Die Corona-Pandemie hat auch in Deutschland vieles verändert. So mussten in verschiedensten Bereichen des öffentlichen Lebens pragmatische, digitale Lösungen gefunden werden - und das in kürzester Zeit. Schulen, Universitäten, Unternehmen, aber auch das Gesundheitswesen waren davon betroffen. Die Pandemie hat gezeigt, dass sich ein Großteil der Menschen hierzulande vor diesem Hintergrund schnell und bereitwillig an neue Gegebenheiten anpassen kann.

Videosprechstunden durch Corona beliebter

Ein Beispiel dafür ist die breite Akzeptanz, die Videosprechstunden plötzlich genossen haben - sowohl in der Ärzteschaft als auch bei den Patienten. Alleine bis Ende April beantragten 400 Ärzte im Saarland die Genehmigung zur Durchführung von Videosprechstunden. Laut einer von der TK in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage konnten sich im Mai 51 Prozent der Saarländer, Rheinland-Pfälzer und Hessen vorstellen, sich per Video behandeln zu lassen - im Dezember waren es dagegen nur 27 Prozent. Mit der Umsetzung leisteten  die Beteiligten einen Beitrag, um etwa volle Wartezimmer in Arztpraxen - und damit potenzielle Ansteckungsrisiken - zu vermeiden.

Maurice Dahm

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Mitarbeiter der TK-Landesvertretung Saarland

Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen wurden angepasst: So war es möglich, sich bei Atemwegsbeschwerden für bis zu 14 Tage telefonisch vom Arzt krankschreiben zu lassen. Während diese Regelung mittlerweile ausgelaufen ist, wurden auch bei der Krankschreibung per Videosprechstunde Verbesserungen erzielt. Wird ein Patient per Videotelefonie behandelt, darf der Arzt ihm für bis zu sieben Tage eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Diese Möglichkeit unterliegt allerdings der Beschränkung, dass vorher ein Erstkontakt in der Arztpraxis stattgefunden haben muss - der Patient dort also "bekannt" sei. Die TK fordert, Krankschreibungen per Videotelefonie auch ohne vorherigen Erstkontakt in der Arztpraxis zu ermöglichen. Nur dann können die Vorteile der Digitalisierung voll ausgespielt werden. Voraussetzung muss dabei sein, dass eine sichere Diagnose möglich ist.

TK weitet Fernbehandlungs-Angebot aus

Auch die TK hat ihr Angebot zur Fernbehandlung per Videotelefonie über die TK-Doc-App in diesem Jahr kontinuierlich ausgeweitet. Startete das Angebot Anfang 2020 als Pilotprojekt, hat es sich bewährt und steht nun allen TK-Versicherten ab 16 Jahren zur Verfügung. Niedergelassene Vertragsärzte behandeln die Patienten dabei bei Vorliegen von acht verschiedenen Krankheitsbildern. Sollte eine Krankschreibung nötig sein, kann diese für bis zu drei Tagen ebenfalls verordnet werden.

Auf Wunsch des Versicherten erfolgt die Übermittlung an die TK auf elektronischem Weg. Der Versand der Durchschläge für den Versicherten und den Arbeitgeber muss aus rechtlichen Gründen noch auf dem Postweg erfolgen. Die Digitalisierung setzt aber auch bei der Rezeptverordnung ein: Statt des klassischen Papierrezepts ist auch die Ausstellung eines elektronischen Rezepts (eRezept) mittels QR-Code möglich. Dieser kann sofort an eine teilnehmende Apotheke gesendet werden. Mehr als 1000 Apotheken wollen dabei bereits mitmachen. 

TI als wichtiger Baustein

Mit dem Aufbau der Telematikinfrastruktur (TI) zur Vernetzung verschiedenster Akteure wird ein wichtiger Baustein für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen gerade aufgebaut - und wird spürbare Verbesserungen in der medizinischen Versorgung bringen. Eng damit verbunden ist etwa die elektronische Patientenakte (ePA), welche zum 1. Januar 2021 starten wird und mit der Patienten erstmals einen vollständigen Überblick und eine umfassende Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten erhalten werden. Bereits seit Mai 2019 können sich alle TK-Versicherten von der elektronischen Gesundheitsakte TK-Safe überzeugen.

All diese Ansätze und Projekte treiben die Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen spürbar voran. Weitere innovative Ansätze sind gefragt. Mit Fortschritten in Wissenschaft und Forschung werden auch im Gesundheitswesen neue Möglichkeiten geschaffen - etwa bei der Nutzung künstlicher Intelligenz. Ziel sollte es sein, dass letztlich alle Parteien - ob Versicherte, Patienten oder auch Ärzte, Leistungserbringer, Kliniken und Krankenkassen - einen konkreten und erlebbaren Vorteil davon haben. 

Datenschutz muss zentrale Rolle spielen

Bei allen Vorhaben muss der Datenschutz eine zentrale Rolle spielen und muss zu jeder Zeit gewahrt werden. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein fortwährender Prozess und muss stetig weiterentwickelt und vorangetrieben werden. Insbesondere technische Rahmenbedingungen ändern sich rasant. Mit den richtigen Weichenstellungen und einer stärkeren digitalen Vernetzung kann die medizinische Versorgung in Zukunft weiter verbessert werden - unter gleichzeitiger Anwendung hoher datenschutzrechtlicher Standards.