Mainz, 6. August 2019. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen fordert Jörn Simon, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz, dass bei entsprechenden politischen Initiativen und Projekten auch die "digitale Gesundheitskompetenz" in den Fokus genommen werden müsse. "Es ist ein wichtiges und gutes Signal, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens nun ganz oben auf der Agenda dieser Legislaturperiode steht. Mindestens ebenso wichtig ist es aber, den Patienten bei dieser Mission mitzunehmen, damit es keine digitale autonome Irrfahrt wird, bei der man die Insassen vergessen hat. In einem digitalen Gesundheitswesen ist der informierte Patient wichtiger als je zuvor", erklärt Simon. Nur so könne sichergestellt werden, dass Versicherte in einem Gesundheitssystem der Zukunft souverän über ihre eigene Gesundheit entscheiden könnten.

Zwei Drittel fühlen sich maximal zufriedenstellend informiert

In einer repräsentativen Umfrage hatte die TK 2018 untersucht, wie es um die digitale Gesundheitskompetenz steht. Zwei Drittel aller Befragten in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland gaben an, dass sie sich maximal zufriedenstellend oder sogar weniger gut in Gesundheitsthemen auskennen. 83 Prozent nutzten unter anderem das Internet als Informationsquelle, davon 96 Prozent Suchmaschinen wie Google.

"Digitale Gesundheitskompetenz bedeutet nicht nur technisch versiert zu sein, sondern vor allem, die Inhalte für sich einordnen und nutzbar machen zu können. Wichtig ist für Patienten in Zeiten von Dr. Google beispielsweise auch, dass ihnen Informationsquellen zur Verfügung gestellt werden, bei denen sie sicher sein können, dass die Inhalte auf Qualität geprüft sind und die sich an den Anforderungen der Nutzer orientieren", erklärt Simon angesichts der Ergebnisse. Es sei deshalb nicht nur wichtig, Gesundheitskompetenz, sondern auch Medienkompetenz insgesamt zu vermitteln, möglichst schon von Jugend an. 

Die elektronische Patientenakte ist gewollt

In der Studie wurden die Teilnehmer auch zu ihrer Einstellung zu einer elektronischen Patientenakte befragt. Drei von vier Menschen an Rhein, Main und Saar befürworten deren Einführung. Die künftigen User haben auch ganz konkrete Vorstellungen, was die Patientenakte können soll. So sind etwa jeweils neun von zehn Befragten der Meinung, dass Allergien, Notfallkontakte und -daten sowie der Impfstatus in der Patientenakte gespeichert werden soll. Drei von vier Menschen befürworten die Speicherung von verordneten Medikamenten, Befunden wie Röntgenbildern und Blutwerten und fast genauso viele die Dokumentation der Entscheidung für oder gegen eine Organspende.
 
"Die Nutzer haben klare Erwartungen an eine elektronische Patientenakte", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz. "Daher ist es notwendig, dass sie mit dem Start der Akte 2021 ein gesetzlich verordnetes Recht haben, diese Daten von den Leistungserbringern übertragen zu bekommen", so Simon.

Hinweis an die Redaktion

Für den Studienband " Homo Digivitalis " zur digitalen Gesundheitskompetenz befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa einen bevölkerungsrepräsentativen Querschnitt der Erwachsenen zwischen 18 und 70 Jahren in Deutschland.