Darmstadt hat im Juni den Wettbewerb "Digitale Stadt" gewonnen. Die Aktion war vom Digitalverband Bitkom und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund im November 2016 ausgerufen worden.   In den kommenden Jahren wird nun aus Darmstadt eine digitalisierte Musterstadt gemacht, von der andere Städte in Deutschland und Europa lernen können. In Hessens Wissenschaftsstadt werden seit Anfang 2018 Bereiche wie der Verkehrssektor, die Energieversorgung, Schulen und auch das Gesundheitswesen mit neuesten digitalen Technologien ausgerüstet. Zudem ist geplant, dass die öffentliche Verwaltung innovative Online-Anwendungen und der Handel intelligente Lieferdienste anbieten und ausprobieren. Auch die Telekommunikationsnetze der Stadt sollen ausgebaut und verbessert werden.

Land Hessen will mehrere Millionen Euro investieren

Finanziert werden die Projekte bis 2020 von über 20 Unternehmen aus der Hightech-Branche. Diese haben Unterstützungen in zweistelliger Millionenhöhe - in Form von Beratungsleistungen und technischer Ausstattung - in Aussicht gestellt. Auch das Land Hessen will mehrere Millionen Euro aus Landesmitteln und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung in Darmstadt investieren. "Das Geld soll in Projekte fließen, die einen greifbaren Nutzen für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen schaffen", erklärte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir Mitte Juni.

Welche Projekte die Stadt nun genau anpackt, kann Darmstadt weitestgehend selbst entscheiden. "Darmstadt verhandelt eigenständig mit den Partnerunternehmen über die konkreten Leistungen", erklärt Christian Kulick, Bereichsleiter "Smart City & Smart Region" bei Bitkom. Die Stadt selbst hat sich vorgenommen, vor allem Projekte anzugehen, die nachhaltig sind und sich nach Ablauf der zweijährigen Projekt-Finanzierung selbst tragen können.

Evaluation der Projekte ist vorgesehen

Zur Umsetzung und Koordinierung aller Aktivitäten will die Stadt Darmstadt in den kommenden Wochen eine eigene GmbH gründen. Ab 2018 sollen die ersten Projekte starten. Eine umfangreiche Evaluation der einzelnen Projektelemente ist geplant. Bitkom ist hier bereits in Gesprächen mit dem Projektmanagement-Team der Stadt, den lokalen Wissenschaftseinrichtungen und dem Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Der Wettbewerb "Digitale Stadt"

Bei dem Wettbewerb "Digitale Stadt" konnten sich Städte mit rund 100.000 bis 150.000 Einwohnern bewerben, die über eine gute Verkehrsanbindung sowie mindestens eine Hochschule in der näheren Umgebung verfügen. Insgesamt haben sich 14 deutsche Städte beworben. Darmstadt war dabei die einzige Stadt aus Hessen. In der Endrunde setzte sich Hessens Wissenschaftsstadt gegen die Konkurrenz aus Paderborn, Heidelberg, Kaiserslautern und Wolfsburg durch. Darmstadts Sieg wurde am 12. Juni 2017 anlässlich des Digitalgipfels der Bundesregierung im Baden-Württembergischen Walldorf von der damaligen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) bekanntgegeben.

Da andere Städte von Darmstadts Erfahrungen lernen sollen, ist auch ein regelmäßiger Austausch zwischen den Kommunen notwendig. "In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund soll ein Netzwerk geschaffen werden, das als Austauschplattform für Smart-City-Projekte fungiert. Die Erfahrungen in der Modellstadt Darmstadt werden dabei eine prominente Rolle spielen. Darüber hinaus diskutieren wir weitere mögliche Maßnahmen, von einer Best-Practice-Datenbank über Benchmarking-Tools bis hin zu regelmäßigen digital-kommunalen Kongressen", erklärt Kulick.

Die TK in Hessen blickt nun mit Spannung auf die Entwicklungen der kommenden zwei Jahre in Darmstadt. Knapp drei Wochen nach Bekanntwerden von Darmstadts Sieg beim Wettbewerb "Digitale Stadt" - hat die Redaktion von TK spezial nachgefragt, wie es vor Ort weitergeht. Wir haben mit dem Chief Digital Officer der Stadt, Prof. Michael Waidner , mit den Geschäftsführern des Klinikums Darmstadt - Prof. Steffen Gramminger und Clemens Maurer - sowie mit Oberbürgermeister Jochen Partsch gesprochen, um mehr über die nächsten Schritte zu erfahren.

Wir wünschen eine interessante Lektüre!