Ob rosafarben, grün oder gelb - viele Jahre war die Gesundheitsversorgung in Deutschland durch das Hin- und Herwechseln bunter Scheine geprägt. Bis jetzt - denn Gesundheitsminister Spahn und die Abgeordneten der Großen Koalition haben sich "das Ende der Zettelwirtschaft" als Ziel gesetzt und gehen es tatkräftig an. Gemäß Bundestagsbeschluss wird das Patientendatenschutzgesetz (PDSG) voraussichtlich im Herbst dieses Jahres in Kraft treten. Spätestens dann gibt es gute Alternativen zur "Zettelwirtschaft".

Denn der Gesetzgeber sieht beispielsweise die Einführung des elektronischen Rezepts (E-Rezept) verpflichtend ab dem 1. Januar 2022 als Anwendung der sicheren Telematikinfrastruktur (TI) vor. Auch die digitale Übermittlung von Facharzt-Überweisungen soll künftig möglich sein. Das Gleiche gilt für elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU), Befunde, Arztberichte und Röntgenbilder, die ebenso wie etwa der Mutterpass oder der Impfausweis ab 2022 in der elektronischen Patientenakte (ePA) hinterlegt sein sollen. Damit ist die digitale Transformation einen wichtigen Schritt vorangekommen. 

Jörn Simon

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Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Versorgung komplett digital machbar

Bei allen Schattenseiten der Corona-Krise muss man wohl anerkennen, dass die Pandemie die Digitalisierung befördert hat. Da Kontaktlosigkeit zu den effektivsten Maßnahmen gehört, um sich vor einer Infektion zu schützen, wuchs die Bereitschaft, die Möglichkeiten digitaler Innovationen zu nutzen. Der Umgang mit verschiedenen Anwendungen, wie etwa der Videosprechstunde beim Arzt, stärkt das Vertrauen in die Digitalisierung. Auch politische Debatten hierzu wurden vermehrt chancen- und weniger risikogetrieben geführt. Gut so, denn die TK hatte es sich bereits früh zur Aufgabe gemacht, einen klassischen Versorgungsprozess komplett digital abzubilden: Beginnend mit der ärztlichen Behandlung, der Krankschreibung und der eventuell nötigen medikamentösen Verordnung - alles sollte vollständig digital im Krankheitsfall machbar sein.

Auch die Krankschreibung wird digital

Wenn man krank ist, sollte man sich ausschließlich auf die Genesung konzentrieren können. Auch das postalische Versenden der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen kann durchaus eine Last sein, wenn man nicht gesund ist. Schon 2017 startete die TK daher ein Pilotprojekt, das prospektiv den gelben Schein überflüssig machen soll: TK-Versicherte können ihre Krankschreibung über den Arzt digital an die TK übermitteln. Bundesweit nehmen inzwischen mehr als 800 Ärzte an dem Projekt zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) teil. Auch einige Arbeitgeber waren an dem Projekt beteiligt. Politischer Rückenwind kam mit Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG). Von da an war die digitale Übermittlung der eAU vom Arzt an die Krankenkasse für 2021 beschlossen. Seit dem dritten Bürokratieentlastungsgesetz im Herbst 2019 können auch Arbeitgeber diesen digitalen Weg nutzen. Ab 2022 müssen Versicherte ihren Arbeitgeber nur noch über ihre Arbeitsunfähigkeit informieren - die Krankschreibung erhält er dann digital. 

Medikament per Smartphone

Auch in Sachen E-Rezept hat sich die TK bereits früh im Rahmen eines Pilotprojekts auf den Weg gemacht. Was zunächst auf eine renommierte Apotheke in Hamburg begrenzt war, ließ sich - dank der Entwicklung einer gemeinsamen Schnittstelle mit dem Apothekendienstleister Noventi - schnell ausweiten. Inzwischen beteiligen sich rund 600 Vorort-Apotheken, insgesamt liegen der TK mehr als 1.000 Anfragen vor. Potentiell lassen sich nahezu 10.000 Apotheken problemlos anschließen. Das papierlose Auslesen einer Verordnung funktioniert so gut, dass wir diesen digitalen Vorgang, gemeinsam mit der elektronischen Krankschreibung, mit einem weiteren Versorgungselement vernetzen konnten - der ärztlichen Videosprechstunde. 

Online-Sprechstunde per TK-Doc-App

Seit Juni dieses Jahres haben mehr als zehn Millionen TK-Versicherte die Möglichkeit, sich per Telefon und Videotelefonie vom heimischen Sofa aus ärztlich behandeln zu lassen. Sieben Tage die Woche, rund um die Uhr, steht TK-Kunden über die TK-Doc-App ein niedergelassener Arzt zur Verfügung. Neben Corona ist das Behandlungsspektrum auf sieben Krankheitsbilder begrenzt. Diese reichen von Infekten bis hin zu Migräne und Rückenschmerzen. 

Die Zukunft - ein Höchstmaß an Effizienz und Bequemlichkeit

Sollte eine medikamentöse Verordnung notwendig sein, kann der niedergelassene Arzt auch ein elektronisches Rezept ausstellen und dem Versicherten via TK-Doc-App übermitteln. Dann steht es dem Kunden frei, den nach höchsten Sicherheitsstandards verschlüsselten QR-Code in einer Apotheke seiner Wahl auslesen zu lassen. Das Rezept kann auch direkt digital an die Apotheke übermittelt werden, wobei gleichzeitig überprüft wird, ob das Medikament aktuell verfügbar ist. Nimmt man die eAU dazu, ist es der TK also gelungen, einen vollständigen Versorgungsprozess, wie er täglich millionenfach stattfindet, digital zu realisieren und ein Höchstmaß an Effizienz und Bequemlichkeit für den Versicherten herzustellen.