Die aktuelle Pandemie stellt unser Gesundheitswesen und jeden Einzelnen vor große Herausforderungen. In einem Aspekt jedoch bringt uns die besondere Situation voran: Bei der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens. In Zeiten von Covid-19 ist beispielsweise der Nutzen von Fernbehandlungen unumstritten. Der kontaktlose Arztbesuch verhindert die Verbreitung des Virus und schützt Ärzte und Praxispersonal. Dass die Beteiligten den Mehrwert schätzen, zeigen auch die aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Waren es vor der Krise noch 1.700 Ärzte, die Sprechstunden per Videotelefonie anboten, sind es mittlerweile mehr als 25.000. 

Virus als Beschleuniger 

Ohne Corona hätten Politik, Leistungserbringer und Krankenkassen um die Lösungen zur kontaktlosen und digitalen Behandlung gerungen. Und wir hätten monatelang über die technischen und wirtschaftlichen Details diskutiert. Wir wären längst nicht dort, wo wir heute stehen. Das Virus ist für mich ein Beschleuniger der Digitalisierung - ohne damit dessen gesundheitliche Gefahr und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Covid-19-Pandemie kleinreden zu wollen. 

Daniel Cardinal

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Leiter des Geschäftsbereiches Versorgungsinnovation bei der Techniker Krankenkasse

Über-, Unter- und Fehlversorgung vermeiden

Für die medizinische Versorgung der Bevölkerung müssen wir jetzt die digitalen Möglichkeiten nutzen, weiterdenken und schnellstmöglich ausbauen. Denn die Digitalisierung schafft Vorteile, die sich auch ohne Pandemien bewähren werden: Versicherte erhalten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneimittelrezepte ohne dazu eine Arztpraxis aufsuchen zu müssen. Patient und Arzt sehen Versorgungsdaten wie beispielsweise Testergebnisse in Echtzeit. Experten könnten große Datenmengen nutzen, um Empfehlungen für die medizinische Versorgung auszusprechen. Die Digitalisierung hilft Über-, Unter- und Fehlbehandlungen zu vermeiden und sorgt dafür, dass unser Gesundheitssystem bezahlbar und qualitativ hochwertig bleibt. 

Digitales Modell für Arzt und Patient

Unser Ziel muss es sein, die Chancen der Digitalisierung auch nach der Corona-Krise zu nutzen, nicht zum Selbstzweck, sondern dort wo es Sinn macht. Wie sieht ein digitales Versorgungsmodell aus, das dem Arzt und seinen Patienten gleichermaßen nutzt? An diesen Anforderungen gilt es nun zu arbeiten. Es wird weiterhin zahlreiche Indikationen geben, die nicht digital oder per Videotelefonie behandelt werden können. Doch einig sind sich alle: Bei einer bestätigten Corona-Infektion oder Magen-Darm-Verstimmung, die sich schlimmstenfalls in der Arztpraxis verbreiten, sollte der Patient eine ärztliche Konsultation über die Ferne mit digitaler AU-Bescheinigung erhalten können. 

TK-Fernbehandlung

Aus diesem Grund bietet die TK nun die Fernbehandlung mit der Möglichkeit des E-Rezeptes an. Dieses Angebot ist eine große Chance für die TK und bringt uns um Jahre vorwärts. Auch bringt es uns in Sachen TK-Safe weiter. Nun können wir beispielsweise zeigen, dass es sinnvoll ist, Mehrleistungen wie das E-Rezept in unsere App zu integrieren und aus einer Hand anzubieten. Und wir zeigen, dass es keine staatliche App braucht, um Leistungen wie das E-Rezept zu nutzen. 

In Pandemie- und Notsituation schnell beraten

Ab dem 1. Januar 2021 wird die TK eine integrierte elektronische Gesundheits- und Patientenakte auf freiwilliger Basis anbieten können, vorausgesetzt, die Vernetzung mit den Leistungserbringern gelingt im Laufe dieses Jahres. Dann wird der Versicherte die in seiner App vorhandenen Daten für seine medizinischen Behandlungen nutzen, aktualisieren und zur Verfügung stellen können. Eine freiwillige Datenfreigabe der Versicherten gegenüber ihrer Krankenkasse wäre zu diesem Zeitpunkt von großer Bedeutung: für die Verbesserung der Versorgung, für neue Erkenntnisse über unser Gesundheitssystem und nicht zuletzt für die Möglichkeit, in Pandemie- und anderen Notsituationen schnell beraten und versorgen zu können.