Mainz, der 18. März 2022. Daten intelligent und verantwortungsvoll zu nutzen, hilft die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und die Qualität der Gesundheitsversorgung zu steigern. Davon ist der rheinland-pfälzische Landesvertretungsleiter der Techniker Krankenkasse (TK), Jörn Simon überzeugt. "Durch die Abrechnung von Arztbesuchen und medizinischen Behandlungen erhalten wir als Krankenkasse eine Vielzahl so genannter "Routinedaten". Wenn wir diese Daten intelligent verknüpfen und auswerten, können wir Versicherte gezielter bei der Vorsorge und Behandlung von Erkrankungen unterstützen, führt Simon weiter aus. Damit das möglich ist, müssten uns insbesondere die Daten aus dem ambulanten Bereich kurzfristiger zur Verfügung stehen.

Tagesaktuelle Übermittlung von Daten ist wichtiger Schritt

Mit Inkrafttreten des Patientendatenschutzgesetzes (PDSG) ist es Krankenkassen inzwischen möglich, ihren Kundinnen und Kunden, passgenauere Versorgungsleistungen anzubieten. Zumindest, wenn eine Einwilligung der Versicherten für eine individuellere Beratungsleistung vorliegt. "An dieser Stelle ist seitens des Gesetzgebers inzwischen einiges geschehen. Allerdings wäre nun ein weiterer Schritt nötig, damit uns Abrechnungsdaten schneller zur Verfügung stehen", stellt der TK-Landeschef fest. Simon: "Aktuell erreichen uns diese Daten aus dem ambulanten Sektor erst bis zu neun Monate nach einem Praxisbesuch." Der Gesetzgeber hat dieses Problem zwar erkannt und eine Verkürzung dieser Abrechnungsfristen vorgenommen, aber diese Vorgabe ist leider noch nicht im niedergelassenen Bereich angekommen. "Daher können wir das tatsächliche Versorgungsgeschehen in Echtzeit noch nicht abbilden", bedauert Simon.

Verzögerung bei Datenübermittlung nicht mehr zeitgemäß

Dies führe bisweilen zu solchen abstrusen Situationen wie jüngst, als bei der politisch initiierten Versandaktion von Gutscheinen für FFP-2-Masken beispielsweise Risikoschwangere mit Masken ausgestattet werden sollten. Wenn wir aber erst nach neun Monaten von dem Frauenarztbesuch erfahren, hat die Versicherte in der Regel längst entbunden, bevor wir die Maskengutscheine für die Schwangerschaft auf den Weg bringen können. Eine solche erhebliche Verzögerung sei angesichts digitaler Dokumentationsmöglichkeiten nicht mehr zeitgemäß, betont der TK-Landeschef. "Eine gute Lösung könnte sein, die Diagnose- und Leistungsdaten der Arztpraxen, wie im Krankenhausbereich schon lange üblich, tagesaktuell weiterzuleiten. Dann könnten wir als Krankenkasse bedarfsgerecht auf die aktuelle Situation des Versicherten eingehen. Hierbei müsste es sich nicht um die letztendlichen Abrechnungsdaten handeln. Dass die gemeldeten Daten anschließend noch Plausibilitäts- und Abrechnungsprüfungen zu durchlaufen hätten, sei unproblematisch", so Simon. 

Krankenkassen sollten Daten für die Verbesserung der Versorgung ihrer Versicherten nutzen dürfen

Gerade in Bezug auf eine moderne und effiziente Versorgung, wäre es ebenso wichtig, die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen von Abrechnungsdaten aufzuheben. "Die Chancen, welche die Daten für die Forschung bieten, sind enorm und werden noch immer unterschätzt. Ab 2023 haben Versicherte die Möglichkeit, ihre in der elektronischen Patientenakte (ePA) gesammelten Daten, für diesen Zweck zu spenden. Allerdings gehören die Gesetzlichen Krankenkassen noch nicht zum berechtigten Nutzerkreis dieser freiwillig gespendeten Daten. Das ist schon deshalb unverständlich, da diese aus einem solidarisch finanzierten System stammen und daher auch der Gemeinschaft für eine Verbesserung der Versorgung zur Verfügung stehen sollten. Hier bedarf es ebenfalls einer gesetzlichen Anpassung.