsthilfeförderung können wir - vor allem wenn es darum geht eine Anschubfinanzierung für innovative Projekte zu initiieren - schon seit vielen Jahren auf die Unterstützung der TK zählen. Und so war es auch bei der neuerlichen Anfrage ganz unkompliziert, die Techniker Krankenkasse mit ins Boot zu holen, um dieses neue und sehr erfolgversprechende Projekt in die Tat umsetzen zu können. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken."

Wertvolle Ergänzung zum Analogen

"Digitale Technologie kann die Gesundheitsversorgung entscheidend voranbringen und wertvolle Ergänzung zum Analogen sein", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. Das gelte nicht nur für große Veränderungen des Gesundheitssystems, wie sie zum Beispiel durch die elektronische Patientenakte möglich seien, sondern auch beim alltäglichen Umgang mit Erkrankungen. Als Beispiele nennt Dressel digital vernetzte Selbsthilfe, Webinare und den Schulavatar. 

"Wir freuen uns, dass die Elterninitiative für krebskranke Kinder mit ihrer Idee an uns herangetreten ist und sind gespannt, was uns die Erprobungsphase des Avatars alles lehrt", ergänzt Dressel.

Schulkontakt trotz Chemotherapie

Durch eine Krebstherapie, besonders Chemotherapie, wird das Immunsystem stark angegriffen und die Kinder sind körperlich geschwächte. Dadurch ist ein Schulbesuch während oder zwischen den Behandlungen in der Regel nicht möglich. 

Weil erkrankte Kinder mit dem Roboter-Stellvertreter am Unterricht teilnehmen können, fällt es ihnen leichter, Lerninhalte zu verstehen. Gleichzeitig gibt der Avatar ein Stück Normalität zurück, weil die Kinder im Klassenverbund bleiben und ihre sozialen Kontakte besser halten können.

"Mit so einem Avatar sind die Chancen sehr gut, dass an Krebs erkrankte Kinder die Klasse nicht wiederholen müssen. Damit bleiben sie in der Klassengemeinschaft. Eine junge Patientin sprach nach der Krebstherapie einmal von einem verlorenen Jahr. Das können wir mit dem Avatar hoffentlich umgehen", sagt die Heilpädagogin Mireille Le Lièvre. Sie betreut den Jungen, der den Avatar im Moment nutzt, und seine Familie.

Hinweise für die Redaktion

Die Finanzierung des Avatars ist der TK im Rahmen der Selbsthilfeförderung möglich. Mehr über die Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e. V. erfahren Sie unter ekk-jena.de.