Die Coronapandemie hat unser Gesundheitswesen und jeden Einzelnen vor große Herausforderungen gestellt. In einem Aspekt jedoch hat uns die besondere Situation vorangebracht: Bei der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens. In Zeiten von Covid-19 ist der Nutzen von Fernbehandlungen unumstritten. Der kontaktlose Arztbesuch verhindert die Verbreitung des Virus und schützt Ärztinnen, Ärzte und Praxispersonal. Dass die Beteiligten den Mehrwert schätzen, zeigen auch Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Waren es vor der Krise noch 168 Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die Sprechstunden per Videotelefonie anboten, waren es im zweiten Quartal 2020 mehr als 30.000. 

Virus als Beschleuniger 

Ohne Corona hätten Politik, Leistungserbringer und Krankenkassen um die Lösungen zur kontaktlosen und digitalen Behandlung gerungen. Und wir hätten monatelang über die technischen und wirtschaftlichen Details diskutiert. Wir wären längst nicht dort, wo wir heute stehen. Das Virus ist für mich ein Beschleuniger der Digitalisierung - ohne damit dessen gesundheitliche Gefahr und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Covid-19-Pandemie kleinreden zu wollen. 

Daniel Cardinal

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Leiter des Geschäftsbereichs Versorgungsinnovation der Techniker Krankenkasse

Über-, Unter- und Fehlversorgung vermeiden

Für die medizinische Versorgung der Bevölkerung müssen wir jetzt die digitalen Möglichkeiten nutzen, weiterdenken und schnellstmöglich ausbauen. Denn die Digitalisierung schafft Vorteile, die sich auch ohne Pandemien bewähren werden: Versicherte erhalten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneimittelrezepte ohne dazu eine Arztpraxis aufsuchen zu müssen. Patientin, Patient, Ärztin und Arzt sehen Versorgungsdaten wie beispielsweise Testergebnisse in Echtzeit. Experten könnten große Datenmengen nutzen, um Empfehlungen für die medizinische Versorgung auszusprechen. Die Digitalisierung hilft Über-, Unter- und Fehlbehandlungen zu vermeiden und sorgt dafür, dass unser Gesundheitssystem bezahlbar und qualitativ hochwertig bleibt. 

Digitales Modell 

Unser Ziel muss es sein, die Chancen der Digitalisierung auch nach der Coronakrise zu nutzen, nicht zum Selbstzweck, sondern dort, wo es Sinn macht. Wie sieht ein digitales Versorgungsmodell aus, das der Ärztin, dem Arzt und seinen Patientinnen und Patienten gleichermaßen nutzt? An diesen Anforderungen gilt es nun zu arbeiten. Es wird weiterhin zahlreiche Indikationen geben, die nicht digital oder per Videotelefonie behandelt werden können. Doch einig sind sich alle: Bei einer bestätigten Corona-Infektion oder Magen-Darm-Verstimmung, die sich schlimmstenfalls in der Arztpraxis verbreiten, sollten Patientin und Patient eine ärztliche Konsultation über die Ferne mit digitaler AU-Bescheinigung erhalten können.

Aus diesem Grund bietet die TK die Fernbehandlung mit der Möglichkeit des E-Rezeptes an. Dieses Angebot ist eine große Chance für die TK und bringt uns um Jahre vorwärts. Auch bringt es uns in Sachen TK-Safe weiter.

Wettbewerb und Standards

In Zukunft möchten wir weitere digitale Lösungen für Versicherte entwickeln, für die es keinen standardisierten Austausch braucht. Dazu zählen Angebote wie digitale Gesundheitsangebote und Prozesse, für die die Krankenkassen bereits heute verantwortlich sind. Für Lösungen, für die hingegen die Interoperabilität über mehrere Beteiligte sichergestellt werden muss, sollte die gematik Standards definieren, welche von allen zu beachten und umzusetzen sind. 

Aus diesem Zusammenspiel von Wettbewerb und Standards können digitale Innovationen ohne Zusatzaufwand und mit hoher Datensicherheit entstehen. Die Digitalisierung gewinnt folglich an Akzeptanz in der Bevölkerung und bringt den Gesundheitsstandort Deutschland voran. 

In Pandemie- und Notsituation schnell beraten

Konkret muss dazu im nächsten Schritt die Vernetzung mit den Leistungserbringern gelingen. Dann werden Versicherte die in der App vorhandenen Daten für die medizinischen Behandlungen nutzen, aktualisieren und zur Verfügung stellen können.

Ab 2023 können Versicherte ihre Daten freiwillig für Forschungszwecke freigeben. Die Verfügbarkeit von Daten wird unser Gesundheitswesen entscheidend verbessern können. Selbst Abrechnungsdaten, die den Krankenkassen ohne Verzögerung vorliegen, werden für alle Beteiligten von Vorteil sein: Für die Verbesserung der Versorgung, für neue Erkenntnisse über unser Gesundheitssystem und nicht zuletzt für die Möglichkeit, in Pandemie- und anderen Notsituationen schnell beraten und versorgen zu können.