Mit den Schlagworten digitale Gesundheit oder E-Health (electronical health) ist die Summe aller Prozesse gemeint, die mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens verbunden sind. Grundsätzlich geht es dabei darum, die Gesundheit eines Menschen durch den Einsatz digitaler Medien zu fördern, zu erhalten und/oder zu steuern. Also alle Aktivitäten, die Laien oder Fachleute anstellen, um ihre eigene Gesundheit oder die der Patienten zu beeinflussen.

Darüber hinaus bedeutet digitale Gesundheit auch, Prozesse zu optimieren, die im Zusammenhang mit dem Datenaustausch stehen. Ziel dessen ist es, die medizinische Versorgung von Patienten zu verbessern, Prozesse effizienter zu gestalten und dabei gleichzeitig den Datenschutz zu beachten. Das heißt, es müssen die Zugriffsrechte geklärt, eine sichere Datenübertragung gewährleistet sein und die Gesundheitsdaten müssen effizient verarbeitet und gespeichert werden können.

Digitale Prozesse verlaufen viel schneller und effizienter als auf den bislang herkömmlichen Wegen, wie etwa der Papierform: Informationen sind nahezu sofort verfügbar, Kommunikation kann innerhalb von Minuten oder gar Sekunden ablaufen, Therapie kann von unterwegs aus erfolgen und wird damit, zumindest teilweise, ortsunabhängig. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wirkt sich somit auf kommunikative und organisatorische Prozesse aus, auf die Beschaffung von Informationen und auf neue Therapieangebote.

Die Möglichkeiten der modernen Technik können - wenn sie konsequent umgesetzt werden - für alle Beteiligten im Gesundheitswesen Nutzen stiften. Die großen Herausforderungen innerhalb der digitalen Prozesse bestehen darin, die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens festzulegen, das Gesundheitswesen mit der geeigneten Telematik-Infrastruktur auszustatten, die Qualität der auffindbaren Informationen zu sichern und den Datenschutz zu gewährleisten. Ab dem 1. Januar 2016 sollen mit dem E-Health-Gesetz, laut Gesetzgeber, die Voraussetzungen für die Rahmenbedingungen des digitalen Gesundheitswesens geschaffen werden.

Die neuen Möglichkeiten der Technik wirken vor allem auf diesen Ebenen:

  • Information
  • Therapie
  • Kommunikation und Organisation
  • Mobilität

Information - das Internet nimmt Einfluss auf das Gesundheitswesen

Informationen sind heute für nahezu alle Menschen in Deutschland abrufbar und zu jedem Thema jederzeit und an fast allen Orten verfügbar. Im Gesundheitswesen wirkt sich das Suchen und Finden von Informationen im Internet ganz besonders auf die Beziehung zwischen Arzt und Patient aus.

Der "Trendmonitor 2015", eine aktuelle TK-Umfrage unter Mitgliedern der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, zeigt, dass gut drei Viertel der Internetnutzer in Deutschland Informationen zu Gesundheitsthemen im Internet suchen. Dies geschieht in Form von Text, aber auch durch Videos. Welche Qualität die eingeholten Informationen haben, ist für den Laien oft nicht erkennbar und wird zudem vielfach nicht hinterfragt. Die Erfahrung zeigt, dass bestenfalls die ersten fünf Treffer, die eine Suchmaschine zu einem bestimmten Stichwort findet, diejenigen sind, die der Anwender wahrnimmt und dann meist auswählt. An diesen Stellen erscheinen die Artikel, die von der Suchmaschine als besonders relevant eingestuft werden. Das aber sagt noch nichts über den Wert der Information aus, sondern zunächst nur, dass der Urheber einen Text zu dem jeweiligen Stichwort geschrieben hat, der im Internet leicht gefunden wird - und zwar, weil er suchmaschinenoptimiert geschrieben wurde. Durch diesen Prozess definiert das Internet im Gesundheitswesen mit, was gesund oder krank bedeutet.

Das Internet und die darin auffindbare, unendliche Informationsfülle wirken auf das Gesundheitssystem, indem sie beispielsweise die Beziehung zwischen Patient und Arzt verändern. Besonders Ärzte müssen sich immer öfter mit detaillierten und differenzierten Fragestellungen ihrer Patienten auseinandersetzen, weil sich diese vorab ausgiebig über ihr Krankheitsbild informiert haben. Der gut informierte Patient wird dadurch anstrengender und rüttelt an dem Fundament, das den Mediziner als den alles wissenden Gesundheitsexperten einstuft. Die Informationen aus dem Internet greifen in die Compliance der Patienten ein und verändern damit die Interaktion und Kommunikation zwischen Mediziner und Patient.

Die Qualitätssicherung von Gesundheitsinformationen im "World Wide Web" ist daher eine der großen Herausforderungen zum Thema digitale Gesundheit. Ein Versuch sicherzustellen, dass ein Anwender qualitätsgesicherte Informationen findet, ist die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums, die Seite Gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu besuchen. Hier finden sich zahlreiche Erklärungen zu Erkrankungen, Fachbegriffen oder Beschwerdebildern.

Therapie - Telemedizin als ein Zukunftsmodell

Die Telemedizin ist zukunftsweisend für das digitale Gesundheitswesen: Therapeutische Leistungen können über räumliche Distanzen hinweg erbracht werden, Patienten sparen Zeit und Geld und sind sowohl zeitlich als auch räumlich äußerst flexibel. Die Therapien erreichen Menschen, die möglicherweise ohne Telemedizin einen erheblichen Mehraufwand in Kauf nehmen müssten, um gut versorgt zu werden. Durch Telemedizin eröffnen sich derzeit neue Therapieansätze, die in der Vergangenheit keine Rolle gespielt haben.

Von Telemedizin ist u.a. dann die Rede, wenn Arzt und Patient für ihre Kommunikation einen Bildschirm nutzen und damit eine räumliche Distanz überbrücken. So geschieht es beispielsweise bei der dermatologischen Online-Videosprechstunde, die die TK derzeit mit dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen testet. Patienten, die bei einem der teilnehmenden Ärzte behandelt werden und sich vorab mit ihrem Fall bereits beim Arzt persönlich vorgestellt hatten, können sich für die Folge- oder Nachsorgebehandlung in der Online-Sprechstunde anmelden, sofern der Arzt festgestellt hat, dass sich der konkrete Fall dafür eignet. Ein anderes Modell ist die Online-Therapie der Kasseler Stottertherapie. Dabei können durch das telemedizinische Angebot gleichzeitig bis zu vier Patienten  therapiert werden. Die Betroffenen treffen sich mit ihrem Therapeuten gemeinsam in einer virtuellen Sprechstunde und arbeiten in dieser Gruppe an ihrer Sprache. Außerdem üben sie individuell mit einem computergestütztem Programm außerhalb der Therapiestunden, ganz unabhängig von ihrem Therapeuten.

Durch Telemedizin ist es einem Arzt außerdem möglich, sich mit anderen Experten über Patienten auszutauschen oder Röntgenbilder und Befunde von Patienten zu bewerten. Das gelingt, wenn in einem Krankenhaus oder in einer Praxis alle radiologischen Systeme volldigitalisiert sind. Bilder und Befunde können dann digital gespeichert und von den behandelnden Ärzten innerhalb der eigenen Klinik direkt abgerufen werden sowie in bestimmte benachbarte Krankenhäuser zur Weiterbehandlung überspielt werden.

Der Austausch von Arzt zu Arzt in Konsilen, in denen online über Patienten und deren Krankheitsverlauf beraten wird und in denen Experten hinzugezogen werden, die an einem bestimmten Standort fehlen, ist zudem eine große Chance für eine bessere Versorgung der Menschen in strukturschwachen Gebieten. Der Telemedizin kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu, wenn es um die Versorgung der Menschen auf dem Land oder in strukturschwachen Gebieten geht. Gerade Menschen, die in ihrer körperlichen oder in ihrer praktischen Mobilität eingeschränkt sind, könnten profitieren, wenn sie sich über Videochat mit ihrem Arzt absprechen oder relevante Daten übermitteln können. Für ältere Menschen oder für Familien mit kleinen Kindern etwa sind Videochat und Datenübermittlung eine Erleichterung, weil eventuelle beschwerliche Wege erspart bleiben und auch die Organisation um den Arztbesuch, mit Unterstützung durch Angehörige oder Betreuer, entfällt. 

Ohne Infrastruktur bleibt Telemedizin die Ausnahme

Eine flächendeckende Umsetzung der Telemedizin scheitert bislang an der meist fehlenden technischen Ausstattung. Die TK fordert daher, die Telematik-Infrastruktur als gemeinsames, zentrales Vernetzungsinstrument im Gesundheitswesen zu etablieren. Die schnellstmögliche Realisierung dieses flächendeckenden Netzwerkes sollte oberste Priorität haben, da dies die Grundvoraussetzung für alle weiteren Anwendungen darstellt.

Was heißt Telematik-Infrastruktur?

Eine gute Telematik-Infrastruktur stellt technische Voraussetzungen dar, die es ermöglichen, dass Telematik im Gesundheitswesen flächendeckend eingesetzt und - insbesondere unter Wahrung von Datenschutz und Datensicherheit - genutzt werden kann.

Telematik ist der Begriff, der die Bereiche Telekommunikation und Informatik verknüpft. Das heißt, Telematik gewährleistet den Austausch von Informationen über eine räumliche Distanz hinweg durch verschiedene Medien (Telekommunikation). Diese Informationen werden dann systematisch und automatisch von Computern verarbeitet (Informatik).

Damit dies reibungslos möglich ist und die Informationen beim Empfänger sicher ankommen, müssen bestimmte Übertragungstechnologien bestehen. Sogenannte Telekommunikationsanlagen sind technische Einrichtungen oder Systeme, die als Nachrichten erkennbare elektromagnetische oder optische Signale senden, übertragen, vermitteln, empfangen, steuern oder kontrollieren. Diese Telekommunikationseinrichtungen sind heute ein elementarer Bestandteil der Telematik-Infrastruktur.

Andere Aspekte, die sich parallel zur Telematik-Infrastruktur flächendeckend entwickeln müssen, damit ein Austausch aller Beteiligten möglich wird, sind:

  •  ein Breitband-Zugang zum Internet
  •  die Bereitstellung der erforderlichen Software durch die Industrie nach den Vorgaben der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik)  und
  •  die entsprechende hardwaretechnische Ausstattung derjenigen, die sich an einem Austausch beteiligen möchten.

Bei diesen Umstrukturierungen ist mit Mehrkosten zu rechnen. Wie hoch diese sein werden, kann nur geschätzt werden. Experten rechnen für 2016 mit einem unteren zweistelligen Millionenbetrag, der bis 2018 noch einmal auf einen unteren dreistelligen Millionenbetrag ansteigen wird. Demgegenüber stehen die Erwartungen, dass viele digitalisierte Prozesse für Einsparungen im Gesundheitswesen sorgen werden.

 "Wie hoch die Einsparungen sein werden, kann man vielleicht berechnen. Aber ob diese Prognosen zutreffen, ist mehr als fraglich", so Professor Thomas Friedl, Leiter des Studiengangs Medizinische Informatik im Fachbereich Gesundheit an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen.  Auch er hält es für essentiell, die Infrastruktur für eine "Datenautobahn", so Friedl, herzustellen. "Nur so ist überhaupt gewährleistet, dass sich jeder an den Prozessen beteiligen kann. Ein Rettungswagen beispielsweise, der zwischen Marburg und Wetzlar dauernd in einem Funkloch steckt, spiegelt die heutige Lebenswirklichkeit wider. Lebensrettende Daten kann er unter diesen Umständen nicht aufnehmen oder weitergeben", so der Professor.

Vernetzung verändert Kommunikation und Organisation aller Beteiligten

Die neuen digitalen Möglichkeiten verändern kommunikative und organisatorische Prozesse grundlegend. Arbeitsprozesse können vielfach erleichtert und verkürzt werden, indem etwa Formulare, Rezepte oder Arztbriefe direkt nach dem Ausfüllen und Erstellen online versendet werden. Eine ausgewählte Datenübermittlung, etwa durch den Austausch von Diagnosen, Befunden und Röntgenaufnahmen, soll ab 2016 mit Umsetzung des E-Health-Gesetzes möglich sein. Verschiedene Akteure im Gesundheitswesen wie beispielsweise Mediziner im ambulanten und stationären Bereich, Apotheker, Pflegedienste oder Krankenkassen haben die Chancen, die sich hieraus ergeben, erkannt. Viele beteiligen sich bereits an einer besseren Vernetzung und nutzen vorhandene Technologien.

Das Bedürfnis, sich mit medizinischen Anbietern zu vernetzen, ist ebenso in der Bevölkerung groß. So zeigt die TK-Umfrage "Trendmonitor 2015", dass nahezu jeder Online-Interessierte gerne seine Arzttermine via Internet organisieren würde und Rezepte gerne online zugestellt bekäme. Viele Wege, die Patienten zu gehen haben, sei es zum Arzt oder zur Krankenkasse, blieben ihnen dann durch eine bessere Vernetzung des Gesundheitssystems erspart.

Für die Versorgung der Patienten hat es Vorteile, wenn Ärzte untereinander sowie Ärzte und Patienten auch über kurze Entfernungen hinweg mit Hilfe der Digitalisierung schneller, direkter und vielmals sicherer kommunizieren und sich informieren. Rund 70 Prozent der Online-Interessierten aus der TK-Umfrage würden dafür auch gesundheitsbezogene Messwerte regelmäßig online an den Arzt weiterleiten. Menschen, die also beispielsweise regelmäßig ihre Blutdruckwerte an ihren Arzt leiten, der zugleich den Verlauf der Werte beobachtet oder durch ein Alarmsystem auf kritische Werte seines Patienten hingewiesen wird, könnten so im akuten Bedarfsfall schnell medizinischen Rat vom behandelnden Arzt erhalten. 

Ein wichtiger Baustein, damit sich die kommunikativen und organisatorischen Prozesse der digitalen Gesundheit etablieren können, ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Die TK befürwortet ausdrücklich, die eGK um einen elektronischen Notfalldatensatz zu erweitern. Im Ernstfall kann dies dazu beitragen, dem Betroffenen schnell und zielgerichtet zu helfen. Die geplante Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten des Notfalldatensatzes sollte dazu verwendet werden, langfristig alle relevanten Daten in einer elektronischen Patientenakte zu bündeln und sie so den beteiligten Akteuren zur Verfügung zu stellen. Auch diese Möglichkeit würde kommunikative und organisatorische Prozesse optimieren. Grundsätzlich sollte der Patient selbst bestimmen, wer Zugriff auf seine individuellen Gesundheitsdaten hat, und entscheiden, für wen sie zugänglich sind und für wen nicht. Diese Voraussetzung trägt dazu bei, dass die elektronische Patientenakte und die eGK in der  Bevölkerung besser akzeptiert werden.

Mobilität - Mobile Health entlastet das Gesundheitswesen

Das Smartphone macht es durch das Internet möglich, medizinische Anwendungen stets mit sich zu führen. Nutzer, die sich für ihre Bedürfnisse die jeweilige App herunterladen, vereinen so viele Aspekte der digitalen Gesundheit auf ihrem Smartphone. Deshalb sprechen Experten in diesem Zusammenhang nicht mehr von E-Health, sondern von M-Health wie Mobile Health.

Gesundheits-Apps teilen sich in Anwendungen auf, durch die User

  • informiert und erinnert werden,
  • bei Entwöhnungsprogrammen (z.B. Raucherentwöhnung) unterstützt und
  •  bei Verhaltensänderungen (z.B. mehr Bewegung) begleitet werden,
  •  persönliche und medizinische Daten eingeben, sammeln und übermitteln,
  •  ihre Therapien unterstützend begleiten und
  •  Therapieangebote nutzen können.

Mit Gesundheits-Apps ist es Anwendern möglich, Verhalten oder medizinische Daten von sich selbst zu überwachen, Dritten zur Verfügung zu stellen, den jeweiligen Verlauf zu kontrollieren, Diagnosen zu recherchieren und/oder Beratung zu erhalten. Diese Möglichkeiten führen dazu, dass Patienten medizinische Therapien zusätzlich unterstützen können und vor krankheitsbedingten Krisensituationen, beispielsweise bei einer Diabeteserkrankung, besser geschützt sind. Denn durch die regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte und die Übersicht über deren Verlauf kann ein Patient selbst rechtzeitig bemerken, wenn seine Zuckerwerte entgleisen. Eine Krankenhauseinweisung kann so verhindert werden, weil der Betroffene selbst frühzeitig kritischen Entwicklungen entgegenwirken kann. Das weltweite Interesse an solchen mobilen Lösungen ist groß. Das Studienzentrum am Universitätsklinikum Freiburg hat eine Studie zu Gesundheits- und Versorgungs-Apps durchgeführt und festgestellt, dass weltweit etwa fünf Millionen Menschen ihre Vitalparameter oder Risikofaktoren dokumentieren. Apps wie zum Beispiel das TK-Diabetes-Tagebuch und solche, die ein Therapieangebot darstellen, können die Versorgung für Patienten verbessern und so die Effizienz im Gesundheitswesen steigern.

Risiken der digitalen Gesundheit dürfen Vorteile nicht überdecken

Der Nutzen und die Chancen, die durch ein digitalisiertes Gesundheitswesen entstehen, können nur erschlossen werden, wenn die Risiken gleichzeitig minimiert werden. Besonders die Qualitätssicherung und der Datenschutz werden mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens immer ein Thema bleiben. Beide Bereiche befinden sich mit dem Thema digitale Gesundheit in einem Spannungsfeld. Das Gesundheitssystem steht damit vor Herausforderungen, für die noch Antworten gefunden werden müssen. Hilfestellungen durch Experten für Qualitätssicherung und Datenschutz sind unbedingt notwendig.

Die Sorge um den Datenschutz darf indes für die positiven Aspekte der digitalen Gesundheit nicht zum Ausschlusskriterium werden. Hochschulprofessor Thomas Friedl, Leiter des Studiengangs Medizinische Informatik im Fachbereich Gesundheit an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, hält es daher für vertretbar, beim Datenschutz zu differenzieren: "Datenschutz ist für Personen da, die ihn benötigen, weil sie sich in der Lebensplanung und -gestaltung befinden", sagt der Experte. So sollte man im Datenschutz zwischen jungen Menschen und hochbetagten Patienten pragmatisch differenzieren, jedoch ohne dabei die informationelle Selbstbestimmung eines jeden hinten anzustellen. "Während bei einem Studenten noch unklar ist, inwieweit sich eine Erkrankung auf den späteren Lebensweg auswirkt, beispielsweise bei der Arbeitssuche, ist dies für eine achtzigjährige Patientin nicht mehr bedeutsam. Für alte Menschen ist es viel wichtiger, dass sie im Bedarfsfall schnell die richtige Hilfe erhalten", meint Friedl.

Überdies ist gerade beim Datenschutz nicht nur ein sicherer Übertragungsweg durch eine entsprechende technische Ausstattung eines Gesundheitsanbieters entscheidend, sondern auch die Medienkompetenz der Anwender. Denn wer mit sensiblen Daten umgeht, sollte wissen, welche Informationen er in welchem Zusammenhang speichert und für welchen Personenkreis diese freigegeben werden dürfen. Bei jeglichem Austausch sind die Daten des Einzelnen zu schützen. Klare Verhaltensregeln müssen aufgestellt und zwingend eingehalten werden. Denn ob das digitalisierte Gesundheitswesen von den daran beteiligten Personen akzeptiert wird, hängt auch davon ab, ob sie bereit sind, dem System und den darin arbeitenden Menschen zu vertrauen.